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Die Geschichten des Rabbi Nachman

Nacherzählt von Martin Buber. 4. Aufl. Herder, Freiburg 1995. 120 Seiten.

Was ist das Besondere an chassidischen Geschichten? Sie erzählen vom Leben, von seiner verworrenen Tiefe, seinen Überraschungen und seiner Vielfalt. Am Ende der Geschichte gibt es keine klaren Antworten, höchstens unerwartete Einsichten, die es wert sind, darüber nachzudenken. Der Leser wird dabei so manches Mal mit seinen Fragen, die in ihm angeregt wurden, allein gelassen. Es geht eben nicht um die klare, letzte Antwort, dargestellt am Beispiel eines Jünglings, Schülers oder einer Königstochter, es geht vielmehr um den Anreiz, eine Sache vielleicht einmal von einer ganz anderen Seite zu betrachten, innezuhalten und zu denken. Chassidische Geschichten wollen zuallererst Fragen stellen, damit sich der Zuhörer die Antworten selber gibt. Daß die Geschichten des Rabbi Nachman innerhalb der chassidischen Erzählungen ganz besonders nachdenkenswert sind, ist kein großes Geheimnis. Gerade in der vorliegenden Fassung von Martin Buber gehören diese zu den zeitlosen Weisheiten jüdischer Mystik, in all ihrer Vielschichtigkeit und Konfusität. „Die Geschichte vom Stier und vom Widder“, „Die Geschichte vom Rabbi und seinem Sohne“, „Die Geschichte vom Klugen und vom Einfältigen“, „Die Geschichte vom Königssohn und dem Sohn der Magd“, „Die Geschichte vom Meister des Gebets“ haben es einfach in sich. Es genügt nicht, sie nur einmal zu lesen. Dem Herder Verlag ist mit der Edition-Ausgabe dieser Geschichten eine Schmuckausgabe gelungen, die schon rein äußerlich dazu einlädt, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen, darin zu blättern und zu schmökern. Etwas Besseres kann den Geschichten des Rabbi Nachman eigentlich nicht passieren und auch nicht dem Leser, der diese Geschichten stets mit Gewinn lesen wird.

Herbert Winklehner


Jahrgang 4/1997 Seite 128



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