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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 4/1997 Heft 1

Eine sinnvolle Strafe
In Venedig ließ ein Mann keinen Zweifel an seiner antisemitischen Haltung: Die Juden sind Christusmörder, wollen mit ihrem Reichtum die Welt beherrschen usw. Anstiftung zum Rassenhaß wird in Italien mit Gefängnis zwischen ein und vier Jahren bestraft. Dieser Mann kann eine andere Strafe auf sich nehmen. Er hat die Chance, daß die Klage zurückgezogen wird und er der Gefängnisstrafe entgehen kann, wenn er ein Dutzend ausgewählte Bücher über die Geschichte des Judentums gründlich liest und in angemessener Frist einen ausführlichen Bericht darüber vorlegt.

Überreste der Synagoge in Wien
Bei den Grabungen am Wiener Judenplatz stießen Archäologen auf Überreste der mittelalterlichen Synagoge. Freigelegt wurden der Boden der Bima sowie Fundamente vom Toraschrein. Die beschädigten Steinfliesen weisen auf die Zerstörung der Synagoge im Jahre 1421 hin, als mehr als 200 Juden verbrannt wurden. Es wird jetzt überlegt, die Ausgrabungsstätte als Erinnerung an das gewaltsame Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Wien zu erhalten.

Max Liebermann
Zur Feier des 150. Geburtstags von Max Liebermann am 20. Juli 1997 bereitet die Stiftung „Neue Synagoge —  Centrum Judaicum“ in Berlin eine Rekonstruktion der letzten Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin im Jahr 1938 vor. Mitveranstalterin ist die 1995 gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft. Aus dem gleichen Anlaß wird die Hamburger Kunsthalle am 17. Oktober 1997 eine Ausstellung unter dem Titel „Max Liebermann, der Realist“ eröffnen, die den Frühwerken aus Weimar, München und Holland gewidmet ist.

Ausstellung: Jugendkonzentrationslager
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Köln zeigte vom 12. September bis 10. Oktober 1996 eine Ausstellung unter dem Titel: „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben —  Jugendkonzentrationslager Moringen und Uckermark 1940-45“. Die Ausstellung zeichnet das Erleben der ehemals jugendlichen Häftlinge nach. In ihren Lebenswegen wird der oft schmale Grat zwischen Anpassung und Widerwillen, zwischen angstvoller Unterordnung und Widerspruch deutlich. Es ist eine Ausstellung der Lagergemeinschaft und Gedenkstätteninitiative Moringen e. V. und der Hans-Böckler-Stiftung.

„Alternative Beerdigung"
In Beer Sheva wurde der Grundstein zum ersten Friedhof für „alternative Beerdigungen" gelegt. Es war die Folge eines vor vier Jahren ergangenen Gerichtsurteils, in dem gefordert wurde, auch nichtorthodoxe Friedhöfe zuzulassen. Auf dem Friedhof können Tote beerdigt werden, deren religiöser Status nicht ganz klar ist, die in Mischehe gelebt haben oder Juden, die nicht mit einer religiösen Zeremonie begraben werden wollen (vgl. FrRu NF 2/96, 146 f.).

Jerusalem
Anläßlich eines Friedensmarsches in Jerusalem (29.09.1996) richteten die Patriarchen und Bischöfe der Kirchen in Jerusalem einen Friedensappell an die israelische Regierung mit den Bitten: den Friedensprozeß ernstlich weiterzuführen, Diskriminierung zwischen Juden und Arabern zu beenden, die religiösen Gefühle der islamischen Bevölkerung zu respektieren und Jerusalem als offene Stadt und gemeinsame Hauptstadt Israels und Palästinas anzuerkennen.
Von der Kommission Justitia et Pax in Jerusalem und dem Lateinischen Patriarchat erging ein weltweiter Aufruf an die katholischen Bischöfe, „konkrete Schritte zu unternehmen" und sich aktiv in den Verlauf des Friedensprozesses einzuschalten.
Der melkitische Erzbischof von Jeru-salem, Lutfi Laham, wandte sich insbesondere an die Deutschen, stärker ausgleichend im Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis zu vermitteln.

Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis
Erzpriester Slobodan Milunovié, Pfarrer der Serbisch Orthodoxen Gemeinde in München, und der bosnische Franziskaner Marko Orśolié, Gründer des multireligiösen und interkulturellen Zentrums „Zajedno” (Gemeinsam) in München, erhielten zusammen mit der Benediktinerabtei Chevtogne/Belgien, den Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis für ihre Bemühungen für Dialog, Verständigung und Frieden zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Volksgruppen. In seiner Dankesrede sagte Pater Marko Orśolié: Dieser Trialog (zwischen Judentum, Christentum und Islam) ist eine Sache des Überlebens für die Menschen in ganz Ost- und Südeuropa.

Tovia Ben-Chorin
Neuer Rabbiner der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch Zürich ist seit 1. April 1996 Tovia Ben-Chorin (Sohn von Schalom Ben-Chorin). Mit großem Mut verteidigte er schon in den ersten Wochen die Rechte des liberalen Judentums gegenüber anderen Formen jüdischer Lebensweisen. Er und seine Frau Adine wurden von Erwachsenen und Kindern herzlich in der Gemeinde willkommen geheißen.

Abbé Pierre und Roger Garaudy
Eine Welle der Empörung hat die Äußerung des bekannten französischen Armenpriesters Abbé Pierre ausgelöst, als er sich vor einiger Zeit hinter Roger Garaudys Buch „Die Gründungsmythen der israelischen Politik" stellte, das den Holocaust verharmlost. Abbé Pierre wurde deswegen aus der Internationalen Gesellschaft gegen Rassismus und Antisemitismus ausgeschlossen. Auch die französische Bischofskonferenz hat sich von den Aussagen Abbé Pierres distanziert. Inzwischen hat er sich von den Thesen seines Freundes Garaudy losgesagt. Während der deutschen Besatzung in Frankreich riskierte Abbé Pierre sein Leben, um Juden zur Flucht zu verhelfen und ist sicher kein Antisemit. Garaudy hat zugesagt, alle ihm nachgewiesenen Fehler anzuerkennen.

Im Gedenken an Pater Heinrich Middendorf
Auf dem Klosterfriedhof in Handrup (Landkreis Emsland) wurde auf dem Grab des von Yad Vashem geehrten katholischen deutschen Priesters P. Heinrich Middendorf (vgl. FrRu NF 3/1995, 185-195) eine neue Grabplatte enthüllt, die auf die Ehrentafel in der Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem, hinweist und ihn als Lebensretter jüdischer Mitbürger im Holocaust 1943-45 bezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde zitierte Avi Primor, Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Shimon Peres: „Ein Vogel braucht zwei Flügel, um zu fliegen, man braucht zwei Hände, um Beifall zu klatschen, und auch zum Frieden gehören immer zwei." Und er ergänzte: „Auch zu einer Ehrung gehören immer zwei: einer, der sie ausspricht, und einer, der sie annimmt und zu würdigen weiß."

Synagoge in Bad Kissingen
In Bad Kissingen in Unterfranken konnte die Synagoge feierlich eingeweiht werden. Nach Plänen des Würzburger Architekten Hermann Schönewolf ist der Betsaal im jüdischen Gemeindehaus von der Stadt Bad Kissingen umgebaut worden. Besonders erwähnenswert ist das unter die Decke eingezogene Gewölbe und die Bima. David Schuster, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Unterfranken, sagte, daß dieses Gotteshaus zwar nicht die von den Nazis niedergebrannte prachtvolle Synagoge ersetzen kann, bezeichnete sie jedoch als eine „Synagoge en miniature", die einen Rahmen für jüdisches Leben schaffe. In Bad Kissingen finden sich z. B. häufig Kurgäste aus Israel ein, für die hier regelmäßig Gottesdienste gehalten werden. Im Vergleich zu anderen Synagogen in Unterfranken, die Museen sind, ist hier eine Synagoge, „in der jüdisches Leben ermutigt wird", hob Prof. Dr. Karlheinz Müller, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hervor.


Jahrgang 4/1997 Seite 75



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