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Scott, James M.

Paul and the Nations

(Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 84). J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1995. XVI u. 276 Seiten.

In Weiterführung und Modifikation des Ansatzes von R. Riesner, der die eschatologische Geographie von Jes 66 als biblische Leseanweisung für die paulinische Missionsplanung versteht, konzentriert sich der Verf. vor allem darauf, in welchem Ausmaß die Völkertafel in Gen 10 den Missionshorizont des Paulus mitbestimmt haben kann. Hier kommt er zu beachtlichen Resultaten. Zunächst wird herausgestellt, wie Gen 10 innerhalb des AT und im Frühjudentum rezipiert und aktualisiert wurde (bes. Jubiläenbuch, Sibyllinen, Josephus, rabbinisches Judentum). Daran schließt sich eine Analyse des paulinischen Verständnisses zum Begriff Ethnos an, der bei Paulus weniger den individuellen Heiden, sondern nichtisraelitische Nationen und Weltvölker meint. Sodann wird die Rezeption und Verarbeitung der Tradition der Völkertafel bei Paulus untersucht und dabei aufgewiesen, daß Paulus ein deutliches Bewußtsein von Territorialismus/territoriality entwickelt, also die Überzeugung, daß er allein kompetent und zuständig ist für seine Missionsgebiete. Theologisch gesehen, ist die Wahrnehmung des von der Bibel Paulus vorgegebenen Weltvölkerhorizonts das Ernstnehmen der Abrahamverheißung und des Segens für alle Völker, den der christliche Missionar durch Christus zu vermitteln und einzulösen hat.

Im Abschlußkapitel kann diese Fragestellung angewandt werden auf eine bisher nicht lösbare Streitfrage: gilt der Galaterbrief unter der Annahme der nord- oder der südgalatischen Hypothese? Wendet sich Paulus an das keltische Volk der „Galater“ oder nicht doch eher, was Scott klar bejaht, an die Mischbevölkerung in der römischen Provinz, in der Paulus bereits auf seiner ersten Missionsreise einige Gemeinden gegründet und später wieder besucht hat. Dabei beruft sich der Verf. auf die jüdische Rezeption der Völkertafel, wonach etwa Josephus Gomer den Erstgeborenen von Japhet mit den Galatern identifiziert! Also nannte man jüdischerseits die Bevölkerung beider Gebiete „Galater“! Es sind die Gemeinden Süd-Ost-Galatiens, die Paulus vor Augen hatte in seinem Brief, wo zahlreiche jüdische Diasporagemeinden existierten (und wo auch die Noah-Sintflut-Tradition überraschend weit verbreitet war!).

Robert Oberforcher


Jahrgang 4/1997 Seite 298



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