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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 6/1999 Heft 2

Vom 6. bis 8. Januar 1999 organisierte das Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales (IUHEI) in Genf eine Reihe von Vorträgen im Gedenken an die Flüchtlingskonferenz von Evian-les-Bains im Juli 1938, bei der auf Einladung von US-Präsident Roosevelt 31 Delegierte aus Europa, Amerika und Australien durch die Festlegung von Einreisebeschränkungen über das Schicksal von Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich entschieden hatten. Es sprachen Prof. Saul Friedländer (Tel Aviv), Nazideutschland und die Ausreise der Juden, Prof. em. André Lasserre (Genf), Die Schweiz und die Flüchtlinge in den dreißiger Jahren und Prof. Michael Marrus (Toronto), Die Evian-Konferenz und das Krisenjahr 1938. Die Veranstaltungen standen unter dem Patronat des schweizerischen Außenministeriums.

Als Ergänzung zur Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944 wurde Ende 1998 im Münchner Rathaus vom Kulturreferat der Stadt die Ausstellung Widerstand, Verweigerung und Protest gegen das NS-Regime in München eröffnet. Die Ausstellung befaßt sich mit den alltäglichen Formen der ,Widersetzlichkeit‘ und nicht mit dem ,heroischen‘ Widerstand von Einzelpersonen wie die Geschwister Scholl, Pater Delp und Georg Elser. Die zwiespältige Rolle von Kardinal Faulhaber kommt ebenso zur Sprache wie die Rolle der katholischen Priester, von denen, so die Recherche, fast zwei Drittel wegen ,Kanzelmißbrauch‘ der Verfolgung ausgesetzt waren. Im Ausstellungsbuch weist Marion Detjen aber auch darauf hin, daß es gegen die Massendeportation der jüdischen Mitbürger keinen nennenswerten Protest gegeben habe.

Die Colleges der Basel-Loge B‘nai B‘rith haben im 6. Kursjahr die Jüdische Volkshochschule Basel ins Leben gerufen (Pressemitteilung vom 8. Januar 1999). Sie gibt der Erwachsenenbildung in der Nordwestschweiz neue Impulse. Renommierte Organisationen, die sich um jüdische Erwachsenenbildung bemühen, finden sich gemeinsam unter einem Dach zusammen (Basel-Loge des B‘nai B‘rith, Israelitische Gemeinde Basel, Gesellschaft Schweiz-Israel Sektion Basel, Zionistische Vereinigung Basel; mit weiteren Organisationen finden zudem Gespräche statt). In kleinen Sequenzen von drei- und vierteiligen Reihen sollen alle Fächer jüdischer Bildung und Kultur einem breiten Publikum vorgestellt werden. Präsident der Programmkommission ist Prof. Dr. Simon Lauer, Studienleiter ist Pfarrer Nico Rubeli-Guthauser.

Anfang Dezember 1998 gedachte die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen in Ludwigsburg ihrer Gründung vor vierzig Jahren. Politiker und Historiker aus mehreren Ländern nahmen daran teil, unter ihnen Archivdirektor Shmuel Krakowski von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Laut Oberstaatsanwalt Willi Dreßen, Leiter der Zentralstelle, hat das Interesse am Geschehen in der Nazi-Zeit zugenommen. Seit ihrem Bestehen hat die Zentralstelle 7100 Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Später soll die Stelle als Forschungs- und Dokumentationszentrum weitergeführt werden.

Bei seinem zweiten offiziellen Besuch in Israel wurde Bundespräsident Roman Herzog am 16. November 1998 die Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva verliehen. In seiner Dankesrede rief er die Jugend Israels auf, die Vision eines friedlichen Zusammenlebens aller Völker Wirklichkeit werden zu lassen. Am selben Tag verlieh Herzog dem Alt-Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, das „Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ für seinen außergewöhnlichen Beitrag zur Förderung deutsch-israelischer Beziehungen.

Anfang Dezember 1998 wurde eine „mega-data-base“ in Yad Vashem in Betrieb genommen. Aus Quellen wie Volkszählungen, Deportations-, KZ-und Befreiungslisten sollen drei bis vier Millionen Namen erfaßt werden. Avner Shalev, Direktor von Yad Vashem, plant eine komplette Erfassung der einstigen jüdischen Bevölkerung. Im Jahr 2001 soll eine drei Bände umfassende Enzyklopädie „Jüdisches Leben vor dem Holocaust“ von Shmuel Spector, Yad Vashem, und Geoffrey Wigoder, Hebräische Universität Jerusalem, herausgegeben werden.

Die USA und Großbritannien haben die Festlegung eines Holocaust-Tages vorgeschlagen. Als mögliche Termine wurden genannt: die Befreiung von Auschwitz (27. Januar), der Geburtstag von Anne Frank (12. Juni) oder das Datum des Holocaust-Gedenktages entsprechend dem jüdischen Kalender.

Das italienische Fernsehen plant eine zweiteilige Kurzserie über das Leben des Geschäftsmannes Giorgio Perlasca mit dem Titel Die Banalität des Guten (vgl. FrRu 3[1996]278-279). Getarnt als spanischer Diplomat rettete Perlasca Tausende von Juden des Budapester Gettos mit gefälschten Reisedokumenten. Er gilt als der „italienische Schindler“.

In der Casa Argentina in Jerusalem wurde am 19. Nov. 1998 das Buch von Uki Goñi Peron and the Nazis vorgestellt.

In Kanada erhielt das Buch von Alan Davies und Marilyn Nefsky, How Silent were the Churches ... Canadian Protestantism and the Jewish Plight During the Nazi Era den Joseph und Fay Tanenbaum Preis für Kanadisch-Jüdische Geschichte.

Unter der Schirmherrschaft von Regierungspräsident Dr. Franz Vogt wurde in der Würzburger Michaelskirche vom 8. bis 27. November 1998 die von Prof. Dr. Herbert Jochum (Saarbrücken) zusammengestellte Ausstellung Ecclesia und Synagoga (vgl. S. 141 i. d. Heft) zur Geschichte antijüdischer Sprach- und Bildsymbole gezeigt. Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm von Vorträgen, u. a. von Dr. Roland Flade, Der Ritualmord von Manau 1929; Ernst Klee, NS-Medizinverbrecben – am Beispiel Würzburg; Dr. Rainer Erb, Moderner Antisemitismus.

Am 1. Dezember 1998 erhielt Sir Sigmund Sternberg die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, für seine Verdienste beim Internationalen Rat der Christen und Juden. In seiner Dankesrede sagte er: „Juden und Christen verbindet eine gemeinsame Vision im Hinblick auf die Veränderung der menschlichen Gesellschaft.“ Gleichzeitig mahnte er: „Wir können nicht so tun, als ob wir auf einer Insel des judaeo-christlichen Glaubens leben. Wir müssen uns zu der Einsicht bekennen, daß in der heutigen Welt der Islam in seinen diversen Formen eine stetig wachsende Rolle spielt.“


Jahrgang 6/1999 Seite 155



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