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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 5/1998 Heft 3

Unter dem Motto „Not sehen und handeln“ begann am 9. November 1997 die Hundert-Jahr-Feier des Deutschen Caritas-Verbandes. Bundespräsident Roman Herzog würdigte bei einem Festakt in Köln das Engagement der Caritas, sich ohne Ansehen der religiösen, politischen und weltanschaulichen Überzeugungen und ohne Ansehen der ethnischen Herkunft und Zugehörigkeit für die Würde und die Rechte von Menschen einzutreten, die selbst keine Möglichkeit oder Kraft haben, für ihre eigenen Belange zu kämpfen. In Zusammenhang mit großen Gestalten der Caritas erinnerte Herzog an Gertrud Luckner: „Sie ist als eine der großen Persönlichkeiten in die Geschichte unseres Landes und des Staates Israel eingegangen.“

Am 50. Unabhängigkeitstag des Staates Israel (30. April 1998) erhielten drei international angesehene Hochschullehrer den diesjährigen Israelpreis für Geisteswissenschaft . Der in Prag geborene Jehuda Bauer, Professor für neue Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, wurde für seine Holocaust-Forschung ausgezeichnet. Bauer hatte am 27. Januar 1998, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag gehalten. Die aus Wien stammende Archäologin Trudi Dotan wurde für ihre Grabungen und Forschung über die Philister geehrt. Der Historiker Mosche Gil, Universität Tel Aviv, erhielt den Preis für seine Arbeit zur Geschichte der Juden in Palästina.

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) präsentierte die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Stuttgart vom 16. bis 28. Januar 1998 in einer nachdenklich-nostalgischen Ausstellung mit dem Titel „Sag beim Abschied leise servus ...“ die Sammlung von Robert Dachs. Sie erinnerte an österreichisch-jüdische Künstler, die das Wiener Kulturleben bis 1938 wesentlich mitgeprägt haben. Ab 1938 bedeutete für sie „leiser Abschied“ Exil oder Vernichtung. Der Erzieherausschuß des GCJZ wollte vor allem Jugendliche an die Ereignisse von damals erinnern und für jüdisches Leben heute sensibilisieren. Über eine Lehrerfortbildung sollte die Ausstellung neue Impulse für die Gestaltung des jährlichen Gedenktages bieten.

Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des Staates Israel stand die 9. Internationale Frühjahrsbuchwoche in München (15. bis 17. März 1998) im Zeichen der Literatur Israels. Vorgestellt wurde sie von 20 Autorinnen, die in ihrer Herkunft (Aschkenasim, Sephardim, Holocaust-Überlebende, Sabras, Laizisten, Orthodoxe, Juden, Araber und Drusen) und ihren Werken die Spannungsfelder israelischer Literatur widerspiegeln.

Bei Bauarbeiten auf dem Wiener Judenplatz sind die Reste einer mittelalterlichen Synagoge freigelegt worden. Laut einer alten Gedenktafel hatten in dieser Synagoge im Jahre 1420 viele Juden den Freitod gewählt, um einer Zwangstaufe zu entgehen. Erzbischof Christoph Schönborn hat angeregt, eine zweite Inschrift anzubringen, die die historische Schuld christlicher Bürger und Herrscher bekennt. Die Historikerin Erika Weinzierl forderte eine Fortsetzung der Forschung über die österreichische Kirche und die Judenverfolgung in der Nazizeit. Als offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde in diesem Jahr in Österreich erstmals der 5. Mai, der Tag, an dem amerikanische Truppen das KZ Mauthausen befreiten, begangen.

Das in Amerika seit 90 Jahren bestehende American Jewish Committee hat am 9. Februar 1998 in Berlin ein Büro eröffnet. In Amerika befaßt sich das Komitee mit der Wahrung der Bürgerrechte und der Religionsfreiheit jüdischer Gemeinschaften. Nach Eugene duBow, dem Leiter der Niederlassung, will die Organisation von Berlin aus die jüdischen Gemeinden in den mittel- und osteuropäischen Ländern unterstützen und themenbezogene wissenschaftliche Programme organisieren. Bundesaußenminister Klaus Kinkel betonte bei den Eröffnungsfeierlichkeiten, in Deutschland seien „Erinnern und Gedenken nicht schwächer, sondern stärker geworden“.

