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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 3/1996 Heft 3

27. Januar
Bundespräsident Roman Herzog hat diesen Tag zum Gedenktag an die Naziopfer proklamiert. 1945 wurde am 27. Januar das KZ Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Auschwitz steht für den Völkermord an Millionen Menschen durch das Nazi-Regime. Der Zentralrat der Juden in Deutschland weist darauf hin, daß es mit dem Gedenktag allein nicht getan ist, sondern daß „rund um den 27. Januar an Schulen und Universitäten eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Zeit“ stattfinden solle.

In einem Jahr 330 Juden aus Tschetschenien gerettet
Die Jewish Agency konnte seit Beginn des Krieges in Tschetschenien im November 1994 330 Juden retten. Der selbsternannte Führer der Tschetschenen Dudajew und seine Anhänger sind als Antisemiten bekannt und hassen alle Fremden.

Mahnmal in Bayreuth
Seit kurzer Zeit gibt es in Bayreuth ein Mahnmal für die Toten der jüdischen Gemeinde Bayreuth. Es besteht aus drei Säulen: eine Stele mit dem Davidstern ist dem „Andenken der 1914-1918 gefallenen Söhne Israels“ gewidmet, eine zweite Stele, ebenfalls mit Davidstern, erinnert an die „Sechs Millionen Unschuldigen, die 1933 bis 1945 um ihres Judentums willen hingemordet wurden“. In die mittlere Stele sind die Worte des Propheten Ezechiel eingraviert: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraus. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig.“ Bis zur Vernichtung der israelitischen Kultusgemeinde in Bayreuth gab es in der Stadt zwei Synagogen, eine Mikwe, ein Gemeindehaus, eine Schule und einen Friedhof.

Leopold-Lucas-Preis an das Ehepaar Levinson
Pnina Navè und Nathan Peter Levinson (vgl. FrRu NF 2/96, 148-150) werden in diesem Jahr mit dem Leopold-Lucas-Preis geehrt. Beide haben sich seit Jahrzehnten am jüdisch-christlichen Gespräch beteiligt und somit zur Versöhnung zwischen den Religionen beigetragen. Sie haben die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg mitbegründet und dort viele Jahre gelehrt. Der mit 60.000 DM dotierte Preis wird jedes Jahr für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften, der Philosophie und Theologie vergeben.

Alexander Ginsberg gestorben
Am 5. Januar 1996 ist im Alter von 80 Jahren Alexander Ginsberg gestorben. Er hat die Lager, in die ihn die Nazis deportiert hatten, als einziger seiner Familie überlebt. 1973 wurde er Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland. An den von ihm geführten „jüdischen Jugend- und Kulturtagen“ hat er regelmäßig teilgenommen, um der jungen Generation das Erbe der Väter zu vermitteln. Aber auch politisch und als Jurist war er von denen, die ihn kannten, sowohl wegen seiner Sachkenntnis als auch wegen seiner Lebensweisheit als Gesprächspartner geschätzt.

10. Jüdischer Weltkongreß in Jerusalem
Eine stets gegenwärtige Zukunftsvision war die Assimilierung der Juden in der Diaspora. Die Realität jüdischer Existenz zeigt sich in interkonfessionellen Eheschließungen mit steigender Tendenz. Immer weniger Eltern schicken ihre Kinder in jüdische Schulen. Religiöse Riten und Gebräuche werden preisgegeben. Nicht ohne Grund hieß darum das Thema des Kongresses: „Jüdische Existenz am Scheideweg“.

Wer ist Jude?
Eine Frage, die zu den brisantesten Streitthemen in Israel gehört. Bisher galten nichtorthodoxe Juden, die den Übertritt außerhalb von Israel vollzogen haben und nach Israel einwanderten, als Juden. Einwanderer, die in Israel ihren Übertritt bei den nichtorthodoxen Rabbinern vollzogen haben, galten als Nichtjuden. Ein Beschluß des Obersten Gerichtshofes in Jerusalem hat in einem Urteil verkündet, daß auch Einwanderern, die in Israel bei einem nichtorthodoxen Rabbiner den Übertritt vollzogen haben, die Möglichkeit gegeben wird, sich im Melderegister als Juden eintragen zu lassen.

Aus einer Umfrage
Nach dpa ergibt eine Umfrage unter den deutschen Bundesbürgern, daß 30% der Befragten Juden als keine ganz normalen Menschen ansehen, sondern wegen ihrer Religions- und Volkszugehörigkeit doch als andersartig betrachten. 73% jedoch bezeichneten das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen als normal, 3% als herzlich. 14% hatten persönliche Kontakte zu Juden.

Moralische Neutralität und Waffenhandel sind unvereinbar
Mit dieser Mahnung wollen die großen christlichen Kirchen in Großbritannien mittels gemeinsamer Aktionen auf das Problem von Waffen und Gewalt hinweisen. Die geplanten öffentlichen Initiativen von Aschermittwoch bis Pfingsten sollen vor allem als aktive Opposition gegen den politisch geförderten Waffenhandel wirksam werden.

Gegenseitige Achtung — Schritte zum Frieden
Anläßlich eines Treffens von Papst Johannes Paul II. mit Mitgliedern der B‘nai B‘rith mahnte der Papst Juden und Christen zum Einsatz für Solidarität und Frieden. Richtunggebend in diesem Bestreben sei, Gemeinsames zu suchen, anstatt Trennendes zu betonen, die Traditionen der anderen kennen und schätzen zu lernen und durch ehrliche „Erinnerung“ zu „demütigem Glauben und vertrauensvoller Hoffnung“ zu finden in der gemeinsamen „Suche nach Gerechtigkeit und Liebe“.

Respektierung des Menschen
Nach Ansicht des lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, in einer Erklärung an Radio Vatikan, ist der dauernde Erfolg der Friedensbemühungen im Nahen Osten letztlich von der vollen Respektierung der menschlichen Person abhängig. Solange diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, werden, trotz größter Sicherheitsvorkehrungen, die beiderseits „tiefsitzenden Wurzeln der Gewalt“ die Friedensbemühungen immer wieder hemmen.


Jahrgang 3/1996 Seite 237



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