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Daniel Krochmalnik

Im Garten der Schrift

Wie Juden die Bibel lesen

Mit Freude und Gewinn lässt sich hier rabbinische Hermeneutik studieren: Daniel Krochmalnik versteht es, als kompetenter Gelehrter – u. a. an der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien – die Leser in den bezaubernden „Garten der Schrift“ (PaRDeS) zu entführen, um ihnen verschiedenste Pflanzen und Tiere, Bäume und Felder rabbinischer Weisen quer durch die Geschichte anschaulich und interessant vorzustellen. Dabei lässt er die wohl wichtigsten jüdischen Kommentatoren der Bibel Israels reichlich zu Wort kommen, gibt einen verständlichen Einblick in den „mehrfachen Schriftsinn“, durch den RASCHI und RAMBAN (Nachmanides), RAMBAM (Maimonides) und RAMAK (Cordovero), aber auch Baruch Spinoza und Moses Mendelssohn den Reichtum der heiligen Schriften Schicht um Schicht erschlossen und exegesiert haben. Es geht ihnen um die permanente Erneuerung der Lehre (Chiddusch): „Das jüdische ‚Lernen’ belebt den toten Buchstaben, verleiht ihm neue Spannkraft, Gelenkigkeit, Farbe“ (8). Ausführlich geht Krochmalnik auf die Hauptströmungen mittelalterlicher jüdischer Schriftdeutung (Parschanut) ein, die – als ein Thomas von Aquin die christliche „Lehre vom vierfachen Sinn der Heiligen Schrift“ in seiner „Summa Theologica“ formuliert – eine völlig eigenständige Lehre des vierfachen Schriftsinns (Arba‘a Derachim) in die jüdische Hermeneutik einführt und dafür das Passwort „PaRDeS“ prägt (9 f.): „Das Akrostichon steht für vier mögliche ,Sinnschichten und Interpretationsmethoden’ (10) – den Pschat (einfacher, literalistischer Sinn), Remes (angedeuteter, allegorischer Sinn), Drasch (belehrender, homiletisch-typologischer Sinn) und Sod (geheimer, mystisch-symbolischer Sinn)“ (17 f.). Das Wort ,Pardes’ (verwandt dem persisch entlehnten ,Paradies’) bleibt dabei stets mehrdeutig: „Es kann sowohl für das Diesseits oder das Jenseits, für den Anfang oder das Ende, für das Domizil oder das Exil stehen. Die Divergenz der Denkmöglichkeiten hier entspricht dem Dissens der Rabbinen in den meisten doktrinalen Fragen. Das Lernen führt in die offene Sinnsuche, nicht in den sicheren Hafen des Dogmas vom prälapsarischen Urstand“ (26). Allen, die an einer biblisch fundierten Suche nach Verständigung zwischen Juden und Christen interessiert sind, ist diese manchmal nicht ganz leichte Exkursion in den „Garten der Schrift“ zu empfehlen.


FrRu Heft 1 / 2009 Seite 61



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