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Hruby, Kurt

Aufsätze zum nachbiblischen Judentum und zum jüdischen Erbe der frühen Kirche

Hg. von Peter von der Osten-Sacken und Thomas Willi, unter Mitarbeit von Andreas Bedenbender. Institut Kirche und Juden-turn (ANTZ Bd. 5), Berlin 1996. 520 Seiten.

Die faszinierende Aufsatzsammlung bestätigt eindrücklich, was ich in einem Beitrag zu Hrubys 70. Geburtstag, ein Jahr vor seinem schmerzlichen Tod, so formuliert hatte: „Aus der jüdischen Wurzel stammend, ein katholischer Priester und Theologe, nicht nur in Paris Judaistik lehrend, in kritischen Jahren als Journalist im britischen Mandat Palästina lebend und seit Jahrzehnten Mitarbeiter der Stiftung für Kirche und Judentum, ist wahrhaft ein Homo Oecumenicus“. Thomas Willi, einer der Weggefährten Hrubys, findet warme Worte für diesen bescheidenen, mit seinem Herzen engagierten Gelehrten, der sich nie zu schade war, sein hohes akademisches Niveau ganz elementar vor einfachen Zuhörern auszubreiten.

Den Herausgebern ist es gelungen, „eine Auswahl zu treffen, die nicht allzuviel an Kostbarem unberücksichtigt ließ“ und die weit Verstreutes zugänglich macht. Eine kurze Einführung in die rabbinische Tradition und ihre Quellenschriften eröffnet die Sammlung. Gegenstand von Teil 1 ist die Tora: das Reich der Tora, Gesetz und Gnade in der rabbinischen Überlieferung und die Nächstenliebe im jüdischen Denken — Themen, die für das christlich-jüdische Gespräch von grundlegender Bedeutung sind und mit manchen christlichen Vorurteilen aufräumen können. Teil 2 ist der geschichtlichen Entwicklung der Institution Synagoge gewidmet, mit einem Exkurs über rituelle Tauchbäder und die Proselytentaufe. In Teil 3 erfahren wir Wesentliches über die Anfänge der synagogalen Liturgie und ihre Entwicklung sowie etwas über das Tachanum (Bittgebet) und den Platz des individuellen Gebets in der synagogalen Liturgie, angesichts des grundsätzlichen Gemeinschaftscharakters jüdischen Betens eine wichtige Perspektive, auch für die Kirche, deren „Individualisierung“ im Gebet in ihrem ja persönlichen Glauben an den einen Herrn zum Problem werden kann. Mit Teil 4 „Messias“ finden wir uns im Zentrum jüdisch-christlicher Differenzen, ein ertragreiches Kapitel mit den Schwerpunkten: Die Messiaserwartungen in der talmudischen Zeit (2.-6. Jh.), der leidende Messias und die rabbinische Exegese messianischer Schriftstellen (bes. Jes 53 u. Sach). Der letzte Teil befaßt sich zunächst mit einem Vergleich rabbinischer und patristischer Exegese, ein hermeneutisches Problem in den Kontroversbereichen: präexistenter und inkarnierter Logos, die Bedeutung der Beschneidung, die Auslegung von Ps 110, exemplarisch dargestellt an dem berühmten Dialog Justins mit dem Juden Tryphon. „Die Stellung der jüdischen Gesetzeslehrer zur werdenden Kirche“ bietet von der jüdischen Tradition her Einsichten in die Ausgangssituation, ohne deren Kenntnis keine Einsichten zu gewinnen sind in den gegenwärtigen Standort des Judentums zur Kirche und der Person Jesu. Der abschließende Beitrag über Juden und Judentum bei den Kirchenvätern, besonders die Adversus-Judaeos-Literatur, bestätigt die Zusammenhänge der aufgezeigten Entwicklungen und belegt, daß es im „theologischen Problem vom Heil Israels“ keinen Konsens gab. Der Anhang enthält ein Verzeichnis neuerer Literatur, ein Autoren- und Personenregister und ein Stellenregister.

Hans L. Reichrath


Jahrgang 5/1998 Seite 49



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