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Backhaus, Fritz (Hg.)

„Und groß war bei der Tochter Jehudas Jammer und Klage ...“

Die Ermordung der Frankfurter Juden im Jahre 1241. Schriftenreihe des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Band 1. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995. 116 Seiten.

Im Mai 1241 kam es in Frankfurt zu einem Pogrom, dem fast die gesamte jüdische Bevölkerung zum Opfer fiel. Die Beiträge in diesem Buch geben ein erstes umfassendes Bild über die Motive, Ursachen und Wirkungen der „Ersten Frankfurter Judenschlacht“, wie dieses Pogrom in der Chronik der Stadt Frankfurt genannt wird. Die Beiträge wurden als Vorträge bei der „LernNacht“ des Jüdischen Museums der Stadt Frankfurt im Jahre 1991 gehalten, einer Veranstaltung zum Gedenken an die sogenannte „Reichskristallnacht“, bei der jedes Jahr ein Thema aus dem Bereich Judenverfolgung und Antisemitismus behandelt wird. Ziel dieser Veranstaltung und somit auch der Vorträge ist nicht nur die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern Grundlagen für einen Dialog zwischen Juden und Nicht-Juden zu schaffen. Die Analyse der Ereignisse des Pogroms von 1241 ist dabei deshalb von großer Bedeutung, weil dieses Pogrom als Beginn einer Kette von Judenverfolgungen angesehen werden kann, die bis in das 20. Jahrhundert reicht. Bernd Schneidmüller befaßt sich daher in seinem Beitrag „Eine Pfalzstadt in der Krise: Frankfurt am Main im Jahre 1241“ auch eingehend mit der historischen und politischen Situation der Stadt Frankfurt am Beginn des 13. Jahrhunderts. Seine Grundthese lautet, daß sich damals die Stadt Frankfurt in einer Krise befand und die „Frankfurter Judenschlacht“ daher vor allem als ein „Ausdruck sozialen und politischen Konfliktpotentials“ anzusehen ist.

In seinem Beitrag „Das Frankfurter Judenpogrom von 1241“ behandelt Ernst Karpf ausführlich das Ereignis selbst und wie darüber in den weltlichen und jüdischen Geschichtsbüchern geschrieben wurde. Die jüdische Überlieferung des Pogroms, besonders die Totenlisten und Klagegebete der jüdischen Memorbücher, stehen dann auch im Mittelpunkt des Beitrags von Margarete Schlüter mit dem Titel „Die sogenannte Erste Frankfurter Judenschlacht. Der Pogrom von 1241 in der jüdischen Überlieferung.“ Nicht nur für den Historiker oder Theologen sind diese Beiträge von hohem Interesse, wird doch anhand eines Einzelereignisses aus der Geschichte deutlich, wie antisemitische Tendenzen plötzlich eskalieren können, welche Eigendynamik dabei entwickelt wird und wie sehr der Dialog unter den Religionsgemeinschaften notwendig ist, um solche „Judenschlachten“ in Zukunft und gerade in Zeiten wirtschaftlicher oder sozialer Umbrüche zu verhindern. Damit man aus der Geschichte lernen kann, braucht es immer wieder Bücher dieser Art, die geschichtliche Ereignisse analysieren, in den historischen Gesamtzusammenhang stellen und für die Gegenwart erschließen.

Herbert Winklehner


Jahrgang 4/1997 Seite 200



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