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Ginzel, GŁnther B. / Fessier, GŁnter (Hrsg.)

Die Kirchen und die Juden

Versuch einer Bilanz. Lambert Schneider Verlag, Gerlingen 1997. 155 Seiten.

Vorliegender Sammelband geht auf eine Tagung der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zurück, die anläßlich des dreißigsten Jahrestages der Verkündigung der Konzilserklärung „Nostra aetate“ (1965) veranstaltet wurde. Katholische, evangelische und jüdische Autoren bieten in konzentrierter Form eine instruktive und lebendige Einführung in Entstehung, Bedeutung und Wirkungsgeschichte des Konzilsdokumentes. Bischof Karl Lehmann benennt die Verdienste von „Nostra aetate“ als „Durchbruch-Dokument“, sieht aber auch die bleibenden Aufgaben im Dialog mit dem Judentum, wobei er besonders die Religionspädagogik würdigt. Erich Zenger spannt den Bogen von der christlichen Theologie über das Judentum seit dem 2. Jh. n. Chr. bis zur Entstehungsgeschichte der Konzilserklärung. Zengers Darstellung ist von engagierter Innensicht geprägt. Er exportiert die theologischen Signalstrukturen der Judenfeindschaft ebenso deutlich, wie er die auf dem Konzil vollzogene theologische Anerkennung des lebendigen Judentums herausstellt. Gerhart M. Riegner (vgl. S. 124-127 i. d. H.) versucht von seiten des Judentum die Hauptpunkte der neuen christlichen Theologie zu formulieren. Mit Franz Mußner plädiert Riegner dafür, daß die Beziehungen zwischen Christen und Juden auch zu einem zentralen Thema der systematischen Theologie werden müßten (vgl. auch seine Kritik am Weltkatechismus hinsichtlich der typologischen Lektüre der Bibel und der Substitutionstheologie). Johann M. Schmidt (vgl. S. 99—106 i. d. H.) stellt den Weg der evangelischen Kirche zu Umkehr und Erneuerung im Verhältnis zum Judentum anhand kirchenamtlicher Erklärungen vor. Johannes Brosseder faßt systematische und ökumenische Erwägungen zu Möglichkeit und Notwendigkeit einer nicht-christologischen Deutung des A.T. zusammen. — Der kleine Band ist ein ausgezeichnetes „Vademecum“ zum gegenwärtigen christlich-jüdischen Dialog und seinen Wurzeln in den letzten dreißig Jahren. Den Kreuzungspunkt dieser Überlegungen hat schon Philipp Spener im 18. Jh. angedacht: „Wie können wir Christen der Treue Gottes gewiß sein, wenn wir den entscheidenden Erweis dieser Treue in Gestalt der bleibenden Erwählung seines Volkes Israel leugnen?“

Bernd Feininger


Jahrgang 7/2000 Seite 130



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