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Schild, Erwin

Die Welt durch mein Fenster

Einsichten und Wegweiser eines kanadischen Rabbiners deutscher Herkunft für das Leben in unserer Zeit. Scriba Verlag, Köln 1996. 258 Seiten.

Der Prediger Erwin Schild stammt aus Deutschland, geboren 1920 in Köln-Mülheim. Er hat Kindheit und Jugend im Rheinland verbracht und denkt dankbar daran zurück, was ihm durch die Begegnung mit deutscher Erziehung und Geisteskultur für das ganze Leben mitgegeben wurde. Für ihn gilt — nach alter Weisung: „In einen Brunnen, aus dem man getrunken hat, wirft man keinen Schmutz.“ Sein Denken, seine Sprache sind noch aus dieser Quelle her belebt. Wäre er nicht einst zur Flucht gezwungen worden (nach der Pogromnacht nach Dachau verschleppt!), er hätte sich für Germanistik und Philosophie entschieden, statt im Ausland, zeitweise interniert, die Tora zu studieren.

Seine geistige Weite — gerade auf diesem schicksalhaften Umweg erworben — und sprachliche Meisterschaft erweisen sich uns in jedem der ausgewählten Texte — ebenso wie in einer meisterhaften Übersetzung. An ihr nahm der Autor selbst teil, verfaßte eine Ansprache sogar original in deutscher Sprache und trug sie schon 1988 in Köln zum Reformationsfest vor (hier: „Mein Ruf an die Christen“ genannt). Der Weitblick seiner Predigten erfaßt weltpolitische Fragen, Gesellschaftsprobleme ebenso wie die menschlichen Nöte seiner Gemeinde. Makrokosmos und Mikrokosmos — so er selbst — sind gleichrangig zu sehen. Dabei soll und muß der persönliche Anteil mit eingebracht werden („durch mein Fenster“!) Als tiefstes Erleben hier die leidvolle Erfahrung der Schoa-Verfolgung. Gleich der erste Text zeugt davon. Seine Fragestellung: „Ist das Leben lebenswert?“ kann auch uns wie eine gute Neujahrspredigt dienen. Alle übrigen Beiträge können frei nach Belieben gelesen werden. Sie werden — immer originell, unkonventionell — oft überraschend wirken. Eine Grundhaltung dieser „Fensterblicke“ zeichnet sich schon im Bucheinband ab. In graphischer Gestaltung findet man Psalmverse (Psalm 19): Lob des Schöpfers aus der Natur und Lobpreis seiner guten Gabe, der Tora, das ist Wegweisung für gelungenes Leben einst wie auch für unsere Zeit.

Hildegard Schernus


Jahrgang 4/1997 Seite 219



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