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Leser-Echo

Elfriede Rothgang, Ludwigshafen, bemerkt zur Ansprache von Kardinal Etchegaray (FrRu 5[1998JH.2,97-103):

Nach der Lektüre mußte ich — nicht zum ersten Mal — bedauern, daß das an alle Menschen gerichtete göttliche Wort von Christen nicht in „letzter Konsequenz“ verkündet werden kann. Das Erste Gebot als Kernaussage und Offenbarung G‘TTes an die Juden, durch sie an uns und schließlich an die Menschheit gerichtet, wird in griechisch-philosophischer, also heidnischer Formulierung verkündet und in der Liturgie so ausgesprochen. Es ist ein Paganismus, der verständlicherweise von den Juden nicht akzeptiert werden kann (vgl. M. Stöhr, „Dreinreden“, 383). Es wäre notwendig, daß das Christentum im ständigen Gespräch über die Selbstverständnisse und Auslegungstraditionen des jüdischen Volkes bliebe. Wir Christen können uns nicht als Partner auf derselben Stufe zu den Juden betrachten, sondern in erster Linie als Hörer.


C. C. Aronsfeld, Harrow, England, ergänzt zur Rezension „Matthäuskommentar I und II“ (FrRu5[1998JH.2,118-124):

.... daß dieses Buch anscheinend gar nicht auf die merkwürdige Stelle im Matthäus-Evangelium eingeht (5,43), wo Jesus sagt: „Ihr habt gehört, daß euch gesagt ist: du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Dieses Zitat wird bei Luther ausdrücklich identifiziert: 3 Mose 19,18. Dort aber heißt es: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, denn ich bin der Herr.“ Ich möchte jetzt annehmen, daß die Behauptung „und deine Feinde hassen“ von Matthäus erfunden wurde. Matthäus hat das von ihm Berichtete geglaubt. Viele Juden haben das sicher auch geglaubt, und viele, die keine Juden sind, glauben es heute noch. Warum sollten die Juden auch Hitler nicht hassen und all seine Nachfahren, die sich jetzt wieder mausig machen?


Derselbe schreibt zu Clemens Thoma, „Vatikanische Reue mit Einschränkungen“ (FrRu5[1998JH.3,161-167):

Ich möchte eine Bemerkung machen zu dem, was Clemens Thoma als das Vatikanische Nachdenken über die Schoa bezeichnet, wo (sagt er) „etwas zaghaft erwogen wird, ob die Verfolgung der Juden durch den Nazismus nicht auch durch die antijüdischen Vorurteile in den Köpfen und Herzen einiger Christen leichter möglich wurde“. Ich halte das nicht nur für möglich, sondern für etwas mehr als wahrscheinlich. Demgegenüber darf sich kein ehrlicher Deutscher darauf berufen, er (sie) habe nicht das Geringste von der „Endlösung“ gewußt. Das brauchten sie auch gar nicht. Sie brauchten nur zu wissen, daß die höchsten Stellen des 3. Reichs öffentlich die Juden als „keine Menschen“ bezeichneten, oder als Menschen „nur insoweit als Ratten, Läuse und anderes Ungeziefer Tiere sind“, von der Natur dazu bestimmt, ausgerottet zu werden. Das war ein Teil der offiziellen und in dieser Form ausgesprochen nazistischen Propaganda. Der Rest war Kommentar.

Die allgemeinen antijüdischen Vorurteile in der ganzen Welt waren den Nazis wohl bekannt, und von ihnen durften sie die Sympathie der Gleichgesinnten erwarten. Denn der Nazi-Antisemitismus war nicht bloß eine Besessenheit, sondern ein berechnendes Werkzeug des Nazi-Imperialismus, der sich von den international verbreiteten „Protokollen der Weisen von Zion“ und von den Gruselgeschichten der „Ritualmorde“ die nötige ideologische Hilfe versprach. Hitler sollte als der Befreier vom „jüdischen Joch“ erscheinen. Er hatte nichts gegen andere Völker als solche, so hieß es in seiner Propaganda. Im Gegenteil, er tat allen Völkern den Gefallen, ihre eigenen „Feinde im Innern“ zu bekämpfen, die Juden, die den größten Feind darstellten, nämlich die „internationalen jüdischen Ausbeuter“.

Dazu kam die besondere Abart des Antisemitismus, Hitlers „Anti-Kommunismus“. Während der Antisemitismus Bundesgenossen im Innern der Länder rekrutieren sollte, war der „Anti-Kommunismus“ dazu bestimmt, Bundesgenossen in der Außenpolitik zu finden, Nazi-Deutschland mit der nötigen Hilfe in dem von Anfang an geplanten Kriege gegen Rußland zu versorgen und damit in entscheidender Weise Hitlers Imperialismus zu stärken, der ja (wie er ausdrücklich in seinem Buch ,Mein Kampf‘ sagte) den Nazis die Weltherrschaft sichern sollte. Das alles haben die Staatsmänner Europas nicht erkannt, auch der diplomatisch geschulte Papst Pius XII. nicht ...


