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Dwork, Debórah

Kinder mit dem Gelben Stern

Europa 1933-1945. C. H. Beck, München 1994. 384 Seiten.

Über zehn Jahre lang hat sich Debórah Dwork auf die Suche nach Menschen gemacht, die als jüdische Kinder die Schoa überlebten. Sie hat sie in ganz Europa und Nordamerika aufgespürt und mit ihnen unzählige Interviews gemacht. Parallel dazu hat sie in den verschiedensten Archiven eine Fülle an Dokumentationsmaterial, an Briefen, Fotografien, Familienalben oder Tagebüchern aufgestöbert, ans Tageslicht befördert und erforscht. Das Ergebnis dieser Arbeit ist das Buch „Kinder mit dem gelben Stern“. Es dokumentiert ausführlich und genau die Geschichte jüdischer Kinder in Europa zwischen 1933 und 1945: das Ausgestoßen- und Verspottetsein, die Angst in den Verstecken, das menschenunwürdige Dahinvegetieren in den Durchgangslagern und Gettos, die völlige Verunsicherung und der tägliche Kampf ums Überleben, und schließlich die Katastrophe in den Arbeits- und Vernichtungslagern. Das Buch beschreibt zudem das Trauma, das nach 1945 bei all jenen blieb, die überlebten, die nicht nur ihre Kindheit und den größten Teil der Familie verloren, sondern von den Erinnerungen an die Schreckenszeit bis heute immer wieder eingeholt werden. Das Buch „ist die Geschichte von Menschen, deren Schicksal es war, als Juden geboren zu werden, deren Unglück es war, im Europa der Nazizeit aufzuwachsen, und deren Lebensweg — sofern sie den Krieg überlebten — auch später voller Beschwernisse war“. So schreibt die Autorin selbst in ihrem Vorwort. Ihr ist mit ihrer ausführlichen Dokumentation in hervorragender Weise gelungen, nicht nur eine schreckliche Zeit und schreckliche Welt zu beschreiben, sondern dies aus Sicht der Kinder zu tun, die auch damals die ersten Opfer waren. Zudem ist ihr Buch ein Zeugnis für intensive Recherchearbeit mit historisch-wissenschaftlicher Genauigkeit, die gerade bei diesem Thema so wichtig ist, damit nicht vergessen wird, was nicht vergessen werden darf.

Herbert Winklehner


Jahrgang 3/1996 Seite 279



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