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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 4/1997 Heft 2

Grenzübergreifende Sorge für Mütter und Kinder
Die 1912 von Henriette Szold gegründete Hadassa-Klinik in Jerusalem hat seit einigen Monaten ein modernes Zentrum für Mutter und Kind, inklusive einer Abteilung für Kinder bis zum 13. Lebensjahr mit Intensivstation und Kinderchirurgie. In dem Zentrum werden Kinder aus allen Teilen des Landes sowie des ganzen Mittleren Ostens, ohne Unterschied von Religion und Rasse, behandelt.

Hedwig-Dransfeld-Haus
Die Ständige Konferenz von Juden, Christen und Muslimen in Deutschland veranstaltet jährlich zwei Haupttagungen im Hedwig-Dransfeld-Haus, Bendorf: eine Frühjahrstagung vorwiegend für Theologen, Sozialarbeiter, Pädagogen und andere soziale Berufe, und im Herbst eine Frauentagung. Die Organisation der Konferenzen liegt in den Händen der drei Konfessionen. Während der Tagungen wird in gegenseitiger respektvoller Rücksichtnahme besonders auf Speisevorschriften und Gebetszeiten geachtet.

Holocaust-Dokumentation
In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau hat das Fritz Bauer Institut in Frankfurt eine neue Holocaust-Dokumentation begonnen. Quelle der Untersuchungen sind 2400 private Fotos aus dem Archiv des Museums Auschwitz-Birkenau, die offensichtlich aus dem Besitz von Ermordeten stammen. Konfrontiert mit dieser neuen Form von Dokumentation in Ausstellungen und in den Gedenkstätten nehmen die Schicksale der Opfer persönliche, individuelle Züge an. Im Laufe der Recherchen werden Kopien der Fotos an Überlebende weltweit zur Identifizierung und Erhebung von Informationen weitergeleitet. Ebenfalls geplant ist eine Veröffentlichung der Bilder in einem bisher einzigartigen Gedenkbuch.

Übergabe von KGB-Dokumenten
Alexander Yakovlev, Leiter der russischen Kommission „Opfer politischer Repression“, überreichte dem Direktor des Washington Holocaust Memorial Museum Archivdokumente über Nazi-Verbrechen an Juden. Die 15.000 Seiten Dokumentation enthalten u. a. Kriegsberichte über Hitlers Rußland-Feldzug 1941 und von Gerichtsverhandlungen über Kollaborateure aus den Jahren 1946-1949.

Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg
Mehr als 100.000 jüdische Männer hatten im Ersten Weltkrieg als deutsche Soldaten gekämpft. Aus Hannover alleine waren 761 jüdische Wehrpflichtige eingezogen. Dem Andenken an 124 für Deutschland Gefallene wurde von der Bundeswehr, der Stadt und dem Arbeitskreis der Reserveoffiziere eine Ehrentafel gestiftet.

Portugals vertriebene Juden
Unter dem Motto „Erinnerung und Wiederannäherung“ gedachten die wenigen noch verbliebenen Juden Portugals der Vertreibung und Zwangstaufe portugiesischer Juden im 16. Jh. In Anwesenheit des portugiesischen Staatspräsidenten Jorge Sammpaio — jüdischer Herkunft — wurde auf dem Largo de São Domingos in Lissabon ein Gedenkstein gesetzt in Erinnerung an die Ermordung tausender Juden Ostern 1506. Erst 1989 hatte Portugal mit einer Rede des früheren Staatspräsidenten Mário Soares begonnen, sich seiner jüdischen Vergangenheit zu erinnern.

Anne-Frank-Tagebuch Neuauflage
Die neue ungekürzte Auflage des Tagebuches von Anne Frank mit dem Titel „Das Tagebuch eines jungen Mädchens — Anne Frank“ (1997, Viking Verlag, London) bringt auch jene Eintragungen, die in der 1947 erstmals erschienenen Bearbeitung von ihrem Vater wegen „moralischer Bedenken“ gestrichen worden waren. Dadurch wird die Neuauflage um rund ein Drittel länger als das bisher bekannte Tagebuch.

