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Ad multos annos

Zum 75. Geburtstag von Prälat Dr. Georg Hüssler,

stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Freiburger Rundbrief“

Am 7. Juli 1996 wurde Dr. Georg Hüssler, Präsident des Deutschen Caritasverbands von 1969-1991, 75 Jahre alt. Dazu gratuliert ihm der „Freiburger Rundbrief“ herzlich und wünscht ihm Gottes Segen.

Die alte Satzung des Freiburger Rundbriefs aus dem Jahr 1968 trägt u. a. die Unterschrift von Dr. Georg Hüssler. Die neue Satzung des Vereins Freiburger Rundbrief aus dem Jahr 1992 ist ebenfalls von ihm unterzeichnet. Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist Prälat Hüssler so etwas wie das Rückgrat, das dem Verein seit fast dreißig Jahren Stütze und Halt gibt — und, so hoffen wir, dies auch künftig noch viele Jahre.

Zu seinem 75. Geburtstag erfährt der Jubilar und Ehrenbürger der Stadt Freiburg viele verdiente Ehrungen.

Dr. Hüssler wurde 1921 in Einöd/Saar geboren und wuchs im Elsaß auf. Nach dem Studium am Germanicum in Rom wurde er 1951 zum Priester geweiht und begann 1957 nach dem Doktorat seine Caritas-Zeit.

Was wir vom Freiburger Rundbrief als eine Stimme im großen Chor der Gratulanten vermögen, ist ein herzliches Dankeschön zu sagen für das Engagement von Dr. Hüssler gerade dem Freiburger Rundbrief gegenüber. Sowohl unter der Führung von Frau Dr. Gertrud Luckner und dann, nachdem die Kräfte sie verließen, in der schwierigen Zeit des Übergangs verstand es Dr. Hüssler, damals noch Präsident des Deutschen Caritasverbands, die Zügel fest in der Hand zu behalten. Einerseits war der Deutsche Caritasverband, seitdem Frau Dr. Luckner ihren Dienst noch in der Zeit des Dritten Reichs dort angetreten hatte, ihr Dienstgeber. Andererseits war der damalige Erzbischof von Freiburg, Dr. Conrad Gröber, der oberste Protektor und Auftraggeber von Frau Dr. Luckner in Sachen „kirchliche Kriegshilfestelle“, die eine Hilfe für verfolgte jüdische Mitbürger wurde. Diese Verbindungen sind heute noch intakt sowohl zum Deutschen Caritasverband als auch zum derzeitigen Erzbischof Dr. Oskar Saier und seinem Generalvikar Dr. Otto Bechtold, in denen der Freiburger Rundbrief seine Fürsprecher hat.

Dr. Hüssler besuchte in der zurückliegenden Zeit öfter die über neunzigjährige Frau Dr. Luckner. Bei offiziellen Anlässen, wie z. B. ihrem Geburtstag, hielt er die Ansprachen, ging aber auch regelmäßig und unauffällig zu ihr ins Altenwohnheim St. Carolus, Freiburg. Er war wohl der einzige, der Frau Dr. Luckner von „denen da draußen“ am Ende noch erkannte — und anerkannte.

Prälat Dr. Hüssler nutzte seine besten Beziehungen zu Prof. Dr. Ernst Ludwig Ehrlich, Basel, dem hochgeschätzten jüdischen Gesprächspartner, aber auch zu Prof. Dr. Clemens Thoma, Luzern, dem langjährigen Mitherausgeber und derzeitigen Hauptschriftleiter des Freiburger Rundbriefs, zum Wohl der Belange des Vereins und seiner Zeitschrift für die christlich-jüdische Begegnung.

In so manchen Telefonaten, in Briefen und auch persönlichen Treffs wurden Personalfragen und Sachprobleme geklärt. Stets war Dr. Hüssler optimistisch und zielstrebig auf die anstehenden Lösungen zugegangen.

Es war ihm nie der Zweifel gekommen, ob das Unternehmen „Freiburger Rundbrief“ weitergehen sollte, auch dann, wenn wir anderen manchmal den leisen Verdacht hatten, wir könnten das Erbe von Frau Dr. Luckner doch nicht antreten.

Zu den Qualitäten des Priesters und Menschenfreundes Dr. Georg Hüssler, die u. a. durch die hohe staatliche Auszeichnung des Bundesverdienstkreuzes unterstrichen wurden, zählt vorteilhaft für den „Freiburger Rundbrief“ Hüsslers fließende Beherrschung der französischen, italienischen und englischen Sprache. Darüber hinaus hat er Partner und Freunde in aller Welt, die von seiner Studienzeit in Rom und aus seiner Zeit als Präsident der Caritas Internationalis (1975-1983) herrühren.

