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Gertrud Luckner
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Gertrud Luckner

Geleitwort zum ersten Rundbrief

Im Anschluss an die Hilfstätigkeit in den Verfolgungsjahren, die im Auftrag des verstorbenen Erzbischofs von Freiburg, Dr. Conrad Gröber, als Caritasreferenten der Fuldaer Bischofskonferenz und im Rahmen des Deutschen Caritasverbandes in fast allen deutschen Diözesen erfolgte, wurde im Frühjahr 1948 in Freiburg in einem kleinen Kreis Interessierter erörtert, welche Konsequenzen aus der Tatsache zu ziehen seien, dass in der Hitlerzeit zum erstenmal Christen und Juden gemeinsam verfolgt worden sind. Dabei wurde auch die Herausgabe einer Korrespondenz angeregt, die das Verhältnis zwischen den Angehörigen des alten und denen des neuen Gottesvolkes informierend und klärend behandeln und so die verhängnisvolle gegenseitige Unkenntnis überwinden helfen soll.

Schweigen, Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit liegen über der Ermordung von Millionen. Inzwischen sind Abneigung und Judenhass als Folge mancher verhängnisvollen Entwicklung dieser Jahre erneut im Wachsen. Sie finden in unglücklichen Zwischenfällen Vorwände wie z. B., dass manche überlebende deutsche Juden und auch fremdländische Ostjuden mit ausländischen Hilfspaketen Handel trieben, um sich Dollars für die Auswanderung und Geld für die Nachforschung nach ihren Familien zu verschaffen.

Es ist daher notwendig, dass diese Erscheinungen in ihren eigentlichen Ursachen aufgrund von genauen Informationen untersucht und aufgeklärt werden, um sie vorurteilsfrei zu verstehen und erkennen zu können. Mancher Schleier, der sich in der Zeit der Untergrundhilfe über das Vergangene gebreitet hat, muss gelüftet werden, um Gegenwärtiges zu verstehen, damit Brücken geschlagen und gesunde menschliche Beziehungen zu unseren jüdischen Mitmenschen wieder hergestellt werden können, insbesondere auch zu unseren christlichen Brüdern jüdischer Herkunft. Es bedarf auch einer grundsätzlichen Besinnung der Christen, um alte Vorurteile zu überwinden. Eine Beziehung zwischen Menschen ist unmöglich, wenn ein Gespräch nicht zustande kommt. Wir möchten uns ein solches Gespräch mit unseren jüdischen Brüdern wünschen.

Dieser Rundbrief, der gelegentlich erscheinen soll, will ein Versuch in dieser Richtung sein. Die Herausgeber sind für weitere Anregungen dankbar.

Seine Grundhaltung und sein Programm wird durch die nachfolgende Botschaft Jacques Maritains umrissen, die dieser als Gesandter beim Vatikan am 23.7.47 der „Konferenz von Christen und Juden“ übermittelte.


Rundbrief zur Förderung der Freundschaft zwischen dem alten und dem neuen Gottesvolk − im Geiste der beiden Testamente, Nr. 1, August 1948, Seite 1.


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