Im Kloster St. Lioba in Günterstal (Freiburg) ist am 4. Januar 1998 Schwester Placida Laubhardt gestorben. Bis 1938 arbeitete sie gemeinsam mit Gertrud Luckner beim Caritasverband Freiburg. Ein Jahr nach dem Tod Edith Steins in Auschwitz (1942), mit der sie durch ihre eigene jüdische Abstammung schon in Breslau befreundet war, kam auch sie, wie Gertrud Luckner, in das Konzentrationslager Ravensbrück. Sr. Placida betonte stets die enge Verbindung zwischen Judentum und Christentum.

Ein neues Zentrum für Holocaust- und Genozid-Studien an der Clark Universität in Worcester, Mass., bietet erstmals außerhalb von Israel die Geschichte des Holocaust als akademisches Studienfach an. Ziel des Zentrums ist die Ausbildung von Wissenschaftlern sowie von Fachpersonal für Universitäten, Hoch- und allgemeinbildende Schulen, für Bibliotheken und Museen. Die Leitung des Zentrums übernimmt Prof. Deborah Dwork, die durch ihre Bücher Children with a Star und Auschwitz 1270 to the Present bekannt geworden ist.

In Angliederung an die Cambridge Theological Federation wird im September 1998 in Cambridge ein „Centre for Jewish-Christian Relations“ eröffnet. Als einziges Institut dieser Art in England soll es vor allem dem Studium und dem Dialog dienen sowie Forschung und Lehre auf dem Gebiet jüdisch-christlicher Beziehungen fördern. Seine Zielgruppen sind christliche und jüdische Theologiestudentinnen und -studenten sowie interessierte Laien, Rabbiner und Priester.

Der Gerlinger Verleger Heinz M. Bleicher wurde am 9. Februar 1998 75 Jahre alt. Bleicher ist evangelischer Vorsitzender und Vorstandssprecher der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Kuratoriumsmitglied des Deutschen KoordinierungsRates. Als Verleger setzte sich Bleicher nachhaltig für deutschsprachige Schriftsteller in Israel ein. Im Jahre 1994 gründete er den Freundeskreis Shavei Zion zur Unterstützung der gleichnamigen Gemeinde nördlich von Haifa, die 1939 von schwäbischen Juden gegründet wurde.

Der Humanist und Pfarrer Albrecht Goes feierte am 22. März 1998 seinen neunzigsten Geburtstag. Bereits als Student der evangelischen Theologie in Tübingen und Berlin, begann er sich für dialogische Philosophie, von Martin Buber in seiner Schrift Ich und Du inauguriert, zu interessieren. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Erzählung ,Brandopfer, die sich mit der Judenverfolgung auseinandersetzt.

Das Zentralinstitut Islam-Archiv Deutschand in Soest verlangt, daß sich Islamische Theologen unmißverständlich von jedem Antijudaismus distanzieren. Antijüdische Schriften sollen aus Buchläden und Bibliotheken in den Moscheen verschwinden, und Predigten, die sich gegen Juden wenden, sollten nicht länger geduldet werden.

Antisemitische Gewalt in Deutschland nimmt zu. Nach einem Bericht der Bundesregierung waren vom Bundeskriminalamt von Oktober bis Dezember 1997 241 antisemitische Straftaten registriert worden. Von Juli bis September 1997 waren es 170 gewesen. Für das erste Halbjahr 1997 waren offiziell 414 antisemitische Delikte gemeldet worden. Somit sind für 1997 insgesamt 825 Straftaten verzeichnet, im Gegensatz zu 380 im Jahr 1996, ein Zuwachs von 117%.


Jahrgang 5/1998 Seite 237



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