Schindler
Nach dem Welterfolg des Films „Schindlers Liste“ war eine kleine, unbedeutende Straße am Stadtrand Frankfurts nach ihm benannt worden. Am 22. Todestag Schindlers brachte die Stadt Frankfurt eine Gedenktafel am Gebäude „Am Hauptbahnhof 4“ an, in dem er bis zu seinem Tode gelebt hatte. Mieczyslaw Pemper, ein ehemaliger Helfer von Schindler, mahnte, diese Form des indirekten Widerstandes nicht ins Museale verschwinden zu lassen, sondern sie sollte uns auch heute zur Wachsamkeit aufrufen, damit sich die Geschichte nie mehr wiederholen kann.

Ehrung eines jüdischen Schriftstellers „unangebracht“?
Bei der Buchmesse in Toulon, einer der größten Frankreichs, sollte der jüdische Schriftsteller Marek Halter ausgezeichnet werden. So war es von den Organisatoren der Messe geplant. Bürgermeister Jean-Marie Le Chevallier von der Rechtsextremen Partei begrüßte zwar die „Freiheit des Buches“, lehnte aber die Preisverleihung an den jüdischen Schriftsteller als „unangebracht“ ab. Angebracht dagegen erschien es dem Bürgermeister, den Buchpreis der ehemaligen Schauspielerin Brigitte Bardot für ihre Memoiren zu verleihen, den sie aber verweigerte. Als Zeichen des Protestes verlegte eine Anzahl der Messeaussteller die Veranstaltung in das nahegelegene Dorf La Garde.

Jüdischer Fotoreporter
Ignaz Nahum Tim Gidal, jüdischer Pionier moderner Fotoreportagen, starb 1996 im Alter von 87 Jahren. Berühmt wurde Gidal durch sein Hitler-Foto, das einzige bekannte Foto, das ohne Hitlers Wissen und Erlaubnis aufgenommen wurde. Nach seinem Doktorat in Basel über „Bildberichte und die Presse“ wanderte er 1936 nach Israel aus. Seine Arbeit war die erste intellektuelle Behandlung des Themas in akademischen Kreisen. Im Jahre 1939 erschienen in der Pariser Zeitung Marie Claire die ersten Abzüge von einem 35-mm-Farbfilm als Farbfotos in einer Reihe seiner Heilig-Land-Aufnahmen.

Dachau-Denkmal in Amsterdam
Ein sechzig Meter langer Steinpfad, in den die Namen von NS-Konzentrationslagern eingemeißelt sind, ist in Amsterdam als Mahnmal eingeweiht worden. Die Initiative zum Dachau-Denkmal im Amsterdamer Stadtpark kam von ehemaligen niederländischen KZ-Häftlingen.

Rabin-Platz in Köln und Leverkusen
Zum Andenken an den am 4. November 1995 ermordeten israelischen Premierminister Yitzhak Rabin haben die Städte Köln und Leverkusen, jeweils in Anwesenheit von Frau Lea Rabin, einen Yitzhak-Rabin-Platz benannt.

Ignatz Bubis
Am 12. Jan. 1997 feierte Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, seinen 70. Geburtstag. In Würdigung seiner Bemühungen um Dialog und Verständigung wurde ihm von Bundespräsident Dr. Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Börne-Preis an Joachim Fest
Der diesjährige Ludwig-Börne-Preis ging an den früheren Herausgeber der F.A.Z., Joachim Fest. In seiner Dankesrede referierte Fest über „Börnes Freiheit und was es noch immer damit auf sich hat“. Für Börne, mit jüdischem Namen Löb Baruch, war Freiheit ein „angeborenes Majestätsrecht der Menschheit“. Die Verteidigung dieses Rechtes machte ihn für manche Zeitgenossen zum radikalsten Publizisten seiner Epoche.

Hermann-Maas-Medaille
Zum zweiten Mal wurde in der Evangelischen Kirche Gengenbach diese Medaille verliehen. Sie würdigt das Wirken von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die sich im Sinne von Hermann Maas um Verständigung zwischen Religion und Völkern, insbesondere aber zwischen Christen und Juden, zwischen Israelis und Deutschen in Wort und Tat bemühen. Diesjähriger Empfänger ist der Deutsch-Israelische Arbeitskreis (DIA) e. V. Südlicher Oberrhein in Ettenheim.


Jahrgang 4/1997 Seite 157



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