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Leser-Echo Jahrgang 1/1993-1994

Zum ersten Heft 1993/94

Prof. Dr. Balduin Schwarz, Ainring-Mitterfelden:

Ich finde dieses erste Heft ganz hervorragend! Ich habe schon fast alle Beiträge gelesen und bewundere das hohe Niveau, das hier durchgehalten ist . . . Ich habe mir immer schon gedacht, es müßte an geeigneter Stelle eine Dokumentation und zugleich ein Archiv der Original-Dokumente der jüdisch-christlichen Verhältnisse zu Zeiten der Schoa eingerichtet werden. Ein Gertrud-Luckner-Zentrum . . . Memoiren sollten dort deponiert werden — auch solche, die nicht zum Druck gelangt sind . . .

Zu „Christ in der Gegenwart“ 1993 - 49

Prof. Dr. Hubert Frankemölle, Paderborn:

. . . Das erste Heft (1-1993/94), das vor uns liegt, erfüllt alle Wünsche, die man an eine solche Zeitschrift stellen kann. Es ist fundiert und interessant, nicht zu wissenschaftlich und nicht zu populär, vor allem: die so wichtige Arbeit christlich-jüdischer Begegnung hat wieder ein Forum, das sich sehen lassen kann. Aktuelle Berichte ... und Dokumentationen stehen im Mittelpunkt. Das war ja schon bisher ein besonderer Vorzug dieser Publikation: Wir werden mit Tatsachen beschäftigt, nicht mit mehr oder weniger luftigen Ideen, die nichts bewegen . . .

Zunächst Ihnen und den anderen Mitverantwortlichen für die Neue Folge des „Freiburger Rundbriefes“ meinen herzlichen Glückwunsch — verbunden mit dem Dank für das weitergeführte und neuerwachte Engagement und seine Umsetzung in die Weiterführung der für den ökumenischen Dialog verdienten Zeitschrift.

Grundsätzlich hätte ich mir gewünscht, daß in der kleinen Ökumene eine Neubelebung des „Freiburger Rundbriefes“ im Kontext der Vorbereitung zur Zeitschrift „Kirche und Israel“ stattgefunden hätte, richten sich doch — wenn ich es richtig sehe — beide Zeitschriften nach Intention und Themenbereich an dieselben Adressaten. Insgesamt lese ich das erste Heft der Neuen Folge als Überbrückung der letzten sechs Jahre, so daß es mehr von der Struktur als vom Inhalt programmatisch gedacht sein dürfte. Bei den Berichten bitte ich dringend darum, die badische und freiburgische Nabelschau aufzugeben — es sei denn, solche Berichte hätten Bedeutung für den gesamten, deutschsprachigen Bereich, an den die Zeitschrift sich wohl wenden will, auch wenn sie unter „Freiburger Rundbrief“ firmiert ...

Zum Geleitwort „Die Ähre, die Juden und die Christen“ (FrRu NF 2-1993/94 S. 81 ff.)

Dr. Silvia Käppeli, Zürich:

. . . Säen steht in nächster Nähe zur Saat und zur Ähre. Und diese ist, ähnlich dem Baum als Symbol für das Leben, ein Teil der seelischen und wohl auch der religiösen Heimat des Menschen. So verwundert es nicht, daß die archaische Kraft im Bild des Sämanns in der Kunst als Ausdruck der menschlichen Geistigkeit eine bedeutsame Rolle spielt.

Die heutige Zeit kann uns dazu verleiten, zur Natur, zur Ähre oder zum Brot eine rein materielle Beziehung zu entwickeln und sie und damit unseren kulturellen Ursprung auf verhängnisvolle Weise zu entweihen. Doch auch wenn es heute kaum mehr Säer gibt, dürfen wir unsere Begabung zum inneren Bewegtsein nicht verkümmern lassen; sie gewährleistet nicht nur, daß wir der jüdischen und der christlichen Tradition, sondern auch den ihnen angehörenden Menschen mit der gebührenden Ehrfurcht und Verantwortung begegnen können.

Zu David Flusser „Vor Gott und Menschen angesehen zu machen“ (FrRu NF 3-1993/94 S. 177 ff.)

