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In memoriam Wilhelm Salberg (1925-1996)

Am 18. Dezember 1996 ist der katholische Pfarrer und ökumenische Theologe Wilhelm Salberg in Essen gestorben.

Die Nazizeit war seine erste harte Lehr-Zeit. Als „jüdisch Versippter“ mußte er sich in solchen Schulen durchschlagen, deren Direktoren religiös waren und ideologiefrei. Das zweite prägende Ereignis war das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965). Von dessen „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ (Nostra aetate Nr. 4) inspiriert, begann Salberg 1970 als 45jähriger das Studium der katholischen Theologie, später auch der Judaistik.

Er malte sich in den 70er Jahren aus, er könne ein katholischer Theologielehrer werden, der das Judentum im Rahmen der religiösen Unterweisung richtig wertet und auf antisemitische Mißbräuche und Gefahren hinweist. Zeit- und krankheitsbedingt hat er dieses Ziel nur teilweise erreichen können. Aber sein persönliches Glaubensbekenntnis ist von vielen immer wieder gehört und nachdenklich erwogen worden: „Ich stehe in beiden Testamenten; im Ersten und im Neuen! Ich stehe in einem jüdisch-verwurzelten Christentum.“ In vielen Studienwochen erhob Salberg immer wieder seine zum religiösen Frieden und Verständnis mahnende Stimme.

Im Jahre 1986 stiftete er die „Mount Zion Foundation“, aus der alle zwei Jahre ein Preis an Persönlichkeiten verliehen wird, die der Versöhnung zwischen den Religionen, Konfessionen und sozialen Gruppen effizient dienen. Hauptsächlich Männer und Frauen, die im Heiligen Land leben, erhalten den mit über 10.000,- sFr. dotierten Preis. Wenn jeweils am 28. Oktober, dem Erinnerungstag an die Publizierung von Nostra aetate Nr. 4, der Preis in der Abteikirche der Dormitio in Jerusalem verliehen wird, horchen Menschen, besonders jüdischen und muslimischen Glaubens, hoffnungsvoll auf.

Wilhelm Salberg, der die jüdisch-christliche Bewegung in den deutschsprachigen Ländern belebt hat, wird vielen in Europa und Israel unvergeßlich bleiben.

Clemens Thoma


Jahrgang 4/1997 Seite 156



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