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Gertrud Luckner
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Leser-Echo

Mit Bezug auf „Die Judenchöre in Bachs Johannes-Passion“ von Dagmar Hoffmann-Axthelm (FrRu NF 5[1998JH.2,103-111) sandte Michael Fischer, Freiburg, eine Kopie seiner Diplomarbeit zum gleichen Thema und bemerkte u. a.:

Ich habe versucht, der Frage nach den Juden in der Johannes-Passion BWW 245 und einem eventuellen Antijudaismus nachzugehen. Für mich stellt sich die Frage komplexer dar und ich komme — aufgrund einer anderen Vorgehensweise — zu anderen Ergebnissen. Die Texte der Johannes-Passion thematisieren gar nicht die Juden, sondern die Sünder und damit die Christen. Die konkret im Gottesdienst versammelte Gemeinde soll durch die musizierte Passion predigthaft angesprochen werden. Ähnliches gilt für die lutherische Theologie: Im Mittelpunkt stehen der leidende Christus und der sündige Mensch, nicht aber die Juden.


Prof Dr. Klaus Haacker, Wuppertal-Barmen, schreibt zum Ergänzungsvorschlag zum Credo (FrRu NF 5[1998JH. 2,159):

Der Leserbrief betrifft ein Defizit des Credos, das ich seit Jahren empfunden und schon oft in Diskussionen beklagt habe. Da Änderungen am Wortlaut des Bekenntnisses kirchlich wohl kaum durchsetzbar sind, habe ich auf der Ebene eines Credo-Liedes einen Versuch gemacht. Das Lied ist schon in verschiedenen Gottesdiensten gesungen worden. (EG 72)

Wir glauben an den Gott und Herrn / der uns und alle Welt erschuf,
den Himmel, Sonne, Mond und Stern / und Erd und Meer durch seinen Ruf.

Er führte Abraham ins Land / und ließ ein Volk aus ihm entstehn,
nahm es durch Mose bei der Hand, / auf seinen Wegen treu zu gehn.

Er fand in David einen Knecht, / in Zion einen heilgen Ort,
erwies sich gnädig und gerecht / und sprach durch der Propheten Wort.

Dann kam die lang ersehnte Zeit: / er sandte Jesus, seinen Sohn.
Der hat sein Leben uns geweiht / und ward erhöht zu Gottes Thron.

Sein Wort vom nahen Gottesreich, / zu Israel zuerst gesandt,
gilt nun für alle Menschen gleich / und wird in aller Welt bekannt.

Was immer uns von Gott getrennt, / hat ausgedient, ist abgetan,
weil Gottes Liebe für uns brennt, / fängt uns ein neues Leben an.

Wir spüren einen neuen Geist, / der Angst und Eigensinn vertreibt,
der uns die rechten Wege weist / und unser langer Atem bleibt.

Steht uns auch Not und Tod bevor, / liegt Nebel noch auf Welt und Zeit:
am Ende öffnet sich das Tor zu Gottes Licht und Ewigkeit.


Hans Reichrath, Zweibrücken, zur Rezension seines Buches „Ludwig Diehl 1894-1982“, (FrRu NF5[1998JH.3,221-222), macht darauf aufmerksam, daß

... 1996 eine 2. durchgesehene und erweiterte Ausgabe erschienen ist. In sie wurden neben weiteren Literaturangaben zusätzliche Erkenntnisse, vornehmlich in den Anmerkungen, verarbeitet. Eine ausführliche „Replik“ befaßt sich mit der nach dem Erscheinen des Buches entstandenen Diskussion.


Gerd Schäfer, Wiesbaden, antwortet auf den Leserbrief von Ursula Büchner (FrRu NF 5[1998JH.3,239):

Ihre Anregung scheint nur vordergründig richtig. Denn die Worte „O du mein Volk, was tat ich dir“? sind nicht an das „Israel nach dem Fleisch“ (1 Kor 10,18), sondern an das „geistige Israel“, die Kirche, gerichtet. Ägypten steht symbolisch für das Menschliche. Das „Popule meus“ hat nichts mit Antijudaismus und Antisemitismus zu tun.


Simon Lauer, Basel, kommentiert den Terminus „Trialektik“ (FrRu NF 5[1998JH.3,197):

Die deutsche Sprache zeichnet sich durch eine besondere Fähigkeit zur Bildung von Komposita aus; manche greifen (weiß Gott, warum) zum ähnlich strukturierten Griechisch. Leute, denen der Dialog, noch längst nicht zu Ende geführt, schon nicht mehr genügt, versuchen ihn bereits zu überbieten, indem sie die griechische Wurzel leg-/log- mit dem Zahlwort tria verbinden — als ob die griechische Präposition dia mit dem Zahlwort dyo auch nur das geringste zu tun hätte. Nähme man sich die kleine Mühe, Platos Dialoge einmal durchzublättern, könnte man das leicht feststellen. Kurzum: „Trialog“, neustens auch „Trialektik“, sind weiter nichts als Barbarismen. Wollen etwa Theologen und Philosophen in die Zeit vor der Renaissance zurückkehren? 0 tempora, o linguae!


Iacov Grinberg, Augsburg, sandte ausführliche Überlegungen zu „Antisemitismus als Mythos“ (FrRu NF 4[1997JH.4,264-268). Er schreibt u. a.:

Um den Kampf gegen Antisemitismus erfolgreich zu führen, muß man den Mythos nicht nur zerstören, sondern mit etwas Positivem ersetzen. Prophylaktik bedeutet in unserem Fall, daß man Mythen dadurch bekämpft, daß ihre Weitergabe an die junge Generation verhindert wird. Solche Arbeit soll auch in der Kirche durchgeführt werden. Wodurch man solche Mythen ersetzen kann, ist noch nicht klar und ist wahrscheinlich ein Thema für eine große Arbeit. Wir können hier nur das Problem definieren. Um Antisemitismus zu bekämpfen und das Bewußtsein der Gemeinde zu heilen, müssen die kirchlichen Stellen eine aktive Position zu den Juden einnehmen.


Jahrgang 5/1998 Seite 318



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