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Peter Fiedler

Studien zur biblischen Grundlegung des christlich-jüdischen Verhältnisses

Stuttgarter Biblische Aufsatzbände 35. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2005. 291 Seiten.

Neben Franz Mußner hat sich kaum ein katholischer Neutestamentler so häufig mit der christlich-jüdischen Thematik befaßt wie der Freiburger Exeget Peter Fiedler. Der Schüler des Altmeisters Anton Vögtle wurde bekannt durch seine nicht unumstrittene Arbeit „Jesus und die Sünder“ (Frankfurt/Bern 1976) und die dort vertretene These, dass bei Jesus nicht ein stellvertretender Sühnetod im Zentrum steht, sondern die Verkündigung des bedingungslos vergebenden Vaters. Das Wirken Jesu ist nicht soteriologisch zu verengen auf damit verbundene Anklagen und „Wiedergutmachungen“, sondern bezeugt Gottes Versöhnungsangebot im Hereinbrechen seiner Herrschaft. So heißt es auch im Bezug zum Judentum in einem Text dieser Aufsatzsammlung aus zwei Jahrzehnten konzentrierter exegetischer Forschung: „Jedenfalls kann es nicht Sache christlicher Theologen sein, die aus bestimmten Sitzen im Leben der Evangelisten und ihrer Traditionen herkommenden definitiv klingenden Gerichtsworte gegen zeitgenössische jüdische Widersacher als jesuanisch zu behaupten, zu verallgemeinern und zu verabsolutieren. Israel ist nicht an Jesus gescheitert; dem jüdischen Volk bewahrt Gott vielmehr ‚den Bund und die Gnade‘. Das ist für die Vergebungsbotschaft Jesu ebenso wie für die Rechtfertigungsbotschaft des Paulus die unverbrüchliche Grundlage“ (87). Damit ist das jüdische Volk — und mit ihm die Menschheit — immer von Gottes Erbarmen und Vergebung umfangen.  Die Aufsatzsammlung beginnt daher auch mit einer Untersuchung „Zum theologischen Gebrauch von ‚Bund‘ (berit) in der Hebräischen Bibel“ (1-21), die zuerst in den vom Freiburger Religionspädagogen und Newman-Forscher Günter Biemer initiierten „Freiburger Leitlinien zum Lernprozeß Christen Juden“ (1981) erschienen ist. Damals wurde ein Tabu gebrochen, mit dem sich die theologische Wissenschaft manchmal schwerer tat als das kirchliche Lehramt. Aufsätze über „Israels Hoffnung“ (88-102), „Die Tora bei Jesus und in der Jesusüberlieferung“ (103-119) und „Das Israel Gottes — Kirche oder jüdisches Volk?“ (120-144) vertiefen die Argumentation. Auch paulinische Kampfesäußerungen (etwa im Galaterbrief) werden so im richtigen Kontext gedeutet, ohne dass es einer „political correctness“ wie der von Goldhagen geforderten Eliminierung von Bibeltexten bedurft hätte (145-176). Behandelt wird auch die Rolle der „Pharisäer“ im Matthäusevangelium (209-231) und die Frage nach der Verantwortung für den Tod Jesu (232-255). Den Schluß bildet der jüngste Aufsatz über „Kultkritik im Neuen Testament?“ (256-291), der 2002 in der Festschrift für den Liturgiker Angelus Häußling OSB erschienen ist und die Folgerung festhält: „Bei aller Respektierung der jüdischen Eigenständigkeit und des christologischen ‚Neuansatzes‘ muß sich [...] der Gottesdienst der Kirche aus den (nichtjüdischen) Völkern gemäß den Aussagen in den Kapiteln 9, 11 und 15 des Römerbriefs unaufhebbar auf den jüdischen Gottesdienst hingeordnet sehen, wenn er Gottesdienst des Gottes Israels sein und bleiben will“ (291). Schwerpunkt der Themen ist die Erforschung der Jesusüberlieferung sowie der Verkündigung des Matthäus und des Paulus. Die dichten und dotteden Texte Fiedlers sind eine christliche Mahnung entsprechend dem unwiderruflichen johanneischen Satz: „Wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden“ (Joh 4,22). Mögen vor allem Religionspädagogen und Prediger sich Fiedlers Anregungen gegenüber empfänglich zeigen.

Stefan Hartmann, Oberhaid


Jahrgang 13/2006 Seite 54


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