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Mayer, Reinhold / Mitarbeit Inken Rühle

War Jesus der Messias?

Geschichte der Messiasse Israels in drei Jahrtausenden. Bilam Verlag, Tübingen 1998. 436 Seiten.

Dem Tübinger Judaisten geht es „um eine konkret-historische und nicht um eine theologische Fragestellung, um messianische Erfüllung und nicht um messianische Verheißung“ (1). Er will zum einen „anhand einer Auswahl von messianischen Persönlichkeiten Grundstrukturen allen Messiastums darstellen“ (3): Die Unterdrückung Israels; der Messias und (häufig) sein Prophet; der „Geistüberschwang“, der die Handlungen des Messias und seiner Anhänger/innen motiviert; die Ablehnung durch die (meisten) Herrschenden sowie durch diejenigen, die das „nüchtern Toramäßige“ bevorzugen; schließlich das Scheitern des Messias und (nicht selten) die Transformation der mit ihm verbundenen Erwartungen. Zum anderen will Mayer mit der Vorlage der Quellen sowohl über „Fakten“ als auch „von deren wunderbarer Ausschmückung in Geschichten, Legenden und Gerüchten“ berichten, ist er sich doch bewußt: „auch die Wirkungsgeschichte bildet eine Realität“ (3).

Mayer definiert als Aufgabe der Messiasse „ ... nicht Umkehrpredigt, Sündenvergebung und Krankenheilung, nicht Traum vom Paradies, sondern Aufstand, Befreiung von als untragbar empfundenen Verhältnissen“ (6) mit dem Ziel der Sammlung der Zerstreuten im Land Israel. Mayer erzählt nicht nur von bekannten Messiassen wie Serubbabel, Jesus, Bar Kochba, Schabtai Zwi und Raw Schneerson, sondern auch von den weniger bekannten. Auch geht er auf „christlich-messianische Bewegungen“ und auf „moderne messianische Bewegungen ohne Messias: Aufklärung, Sozialismus, Zionismus“ ein. Er läßt auch jene zu Wort kommen, die dem Messianischen bzw. konkreten Messiasprätendenten gegenüber kritisch eingestellt waren. Mayer selbst zieht augenscheinlich diese ,Nüchternen‘ den Messiassen vor. An einer einzigen Stelle schreibt er „von der Vitalität, dem frischen Wind, den Messiasse immer wieder in die Judenheit gebracht haben“ (413), nicht ohne fortzufahren „trotz des zerstörerischen Potentials, das jedem Messias eben auch innewohnt“. Auf diese Weise ist eine kenntnisreiche Geschichte Israels bzw. des Judentums und seiner Messiasse entstanden, die spannend zu lesen ist. Pädagogisch geschickt macht Mayer immer wieder auf die „Grundstrukturen“ aufmerksam; die Anmerkungen, die sich auf Querverweise innerhalb des Buches beschränken, helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Auch der zweite Teil des Buches (die Quellen) liest sich gut; die Texte sind klug ausgewählt, flüssig übersetzt und hilfreich kommentiert.

Bei der Bearbeitung eines solch umfassenden Themas kommt es verständlicherweise zu ein paar inhaltlichen Ungenauigkeiten. Das gleiche gilt von den Quellennachweisen und vom Literaturverzeichnis. Mehr Auseinandersetzung mit weiterer Sekundärliteratur wäre zu wünschen. Gleichwohl ist das Werk sehr zu empfehlen, nicht zuletzt, weil Mayer sich den historischen, ethischen und systematischen Implikationen seiner Arbeit stellt.

Lothar Triebel


Jahrgang 6/1999 Seite 142



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