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Gertrud Luckner
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In memoriam

Prälat Dr. Michael Höck 1903-1996

Am 31. Mai 1996 starb im Alter von 92 Jahren der weit über die Grenzen der Erzdiözese München und Freising hinaus bekannte „Vater des Freisinger Domberges“, wie er liebevoll im Nachruf genannt wurde. Er war eine der markantesten Persönlichkeiten des Erzbistums.

Höck wirkte in der innerchristlichen Ökumene, aber auch in der Versöhnung von Juden und Christen. Lange Jahre war er katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in München.

1934 übernahm er in schwieriger Zeit die Aufgabe des Schriftleiters der Münchener katholischen Kirchenzeitung. 1941 wurde er festgenommen und wurde bis 1945 im KZ Dachau, im sogenannten Kommandanturarrest, gefangengehalten, zusammen mit Martin Niemöller, dem späteren Weihbischof Johannes Neuhäusler und dem Abt der Benediktinerabtei Metten, Korbinian Hofmeister.

Nach dem Krieg war er Regens im Priesterseminar Freising, wo er die Generation der Kriegsheimkehrer geistlich betreute und sich auch um ihr leibliches Wohl sorgte. Essen war Mangel!

Fast bis in die letzte Zeit hinein nahm Prälat Höck Anteil am Geschehen von Kirche, Gesellschaft und Politik. Ein besonderes Anliegen war es ihm, die junge Generation an die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu führen.

Prälat Höck war geprägt von Offenheit, Güte und Herzlichkeit. So bleibt er den vielen, die ihn kannten, in Erinnerung.

bl

Bruno Hussar

Im Alter von fast 85 Jahren ist der Gründer des Friedensdorfes Neve Shalom/Wahat al Salam, Bruno Hussar, am 8. Februar 1996 gestorben.

1911 in Kairo als Sohn jüdischer Eltern geboren und dort bis zum Abitur aufgewachsen, wurde er während eines Ingenieurstudiums in Paris katholisch und trat 1945 in den Dominikanerorden ein. Von seinen Oberen wurde er 1953 nach Israel gesandt, um dort ein Studienhaus zum Verständnis des Judentums, das Haus des Jesaja, zu gründen. 1964 wirkte er auf Einladung von Kardinal Bea als Experte an der Konzilskommission des Sekretariats für die Einheit der Christen und an der Erarbeitung der Konzilserklärung „Nostra aetate“ über das Verhältnis zu den Juden. Der Dialog mit dem Judentum weitete sich zum Bemühen um das gegenseitige Verständnis zwischen den drei im Heiligen Land vertretenen monotheistischen Religionen aus. Er träumte seit 1970 davon, eine Gemeinschaft von Juden, Christen und Muslimen zu gründen, die gemeinsam leben, gemeinsam die Andersartigkeit der anderen zu verstehen und ertragen suchen und zu Verständnis und gegenseitiger Achtung erziehen. Dies führte zur Gründung des Dorfes Neve Shalom/Wahat al Salam mit seiner Friedensschule, die Kurse und Begegnungen zwischen jüdischen und palästinensischen Schülern, Studenten und Lehrern veranstaltet. Die Teilnehmer waren anfangs alle israelische Staatsbürger. Seit dem Abzug der jüdischen Besatzung aus Gaza nehmen auch Erwachsene von dort an den Kursen der Friedensschule teil. Seit 1984 verfügt das Dorf über ein zweisprachiges und bikulturelles Erziehungssystem vom Kindergarten bis zur 8. Schulklasse, das mittlerweile auch vom Staat anerkannt ist. Zwei Drittel der jüdischen und arabischen Schüler kommen aus der Umgebung.

Bruno Hussar und das Friedensdorf erhielten 1987 die Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Hermann Sieben

Professor Chaim Rabin zum Gedenken

Am 13. Mai 1996 ist Chaim Rabin in Jerusalem zur letzten Ruhe gebettet worden. Er war ein Sohn des Breslauer Seminardozenten Israel Abraham Rabin. In Oxford — er konnte er sich nach England retten — promovierte er mit einer Arbeit über südarabische Inschriften und wurde dort bald „Reader in post-biblical Hebrew“. Noch in England entstanden sein vielbeachtetes Buch über die Damaskusschrift und mehrere Beiträge, u. a. für das „Journal of Jewish Studies“, mit dessen damaligem Herausgeber Alexander Altmann er freundschaftlich verbunden war. Ende der fünfziger Jahre wurde Rabin als Ordinarius für Hebräisch an die Hebräische Universität Jerusalem berufen und leitete diese Abteilung bis zu seiner Emeritierung; er war einer der besten und profundesten Kenner der hebräischen Sprache und ihrer ganzen langen Geschichte. Dabei war Chaim Rabin keineswegs ein nur auf sein doch umfangreiches Fach beschränkter Gelehrter, vielmehr auch in anderen Bereichen belesen und hochgebildet. Mit seiner Frau, einer würdigen Nachfahrin von Jakob Ettlinger und Samson Raphael Hirsch, werden viele Kollegen, Schüler und Freunde seine warme Menschlichkeit vermissen. Sein Andenken sei zum Segen!

Simon Lauer


Jahrgang 3/1996 Seite 315



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