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Freudenberg-Hübner, Dorothee / Wiehn, Erhard Roy (Hg.)

Abgeschoben

Jüdische Schicksale aus Freiburg 1940-1942. Briefe der Geschwister Liefmann aus Gurs und Morlaas an Adolf Freudenberg in Genf. Hartung-Gorre, Konstanz 1993. 214 Seiten.

„Laubhüttenfest 1940“ (1994) von Hugo Ott könnte als Vorauslektüre zum vorliegenden Buch dienen. Dort wird jener Morgen des 22. Oktober 1940 beschrieben, an dem die Freiburger Juden nach Gurs abtransportiert werden und Therese Loewy, die Frau des Professors Alfred Loewy, sich die Pulsadern aufschneidet und ihrem bedrohten Leben ein Ende macht. „Abgeschoben“ beschreibt das Schicksal der Geschwister Liefmann aus Freiburg: Robert Liefmann, seit 1914 ordentlicher Professor für Nationalökonomie an der Freiburger Universität und seit 1933 zwangsemeritiert, die Kinderärztin Else Liefmann und Martha Liefmann. Aus dem kommentierten Briefwechsel der Geschwister mit Adolf und Elsa Freudenberg wird ersichtlich, welches Schicksal Therese Loewy bevorgestanden hätte. Die Herausgeberin und Kommentatorin der Briefe, Dorothee Freudenberg-Hübner, ist die Enkelin des arischen Flüchtlingssekretärs des Ökumenischen Rates in Genf, Adolf Freudenberg, und seiner jüdischen Frau Elsa geb. Liefmann. Der von Elsa Freudenberg aufbewahrte Briefwechsel, den ihre Enkelin zunächst nur aus privatem Interesse geordnet hat, wurde mit Hilfe von zwei weiteren Büchern zusammenhängend eingeordnet: Adolf Freudenberg, Rettet sie doch! Franzosen und die Genfer Ökumene im Dienste der Verfolgten des Dritten Reiches, 1969, und Martha und Else Liefmann Helle Lichter auf dunklem Grund, 1966. Der zwar unvollständige, aber mit verbindenden Anmerkungen versehene Briefwechsel ergibt ein deutliches Bild über die Lage der nach Gurs deportierten Juden. Zusammen mit sechseinhalbtausend Menschen jüdischer Abstammung aus Baden und der Pfalz leben die Geschwister Liefmann getrennt voneinander als „Interns“ im Camp de Gurs und versuchen unter entwürdigenden Umständen ihr Leben zu retten. Schließlich können sie gegen entsprechende Zahlung Gurs verlassen und als „hérbergés“ in Morlaas leben. Dort stirbt Robert Liefmann. Else Liefmann kann auf legalem Weg, Martha Liefmann durch Vermittlung in die Schweiz fliehen. Viele Originalbriefe, Fotos und Landkarten illustrieren den Text. Über das Schicksal der Liefmanns hinaus gewinnt der Briefwechsel weitere Bedeutung durch die Nennung der Namen vieler anderer, die gleichfalls im Camp de Gurs interniert waren.

Bernd Bothe


Jahrgang 5/1998 Seite 292



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