Dr. Annelise Butterweck, Bergisch Gladbach:

Mit großem Interesse las ich den Artikel „Vor Gott und Menschen angesehen zu machen — Lessings Ringparabel und die jüdisch-christliche Begegnung“ von D. Flusser. Mir fielen gleich zwei weitere Bibelstellen dazu ein, die ein Widerhall von Prov 3,4 sein könnten:

Lk 2,52: „Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“ Bei diesem Vers hat offenbar 1 Sam 2,26 Pate gestanden, wo wir lesen: „Der Knabe Samuel aber wuchs heran und gewann immer mehr an Gunst beim Herrn und auch bei den Menschen.“

Außerdem fand ich bei meiner Beschäftigung mit hebräischen Märchen eine weitere Vorläuferin der Ringparabel, und zwar bei Salomo ben Jehuda ibn Verga (15./16. Jh. Spanien/Italien) in seinem „Schewet Jehuda“. Nur handelt es sich dort nicht um einen Ring, sondern um einen Edelstein (wobei der Bezug auf Prov 3,4 noch fehlt) und um die jüdische und christliche Religion; der Islam ist also noch nicht dabei. Ob es noch weitere Zwischenglieder bis hin zu Boccaccio und Lessing gibt?

Zu Clemens Thoma „Kurzsichtige Theologien“ (FrRu NF 4-1993/94, 241-247)

Dr. Andreas Angerstorfer, Regensburg:

Jüdisch-christliche Arbeit kommt auf Dauer nicht um eine konsequente Auseinandersetzung mit theologischen Entwürfen herum, die einen mehr oder minder subtilen Antijudaismus getarnt als „Frömmigkeit“ pflegen. Es gibt in den Kirchen immer noch Stimmen, die in Presse und Verkündigung plumpe antijüdische Auslegungen zur christlichen Identitätsstiftung bemühen. Aber auch die Vertreter des jüdisch-christlichen Dialogs müssen manche ihnen einsichtige Positionen und Sachverhalte klarer und ausführlicher formulieren.

Den Satz „Jesus war Jude sein ganzes Leben lang“ werden heute alle Theologen akzeptieren, aber auf welchen Ebenen wird er verstanden? Jesus als gläubiger(!) Jude wird ausgeblendet oder kommt nicht in Sicht, er bleibt so irgendwo ein „anonymer Christ“, der sich mit seinen nichtchristlichen Volksgenossen herumstreitet. So verbindet der „Glaube Jesu“ nicht Juden und Christen — er erweist sich weiter als „garstiger Graben“.

Der moderne Antisemitismus arbeitet in rechtsextremen Blättern in den letzten zehn Jahren wieder verstärkt mit den antijüdischen Stereotypen der christlichen Tradition. Diese Dinge gilt es kompromißlos aufzuklären und weiten Kreisen klarzumachen.

Es ist Aufgabe der Vertreter des jüdisch-christlichen Dialogs, nicht nur als weitere Stimme in einer Vielfalt theologischer Positionen aufzutreten, sondern die theologischen Denkmodelle und vertrauten Thesen derer zu kritisieren, die jegliche Bezüge und Gemeinsamkeiten der beiden Religionen zu leugnen versuchen, um ihre angeblich „christliche“ Identität zu wahren. Der Weg von Israel zur Kirche bleibt in dieser Richtung immer eine Einbahnstraße, wer es anders herum versucht, ist ein theologischer „Geisterfahrer“.

Von daher ist es nur zu begrüßen, wenn Clemens Thoma solche antijüdische Stilblüten aufs Korn nimmt. Daß eine Zeitschrift wie „Kerygma und Dogma“ den erwähnten Artikel von J. Ringleben druckt, stimmt schon bedenklich. Es gibt Stimmen, die eine theologische Wende in antijüdischer Richtung einläuten, ob sie es so wollen oder so nicht meinen. Dies geht heute in Deutschland parallel mit einem zunehmenden Antijudaismus und wieder offen geäußertem Antisemitismus.

In der Fußballersprache ausgedrückt: jetzt werden die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen oder verloren — auch im theologischen Diskurs. Ich möchte die Herausgeber nur ermuntern, regelmäßig solche Beiträge aufzunehmen.



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