Heute noch pflegt Dr. Hüssler diese Beziehungen sorgfältig und bringt damit frische Luft und Weitblick in ein Unternehmen wie den „Freiburger Rundbrief“, das wie gewöhnlich bei einer Arbeit vor Ort der Gefahr ausgesetzt ist, provinziell zu werden.

Der Weitgereiste ist jedoch auch auf die Kleinarbeit in seiner Freiburger Umgebung eingestellt. Er hilft als Seelsorger regelmäßig aus, geht auf alle Menschen ohne Ansehen der Person zu. Er trifft ihre Gedanken und spricht ihre Sprache, mehr noch, er hat ein Herz für sie.

Bewundernswert ist seine Aufmerksamkeit, mit der er präzise und umfassend das Geschehen in Politik, Gesellschaft und Kirche verfolgt und treffend, manchmal sehr dekuvrierend beurteilt.

Als gebürtiger Elsässer hat Dr. Hüssler ein unkompliziertes Verhältnis zu allen Gaben, die dem Menschen von Gott geschenkt sind, damit er sie genieße. Dr. Hüssler unterhält ein gepflegtes gastliches Haus, das mit Frau Maria Engesser, seiner langjährigen Haushälterin, bestens funktioniert, auch was die ungezählten Termine angeht, die zu notieren und einzuhalten sind.

Wir sagen für allen Beistand Dr. Georg Hüssler ein herzliches Vergelt‘s Gott und wünschen ihm nicht zuletzt, daß seine Gesundheit und sein Frohmut ihm erhalten bleiben.

Alwin Renker

Pfarrer Prälat Dr. Eugen Walter zum 90. Geburtstag

Am 19. März 1996 wurde Prälat Dr. Eugen Walter, Konsultor beim FrRu NF, in Freiburg i. Br. 90 Jahre alt.

Zu dieser erreichten wahrhaft biblischen Lebenslänge gratuliert ihm der Freiburger Rundbrief herzlich und verbindet mit den Glück- und Segenswünschen den Dank für sein stets waches Engagement im christlich-jüdischen Dialog.

Es ist unmöglich, in wenigen Zeilen die Bedeutung des Theologen und Seelsorgers Eugen Walter auch nur zu skizzieren. Aus der Rückschau auf sein Wirken werden deshalb nur einige Streiflichter aufgegriffen.

Zunächst sollen unsere Brüder und Schwestern auf der jüdischen Seite versichert sein, daß ihnen in Eugen Walter ein authentischer Christ gegenübersteht. Oft war er den kirchlich verfaßten Strukturen seines katholischen Glaubens weit voraus und mußte sich gelegentlich auch die Kritik seines Ortsbischofs anhören.

Doch was der Schriftsteller Eugen Walter längst vor dem Durchbruch der Theologie im 2. Vatikanum (1962-1965) seiner Lesergemeinde bot, war jene neue Theologie des Aufbruchs, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, die zu rezipieren die Christenheit heute noch immer sich schwer tut.

Eugen Walter ist ein genau und distinkt aufnehmender Theologe, in allen Disziplinen der Theologie daheim. Er wollte ausdrücklich den Rezensions-Teil des Freiburger Rundbriefs NF ausgebaut haben.

Der Katheder-Theologie gegenüber hatte er als Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche in Freiburg (von 1951 bis 1969) voraus, daß die Bewährung der Theologie im praktischen Glaubensvollzug normalen Christen vorzutragen und selbst zu leben war. Das war nicht immer leicht, und Eugen Walters Urteil über seinen Erfolg auf diesem Gebiet ist denn auch eher zurückhaltend.

Eugen Walter, von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg 1969 mit dem Ehrendoktor der Theologie ausgezeichnet, sah neben dem Feld, das er in seiner Pfarrei bestellte, stets auch seine Berufung als geistlicher Schriftsteller. Dieses Charisma übte er die vielen Jahrzehnte seines aktiven Priesterlebens über durch Bücher und ungezählte Beiträge, besonders auch im „Christlichen Sonntag/Christ in der Gegenwart“ aus. Er hat diese Tätigkeit bis auf den heutigen Tag beibehalten. Man müßte einmal alle Gelegenheitsbeiträge und auch die thematisch tieferschürfenden Artikel zusammentragen. Ich glaube, es gäbe ein opus, das so mancher Aufzählung in der Festschrift für einen Ordinarius ebenbürtig wäre.

