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Leser-Echo zu Jahrgang 3/1996

Zu Ze‘ev W. Falk „Werte und Ziele im jüdischen Recht“ (FrRu NF 1/1996, 17-28)

Dr. Günter Raacke, Edermünde:

Der Aufsatz von Falk über Werte und Ziele im jüdischen Recht ist mir ein weiterer Beleg dafür, daß gerade die jüdischen Rechtsdenker allgemein Gültiges erarbeitet haben, nämlich das Aufzeigen zunächst konträr erscheinender Positionen und die Entwicklung von Lösungen, welche den Respekt vor der Offenbarung mit den sich aus den Veränderungen ergebenden Notwendigkeiten in Einklang bringen.

Zu Clemens Thoma „Religion und Aggression —
Reflexionen über den er-sten Kreuzzug vor 900 Jahren“ (FrRu NF 3/1996,161-167)

Hans W Levy, Göteborg:

In dem – wie immer hochinteressanten – Artikel von Professor Clemens Thoma lese ich einen Satz, der nicht unwidersprochen bleiben darf, weil er die Verhält­nisse zu sehr vereinfacht: „In der etwa gleichzeitigen antichristlichen jüdischen Geschichtensammlung ,Toledot-Jeschu' wird an Jesus, seiner Mutter und seinen Jüngern kein gutes Haar gelassen.“

„Toledot Jeschu“, zu deutsch „Geschichte des Lebens Jesu“, ist kein einheitliches Werk. Obwohl die erste ziemlich vollständig erhaltene Zusammenfassung etwa im 10. Jahrhundert verfaßt wurde, haben wir erheblich ältere Fragmente, davon die vollständigsten in der berühmten Geniza in Kairo.

In all diesen älteren Auflagen wird Jesus als eine hervorragende Person geschil­dert, der von Jugend an in Konflikt mit den Weisen seiner Zeit gerät. Er hatte übernatürliche Kräfte. Freilich, in gewissen Fragmenten werden ihm diese von einem der Weisen seiner Zeit wieder genommen. Und man versucht, die Wunder, die er laut christlicher Tradition vollbrachte, auf natürliche Ursachen zurückzu­führen.

Miriam (Maria), die Mutter Jesu, ist stets sehr vorteilhaft geschildert. Man hält sich aber mit der Frage auf, wie Maria zur Mutterschaft kam. Da gibt es verschie­dene Versionen. In der Regel lesen wir jedoch, sie gehörte dem höheren Stande an und heiratete einen Mann, der seinen Ursprung vom Hause Davids herleitete.

Zu der Zeit des emporflammenden Judenhasses, die Professor Thoma schildert, erschienen neue Auflagen der Toledot Jeschu, die nun freilich äußerst negative Schilderungen brachten.

Wilhelm Salberg, Essen:

Beim sogenannten „Ersten Kreuzzug“ handelt es sich in Wirklichkeit um zwei differenzierte Vorgänge, die auf die Rede Papst Urbans II. in Clermont vom 27.11.1095 zurückgehen: um den sog. „Bauernfeldzug“ im Frühjahr 1096, dessen Mordbrenner rheinaufwärts die jüdischen Gemeinden vernichteten – und um den erst im Hochsommer von verschiedenen Ausgangsorten in Frankreich aus-ziehenden Ritterkreuzzug, der wesentlich disziplinierter war und das Rheintal

gar nicht berührte. Er kam erst bei Basel an den Rhein und folgte ihm südlich des Bodensees in Richtung Wien.

Zu „Bücherschau“ (FrRu NF 4/1996, 290-293)

Werner Trutwin, Bonn:

Meine Besprechung des Buches von Christoph Münz „Der Welt ein Gedächtnis geben“ ist wegen Überlänge gekürzt worden. Ich habe Verständnis für solche Zwänge der Redaktion, konnte aber selbst auf die Kürzung keinen Einfluß mehr nehmen. Leider sind vor allem die positiven Bemerkungen, die ich zu diesem Buch gemacht habe, gestrichen worden, so daß nun eine eher distanzierte und kühle Wertung vorzuherrschen scheint. Ich füge nur drei von mehreren Sätzen an, die in der Besprechung nicht mehr vorkommen. Zu Beginn: „Dies ist ein un-gewöhnliches Buch in mehrfacher Hinsicht. Ungewöhnlich ist einmal, daß sich hier ein Historiker einem Thema widmet, das eigentlich eine Domäne der Theo­logie zu sein scheint ...“ Im Text: „Ungewöhnlich ist die Ausführlichkeit und Verläßlichkeit, mit der die jüdische Holocaust-Theologie vorgestellt und be-schrieben wird ... Mit Entschiedenheit und vor allem mit guten Gründen fordert Münz, vom Judentum zu lernen, daß eine rein wissenschaftliche Historiogra­phie, die methodisch korrekt in Distanz zum Thema um Objektivität bemüht ist, Auschwitz nicht gerecht werden kann.“ Am Ende: „... daß hier ein außerge­wöhnlich anregendes Buch vorliegt. Dafür gebührt Münz hohe Anerkennung und großer Dank. Der Ertrag seines Buches liegt darin, daß wir nach der Kata-strophe von Auschwitz zum Zeugen jüdischen Ringens mit Gott werden ... So erschließt Münz einen Einblick in heutiges jüdisches Denken und Fühlen, dessen Ertrag für Christen und Deutsche, für Geschichtsschreibung und Theologie, noch gar nicht abzuschätzen ist. Wir erleben ein Ringen mit, das an Jakobs nächt­lichen Kampf mit dem Engel erinnert, oder, um es mit Walter Benjamin eher neu-zeitlich auszudrücken, wie sich das Judentum mit dem Engel der Geschichte aus­einandersetzt.“



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