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Stendebach, Franz-Josef

Einleitung in das Alte Testament

Leitfaden Theologie 22. Patmos Verlag, Düsseldorf 1994. 306 Seiten.

„Das Alte Testament ist für viele Christen ein Buch mit sieben Siegeln“, schreibt der Autor in den Vorbemerkungen seines Buches. Der über 2000jährige Zeitabstand erschwert den Zugang zur Hebräischen Bibel. Der Autor rekonstruiert auf Grund historischer, kultureller und geographischer Begebenheiten das Entstehungsmilieu der einzelnen Texte und erklärt, daß die Texte der Bibel, oft auch innerhalb desselben Kapitels, unterschiedliche Entstehungszeiten und verschiedene Redaktoren aufweisen. Die Tora entstand während mehreren Jahrhunderten und wurde vor ihrer schriftlichen Festlegung mündlich überliefert. Auch die meisten Prophetenbücher kann man nicht als homogene Werke betrachten. Das Jesajabuch durchlief eine mehrere hundert Jahre dauernde Entwicklung. Die Forschung hat bewiesen, „daß die gesamten Kapitel 40-66 des Jesajabuches nicht von dem großen Propheten des 8. Jh. (v. Chr.) stammen, vielmehr auf prophetische Gestalten einer späteren Zeit zurückgehen“.

Obwohl Stendebachs „Einleitung in das Alte Testament“ auf einer gründlichen und ausführlichen Textanalyse beruht, versäumt es der Autor, den in seinem Buch durchaus häufig erwähnten Gottesnamen JHWH zu deuten. Die Redaktoren des Alten Testaments waren immer wieder mit der Unzulänglichkeit des Menschen, den immateriellen, ewigen Gott Israels semantisch zu erfassen, konfrontiert. Die am Berg Horeb von Mose wahrgenommene Selbstbezeichnung Gottes als JHWH kann grammatikalisch als Gegenwarts- oder als Zukunftsform verstanden werden: „Ich bin, was ich bin“ oder „Ich werde sein, was ich sein werde“. Die anderen in der Hebräischen Bibel vorkommenden Namen für Gott sind Umschreibungen, denn „die Grenzen menschlicher Sprache machen eine Beschreibung dessen, was ja per definitionem unbeschreibbar und undefinierbar ist, unmöglich“ (so Jonathan Magonet).

Man kann es als Manko betrachten, daß in Stendebachs „Einleitung“ der christlich-jüdische Dialog nicht berücksichtigt wird; es wird ein Versuch gemacht, die Hebräische Bibel zu erklären, ohne jegliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Judentum. Mehr noch: Auf Seite 162 steht: „Die Verkündigung des Amos ist Anklage und Gerichtsdrohung. Die Anklage richtet sich gegen die Zerstörung der Rechtsordnung in Israel . . . Die Gerichtsdrohung kündet das radikale Ende der Geschichte JHWHs mit Israel an (vgl. Am 5,18-20).“ Daß dieses radikale Urteil des Amos über die damalige Geschichte JAHWEs mit Israel nicht geschichtsträchtig wurde, sondern von Gott her der ungekündigte Bund (vgl. Vat. II.) besteht, ist in der Perspektive des 20. Jh. ein großer Trost und befähigt uns zur geschichtlichen Einordnung des Amos-Wortes.

Monika Beck


Jahrgang 3/1996 Seite 218



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