Wer einmal die Gelegenheit hatte, ins Studierzimmer von Eugen Walter eingelassen zu werden, wie mir das vor Jahrzehnten im Pfarramt Dreifaltigkeit geschah und seitdem wiederholt bei gelegentlichen Besuchen, der ist fast erschlagen: an den Wänden die Bücher in hohen Regalen, Zeitschriften darübergepackt, auf dem Tisch mehrere Werke aufgeschlagen, Papier mit Notizen — eine wahrlich geistliche Werkstatt . . . Und im Gegenüber ein Mann, der ungewöhnlich aufmerksam zuhört, aber auch unerbittlich korrigiert, wenn ihm der Gesprächspartner unscharf kommt. Freilich ist Eugen Walters waches Bewußtsein und seine Kenntnis der Vorgänge in Kirche und Gesellschaft auch das Ergebnis einer strengen Selbstdisziplin und eines Herzens, das für die Liturgie schlägt; aber auch eines Menschen, der wie selbstverständlich fromm ist und betet.

In seiner Gesundheit ist Eugen Walter in den letzten Jahren mehrfach strapaziert worden, aber er geht noch heute zügig voran, selbst wenn er dazu die Krücken nehmen muß.

Vielleicht darf man zum Schluß auf die vielen Menschen verweisen, mit denen Eugen Walter Verbindung hat und die seinen seelsorgerlichen Rat suchen und finden.

Prälat Dr. Eugen Walter kann die Ernte seines Lebens in die Scheune einfahren, der Wagen ist hochgeladen. Wir vom Freiburger Rundbrief legen obenauf den Dank für alle Mitsorge, die Eugen Walter bereithielt schon zu Zeiten der Anfänge des „Freiburger Rundbriefs“ mit Frau Dr. Gertrud Luckner. Ad multos annos!

Alwin Renker

Teddy Kollek zum 85. Geburtstag

Eine Zeitung schrieb als Titelzeile zu diesem Anlaß: „Der Meisterschnorrer - Eine lebende Legende feierte 85. Geburtstag“. Daraus spricht Verehrung, Respekt und auch liebevolle Achtung.

Zu Teddy Kolleks 85. Geburtstag waren Israels Politiker, bekannte jüdische Wohltäter aus dem Ausland und Persönlichkeiten aus aller Welt gekommen, um mit ihm zu feiern. Aus Deutschland waren die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und der Vorsitzende des Zentralrates der Juden Ignatz Bubis angereist.

85 Jahre bewegtes Leben: In Wien geboren, 1935 Auswanderung nach Palästina, Arbeit im Kibbuz, jüdischen Jugendlichen aus Deutschland und der Tschechoslowakei verhalf er zur Flucht vor den Nationalsozialisten. Er war Mitglied der israelischen Botschaft in Washington. Von 1952 an leitete er das Büro des Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Dazwischen führen ihn geheime Missionen u. a. auch in die USA. 1985 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Die Krönung seines Schaffens waren seine 28 Jahre als Bürgermeister von Jerusalem. Darüber gibt sein Buch „Jerusalem und ich“ (vgl. FrRu NF 2/1996, 129-130) ausführlich Auskunft. Als er 1965 in dieses Amt gewählt wurde, stand der Ostteil Jerusalems noch unter jordanischer Verwaltung. 1967, nach dem Sechs-Tage-Krieg, wurde Jerusalem wieder eine ungeteilte Stadt. Kollek verstand sich als Bürgermeister für Juden und Araber. Versöhnlich reichte er den Arabern die Hand und lud sie zur Zusammenarbeit ein. So entstanden auch im Osttteil Jerusalems Schulen, Kulturzentren und Grünanlagen. Die Stadt wurde saniert und modernisiert.

Er war ein Bürgermeister „zum Anfassen“. Es ist bekannt, daß er ein offenes Ohr für alle Anliegen der Bewohner Jerusalems hatte, auch wenn er längst nicht alle Wünsche erfüllen konnte, weil vieles gar nicht in seiner Kompetenz lag.

Als er 1993 sein Amt einem Jüngeren überlassen mußte, brach für ihn noch längst nicht der Ruhestand an. Die internationale „Jerusalem Foundation“, eine von ihm ins Leben gerufene Stiftung für die Entwicklung Jerusalems, beschafft für Kultur- und Entwicklungsprojekte Spenden von jährlich ca. 30 Millionen Dollar, die zum großen Teil Teddy Kolleks Beziehungen und seinem Engagement zu verdanken sind. Sein Geburtstagswunsch: Spenden und Geschenke für Jerusalem.

bl


Jahrgang 3/1996 Seite 310



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