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In memoriam P. Paulus Gordan OSB

Am 1. Januar 1999 verstarb im 86. Lebensjahr P. Paulus Gordan OSB, Angehöriger der Erzabtei der Benediktiner-Mönche von Beuron im Donautal. Der 1912 in Berlin geborene Paulus Günther Gordan hatte ein liberales assimiliertes jüdisches Elternhaus. Nach Jahren des Suchens fand er, den es nach seinem akademischen Studium nirgendwo lange hielt, 1931 zur Römisch-Katholischen Kirche. Er wurde Priester und schließlich Mönch in Beuron. 1938 führte ihn die Flucht aus Deutschland nach Südamerika, wo er in Brasilien und Chile und später, nach Europa zurückgekehrt, in Genf sich für die Heimatvertriebenen einsetzte. In den fünfziger Jahren übernahm P. Gordan die Redaktion der Benediktinischen Monatsschrift Erbe und Auftrag.

Mit dem Freiburger Rundbrief und mit Frau Dr. Gertrud Luckner war P. Gordan bereits seit 1949 liiert; sein Name erscheint von 1958 an beständig in den Rundbriefen, u. a. als Mitunterzeichner eines Dankschreibens deutscher Katholiken an Papst Paul VI. (25. Mai 1965) aus Anlaß des Konzilsdekretes „Nostra aetate“ 4. Neben 25 Buchrezensionen in den Jahren 1966 bis 1984 trat er mit verschiedenen Beiträgen im christlich-jüdischen Dialog hervor, so in einer mutigen Intervention 1966, als er vorschlug, bei der Einleitung des römischen Meßbuchs zur Lesung des Jeremia-Textes 18,18-23 statt impii Judaei nur impii zu lesen. Er begründete seinen Vorschlag damit, daß, so wörtlich, auch „Papst Johannes XXIII. mit einem kühnen Federstrich das berüchtigte perfidi aus dem Karfreitagsgebet für die Juden ausgemerzt“ habe. Unvergessen ist sein Gedenkbeitrag zum Tod von Kardinal Augustin Bea (1881-1968, vgl. FrRu XX[1968]3 f.). Während des II. Vatikanischen Konzils war P. Gordan in Rom. Von 1968-1976 arbeitete er dort als leitender Sekretär der Benediktinischen Konföderation. 1980 wurde er zum Obmann des Direktoriums der Salzburger Hochschulwochen gewählt.

Signet Gerechtigkeit und FriedenDer Freiburger Rundbrief verdankt P. Paulus Gordan auch ein Signet/Logo (s. Bild), entworfen von Frieda Weber Krebs, das seit FrRu XXX[1978] erschien. Zugrunde lag P. Gordans Beitrag anläßlich des 75. Geburtstags von Gertrud Luckner (FrRu XXVII[1975]16 f.): „Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküßt“ (Ps 85,11). Gerechtigkeit und Friede wurden von P. Gordan aufgefaßt als Elisabeth und Maria in ihrer Begegnung (Lk 1,34-56) und Umarmung. So sollte christlich-jüdische Begegnung auf der Ebene des Persönlichen angesiedelt sein. Bei P. Gordans weitgespannten geistigen Interessen und Leistungen erscheint sein Wirken im Dienst der christlich-jüdischen Begegnung nur wie ein Mosaikstein im Lebensbild dieses großen Benediktiners. Aber es ist ein kostbarer Stein, und wir gedenken seiner in großer Dankbarkeit.

Alwin Renker


Jahrgang 6/1999 Seite 154



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