Elfriede Stökli, Zürich, schreibt zum gleichen Thema:

Eines bleibt im 4. Abschnitt des Vatikan-Dokuments ausgespart: Ich berufe mich auf die Simon-Wiesenthal-Studie. „Diejenigen (Nazis), deren Ziel Südamerika war, wurden nach Rom gebracht und unter die Protektion von Mitgliedern der Kurie des Vatikans gestellt. Von einem Komitee, das ein deutscher Bischof in Rom — Alois Hudal — gegründet hatte, wurden sie in Klöstern versteckt, bis sie auf Schiffe nach Argentinien, Brasilien und anderswo in Lateinamerika gebracht werden konnten. In vielen Fällen sorgte der Vatikan auch für die Reisedokumente. Wiesenthal erhielt seine Informationen durch die Kontakte zu amerikanischen und britischen Geheimdiensten, von seinen Freunden in der Regierung Oberösterreichs und von einzelnen Informanten“ (S. 197). Nebst dem Schreibtischmassenmörder Adolf Eichmann werden auch Franz Stangl, Kommandant der Konzentrationslager Sobibor und Treblinka, und Josef Mengele genannt, letzterer freilich nicht mit absoluter Sicherheit von Hudal unterstützt (und die drei Genannten stellen nur die Spitze des Eisberges dar). „Während seiner (Pius XII.) Regentschaft verurteilte der Vatikan die nationalsozialistischen Greuel nicht, obwohl der Vatikan 1942 durch die polnische Kirche über eindeutige Informationen verfügte, daß die Juden in Polen hingeschlachtet wurden. Pius XII. verstand Hitler als Bollwerk gegen den Kommunismus, und er glaubte auch, daß es im weiteren Interesse der Kirche läge, Hitler nicht zu einer Vergeltung an den deutschen Katholiken zu provozieren. Nebenbei: Manche der führenden Persönlichkeiten in der deutschen katholischen Kirche unterstützten Hitler, und der Papst wollte sie nicht der katholischen Kirche entfremden“ (S. 198).


Herbert Rosenkranz, Jerusalem, korrigiert zum Beitrag von Marie Zonis „Juden in Thessaloniki“ (FrRu 5[1998]H.3,199-200):

Nicht Alois Brunner wurde in Deutschland gehängt, sondern Anton Brunner in Wien. Anton Brunner, genannt Brunner II, peinigte die Juden Wiens vor der Deportation als ausführendes Organ unter Alois Brunner (Brunner I), der sich als Leiter der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“, als Nachfolger von Adolf Eichmann und Rolf Gärtner, die Sporen verdiente (vgl. Herbert Rosenkranz: „Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938-1945“, Wien/München, Herold Vlg. 1978). Nachdem Alois Brunner in Berlin, Paris, Preßburg und Saloniki die Deportationen geleitet hatte, setzte er sich unter seinem Namen nach Damaskus ab, wo seine Adresse bekannt ist. Als von Präsident Assad Brunners Herausgabe gefordert wurde, gab er vor, nichts darüber zu wissen. Als aber Beate Klarsfeld in dieser Sache nach Damaskus flog, wurde sie am Flugplatz gezwungen umzukehren.

In dem kurzen Artikel spricht der Autor dreimal von der „Mutter Israels“ und einmal von „Himmel der Juden“, ohne wichtige Fakten zu erwähnen, wie z. B., daß Saloniki bis zur gewaltsamen Graecesierung 1912 und den Balkankriegen der einzige Hafen war, der am Sabbat ruhte. Andererseits wurde nicht erwähnt, daß die Universität auf dem Terrain des zerstörten jüdischen Friedhofs aufgebaut wurde.


Andreas Benk, Sinsheim-Steinsfurt, moniert zur Rezension der von Wolfgang Kruse herausgegebenen „Predigtmeditationen“ (FrRu 5[1998JH.3,212-213):

In der Besprechung beanstandet der Rezensent die Verwendung des Begriffes „Predigtmeditationen“. Dies ist freilich kein „Modewort“, sondern ein im evangelischen Raum gebräuchlicher Fachausdruck für Predigthilfen (im Sinne von meditatio als Bedachtnahme, Einübung, Vorbereitung). Anstößig empfinde ich die Wortwahl des Rezensenten, als Nebenprodukt dieser Veröffentlichung sei die „Ausmerzung [sic] antijudaistischer Vorurteile in der Predigtpraxis angezielt“.


Franz Mußner, Passau, weist auf zwei Fehler hin, die der Redaktion in seinem Beitrag „Die Schoa und der Jude Jesus“ (FrRu 5[1998JH.4,272-278) unterlaufen sind:

In Fußnote 5: Thomas (nicht Theodor) Söding. Die letzte Zeile des Celan-Gedichtes muß heißen: „... die sie uns ziehn“.


Jahrgang 6/1999 Seite 77



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