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Krupp, Michael

Der Talmud

Eine Einführung in die Grundschrift des Judentums mit ausgewählten Texten. Gütersloher Verlagshaus (GTB 772), Gütersloh 1995. 296 Seiten.

Der protestantische Theologe Michael Krupp ist seit 1970 Beauftragter für das interkonfessionelle Gespräch der drei monotheistischen Religionen in Jerusalem. Seine Beiträge zum jüdisch-christlichen Dialog zeugen von großem theologischen Respekt für das Judentum und sind von dem Willen bestimmt, Brücken zum gegenseitigen Verständnis zu bauen. Die vorliegende Talmud-Ausgabe möchte Christen ermuntern, den Talmud zu lesen, um einen authentischen Zugang zum Judentum und zu den gemeinsamen Schriften der Bibel zu finden. Daß mit dieser Aufgabe allerdings erhebliche Schwierigkeiten verbunden sind, ergibt sich allein schon aus der Tatsache, daß der Talmud in der klassischen Ausgabe von Wilna 20 umfangreiche Bände umfaßt. Christen sind somit auf Einführungen angewiesen. Genau diesen Dienst will Krupp christlichen Lesern erweisen. Die umfangreiche Einleitung stellt allgemeinverständlich Entstehung und Aufbau des Talmud dar. Die wichtigsten Inhalte werden skizziert, die großen Lehrer porträtiert und eine Talmudseite exemplarisch erschlossen. Die ausgewählten Texte kreisen um Themen wie Götzendienst, Sündenbock, Versöhnungstag, Gebetszeiten, die Bindung Isaaks und den Messias. Merkt man schon hier, wie sehr die Auswahl auf das Interesse christlicher Leser zielt, so gilt dies erst recht für das Kapitel, das sämtliche Texte, in denen Jesus erwähnt wird, vorstellt. Sie nehmen hier proportional einen erheblich größeren Platz ein als im Talmud selbst. Die Texte werden nicht nur im Wortlaut zitiert, sondern auch eindringlich interpretiert. Ohne diese soliden Verständnishilfen würden viele Texte für christliche Leser stumm und unzugänglich bleiben. So liegt hier eine Einführung und eine Textauswahl vor, die vor allem Theologen und Seelsorgern, Religionslehrern und Studenten empfohlen werden kann. Sie wird ihnen helfen, wie durch ein Fenster einen Blick auf das Grundbuch des rabbinischen Judentums zu tun. Daraus können sie einen dreifachen Gewinn ziehen. Sie werden sich ein großes und originelles Werk der Literatur erschließen (1), das Neue Testament anders lesen (2) und das Judentum besser verstehen (3).

Werner Trutwin


Jahrgang 5/1998 Seite 51



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