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de Lange, Nicholas

Greek Jewish Texts from the Cairo Genizah

Texte und Studien zum antiken Judentum, 51. Mohr Siebeck, Tübingen 1996. 473 Seiten.

Im Jahre 1890 entdeckte man in der Genizah der Synagoge von Alt-Kairo eine Anzahl von Textfragmenten. Die ältesten Fragmente datieren in das 6. Jahrhundert n. Chr. Für die Bibelwissenschaft waren die Fragmente biblischer Texte von besonderem Interesse. Das breitgestreute außerbiblische Material ermöglichte es, in groben Strichen das Bild des Lebens einer jüdischen Gemeinde in einer hellenistisch geprägten Umwelt nachzuzeichnen. Aus der Fülle von Fragmenten wählt der Verfasser solche — größtenteils bisher unveröffentlichte — Texte aus, die in einer Mischung von hebräischer und griechischer Sprache verfaßt, aber mit hebräischen Lettern geschrieben wurden. Sie alle datieren höchstwahrscheinlich zwischen das 10. und 12. Jahrhundert n. Chr. Das Hauptanliegen de Langes besteht in einer sauberen Reproduktion der Texte und deren Übersetzung ins Englische. In einem umfassenden kritischen Apparat werden mögliche Lesearten und griechische Vokabeln diskutiert.

Die erste Gruppe von Fragmenten (1-27) gewährt einen Einblick in das Alltags- und Geschäftsleben griechisch sprechender Juden im Mittelalter. Aufgenommen sind ein Ehevertrag, zwei Privatbriefe und ein Geschäftsbrief. Daran schließen sich in einer liturgischen Gruppe (29-69) vier Fragmente der Pesach Haggadah. Alle Fragmente sind ein und demselben Ritus zuzuordnen. Die Texte weisen Unterschiede zum heute gebräuchlichen Text der Pesach Haggadah auf und sind somit von historischem Wert. Auch christliche Liturgiker werden diese Texte mit großem Gewinn lesen. In einer umfangreichen dritten Gruppe (71-294) bringt der Verfasser Fragmente biblischer Literatur, darunter eine textkritisch aufschlußreiche griechische Übersetzung eines Teiles des Buches Kohelet. Ebenfalls aufgenommen sind zwei Glossen (zu Maleachi und Ijob sowie zum ersten Buch der Könige), zwei Scholien zu Texten aus dem Pentateuch bzw. dem Hexateuch und Kommentare über Teile des ersten Buches der Könige und über Teile von Ezechiel und des Zwölfprophetenbuches. Den Abschluß dieser Sammlung griechisch-hebräischer Texte des mittelalterlichen Judentums bildet ein Fragment einer rabbinischen Glosse, in dem schwierige Wörter einzelner Traktate der Mischna erklärt werden. Abschließend werden in einem umfangreichen Bildteil (307-453) photographische Darstellungen aller aufgenommenen Fragmente geboten. Ein Schriftstellen- und Namensverzeichnis sowie ein Verzeichnis der im Text vorkommenden wichtigen griechischen Wörter beschließen diesen wissenschaftlich höchst wertvollen Band.

Thomas Decker


Jahrgang 5/1998 Seite 213



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