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Charlesworth, James H. (Hrsg.)

The Dead Sea Scrolls

Hebrew, Aramaic, and Greek Texts with English Translations. Volume 1: The Rule of the Community and Related Documents. Tübingen/Louisville: J.C.B. Mohr/Westminster John Knox Press 1994. XXIII und 185 Seiten.

Der vorliegende Band eröffnet die auf zehn Bände angelegte kritische Edition und englische Übersetzung der hebräischen, aramäischen und griechischen Schriften von Qumran, die keine Kopien der hebräischen Bibel darstellen. Herausgeber dieser Edition ist der renommierte amerikanische Forscher James H. Charlesworth vom Princeton Theological Seminary, der schon 1985 für die Publikation der englischen Übersetzung der alttestamentlichen pseudepigraphischen Schriften (Old Testament Pseudepigrapha) verantwortlich gezeichnet hatte.

Nachdem Übersetzungen der meisten in Qumran gefundenen Schriften zur Hand sind, waren die Texte in ihrer hebräischen, aramäischen oder griechischen Fassung nicht so leicht greifbar. Viele wurden bisher in der großen Reihe der Discoveries of the Judean Desert (DJD) veröffentlicht. Einige Werke aber müssen mühsam in Zeitschriften und separaten Ausgaben zusammengesucht werden. Außerdem sind einige Textausgaben auf nicht ganz durchsichtige Weise erstellt worden. The Dead Sea Scrolls erlauben nun einen sehr bequemen und verläßlichen Zugriff auf Texte und Übersetzungen der nichtbiblischen Dokumente. Bei der Gemeinderegel konnte der Text aufgrund neuester Photographien präzisiert werden (109), für 5Q 13 konnten erstmals Übersetzung, Transkription und Kommentar der Fragmente zusammen erscheinen (132). Text und Übersetzung sind auf jeweils gegenüberliegenden Seiten arrangiert. Damit ist eine hohe Benutzerfreundlichkeit gewährleistet. Anders als die editio princeps der DJD und auch anders als in der durch Johann Maier vorgelegten umfassenden deutschen Übersetzung der Qumranschriften, die sich in ihrer Anordnung rein technisch an den Katalognummern der Fragmente orientierten, wird das Material in den Dead Sea Scrolls nach inhaltlichen Kriterien angeordnet. So enthält der vorliegende erste Band die Sektenregel und Fragmente von Schriften, die mit ihr in einem engeren Zusammenhang stehen. Vorangestellt findet sich dem Band neben einem Geleitwort zum gesamten Projekt und einem Vorwort zur Gestaltung der Beiträge eine allgemeine Einleitung zu den Schriften aus Qumran. Dieser einleitende Teil enthält eine wertvolle Liste der englischen Ausdrücke für die wichtigsten Termini technici. Damit wird zumindest für einige zentrale Ausdrücke in der gesamten Ausgabe eine konsequente Übersetzung gewährleistet. Im Hauptteil finden sich Einleitung, Text, kritischer Apparat, Übersetzung und Anmerkungen der Sektenregel aus der ersten Höhle IQ (1-51) sowie von Fragmenten aus der vierten 4Q 255-264 (53-103) und aus der fünften Höhle 5Q 11 (105-107), die Parallelen zur Sektenregel enthalten. Im Anschluß an die unmittelbar mit der Sektenregel zusammenhängenden Fragmente folgen die eschatologische Gemeinderegel IQ 28a (108-117) sowie die Benediktionsformeln in IQ 28b (119-131). Alle drei Texte wurden in Qumran in derselben Rolle überliefert und folglich als Einheit betrachtet. Ebenfalls eine ,Sektenregel‘ stellt das Fragment 5Q 13 dar (132-143). Möglicherweise hatte diese Schrift die 1QS bearbeitet oder dieselben Vorlagen benutzt. Am Schluß der Ausgabe folgen die Ordinances and Rules 4Q 159 und 4Q 513 (145-175) und die damit zusammenhängende Purification Rule 4Q 514=4Q Ord‘ (177-179). Die Edition dieser Dokumente wurde von führenden Spezialisten auf den jeweiligen Gebieten besorgt. Neben Charlesworth selbst und Loren T. Stuckenbruck sind die jüdischen Gelehrten Elisha Qimron, Lawrence Schiffman und Jacob Milgrom zu nennen, bei denen die Dokumente ,halachischen‘ Inhalts bestens aufgehoben sind. Von großem Interesse in der vorliegenden Ausgabe ist die kritische Edition der Sektenrolle, die sich in der ersten Höhle, aber auch in der vierten und fünften, erhalten hat. Die fraglichen Handschriften können erstmals direkt miteinander verglichen werden.

Die Dead Sea Scrolls liefern, mit der deutschen Übersetzung der Schriften von Johann Maier (vgl. FrRu 4/1997, 57-59), Wissenschaftlern und interessierten Laien ein unverzichtbares Instrument und eine solide Grundlage für die Diskussion der Geschichte und der religiösen Welt des frühen Judentums und der Zeit der Entstehung des Christentums. Darüber hinaus stellen sie auch einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der essenischen Bewegung dar, der der weiteren Forschung wichtige Impulse geben dürfte.

Hans A. Rapp


Jahrgang 5/1998 Seite 45



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