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Paffenholz, Alfred

Das Paradies ist freitags im Badehaus

Lesebuch zum Judentum. Patmos Verlag, Düsseldorf 1995. 280 Seiten.

Mit diesem „Lesebuch zum Judentum“ legt der Journalist und Leiter der Abteilung „Kultur und Gesellschaft“ bei Radio Bremen, Alfred Paffenholz, eine kommentierte Sammlung von Texten aus der Geschichte des Judentums von den Anfängen bis zur Gegenwart vor. Er beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung dieser Geschichte, die die wichtigsten Stationen des Judentums aufzeigt, von der Zeit der Bibel, dem rabbinischen Judentum, dem Judentum im Mittelalter, dem Weg des Judentums in die Neuzeit, Emanzipation und Akkulturation, Chassidismus, Zionismus bis zur Gründung des Staates Israel.

Er beschreibt die wichtigsten religiösen Bücher und Texte sowie Gruppen des frühen Judentums. Schließlich stellt er wichtige Richtungen und Vertreter der jüdischen Philosophie, Theologie und Literatur vor. Das Besondere an diesem Ein- und Überblick zum Judentum sind mit Sicherheit die Originaltexte, die das zuvor Dargelegte sozusagen im 0-Ton vertiefen und weiterführen.

Tatsächlich erinnern die Textabläufe und Wechsel zwischen Erklärung und Originalbeispiel oft an ein Feature im Radio, was sicherlich zur Lebendigkeit des Buches beiträgt. Die Auswahl, die Paffenholz getroffen hat, kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die Originaltexte aus der Bibel, dem Talmud, dem Chassidismus bis hin zur jüdisch-amerikanischen Literaturszene machen das breite und vielfältige Spektrum jüdischen Denkens und Schreibens deutlich. Ein ausführliches Glossar, in dem jüdische Spezialbegriffe erklärt werden, erleichtert zudem das Verständnis dieser Texte.

Warum die Tragödie der Schoa dabei bewußt oder unbewußt ausgeklammert bzw. nur sehr kurz oder am Rande Erwähnung findet, wird leider nicht erklärt. Es mag jedoch einen guten Grund haben: Vielleicht wollte Paffenholz mit seinem Buch gerade deutschen Lesern klarmachen, daß sich die jüdische Geschichte nicht nur auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränkt. Vielleicht hatte er jedoch auch andere Gründe — es geht aus dem Buch nicht hervor.

Herbert Winklehner


Jahrgang 4/1997 Seite 218



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