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Berichte Heft 2/1996

Woche der Brüderlichkeit 1996

In unserer Mitte leben: mit uns leben

„Wer immer in unserer Mitte wohnt, soll nicht bloß räumlich neben uns leben, sondern mit uns leben“ (Leo Baeck, Das Wesen des Judentums, 225). Wer immer in unserer Mitte wohnt, lebt mit uns?

So läßt sich mit Leo Baeck, dem bedeutenden Rabbiner und Vertreter des Deutschen Judentums fragen. Er hat in einer Zeit wachsender Anfeindung das Wesen des Judentums dargelegt und es in herausragender Weise gelebt. Auch er wurde nicht verschont; er wurde in das KZ Theresienstadt deportiert, er konnte überleben und lebte in London bis zu seinem Tod am 2. November 1956.

Der Deutsche KoordinierungsRat gibt ein Themenheft von ca. 100 Seiten mit ca. 30 z. T. historischen Fotos heraus. Schwerpunktthemen sind:

  1. Person und Wirkung Leo Baecks, 40 Jahre nach seinem Tod;
  2. Juden in Deutschland, gestern und heute;
  3. das Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten in einer Gesellschaft;
  4. christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Zu beziehen beim Deutschen KoordinierungsRat (DKR) — Sekretariat, Postfach 14 45, 61214 Bad Nauheim, oder über den Buchhandel.

Die Woche der Brüderlichkeit 1996 wird in Freiburg am 3. März mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille eröffnet.

Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille 1996
Prof Dr. Franklin Hamlin Littell

Nach seinem Studium u. a. als Schüler von Reinhold Niebuhr und Paul Tillich am Union Theological Seminary in New York Mitte der dreißiger Jahre, lehrte und arbeitete der 1917 geborene Littell in den vierziger Jahren an der Yale University. Hier gehörte er 1945 einer Organisation mit Namen FSC/Frontier Fellowship an, die erste amerikanische Gruppierung, die für ein Projekt im besiegten und besetzten Deutschland Gelder sammelte: Gelder, die für die Gründung der ersten Evangelischen Akademie in Deutschland, nämlich der in Bad Boll, bestimmt waren. Im gleichen Jahr, 1945, kam er ins besetzte Nachkriegsdeutschland, eingestellt von der US-Armee als Fachmann für die Kirchen in Deutschland, stationiert in Bad Nauheim.

Er gehörte zu dem kleinen Kreis maßgeblicher amerikanischer Persönlichkeiten, die die Idee der Gründung von Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Gründung eines Koordinierungsrates solcher Gesellschaften nach dem Vorbild des National Council for Christians and Jews in den USA engagiert gefördert und begleitet hat.

Littell war der erste christliche Gelehrte, der zum Mitglied des International Council of Yad Vashem berufen wurde.

Christoph Münz

Prof Dr. Joseph Walk

wurde 1914 in Breslau geboren. Er studierte 1932/33 am jüdischen Lehrerseminar in Köln. Nach Abschluß seiner Ausbildung kehrte er in seine Heimatstadt Breslau zurück und unterrichtete dort an der jüdischen Volks- und Höheren Schule. 1935 folgte er einer Berufung als Erzieher an die Rabbinische Lehranstalt in Frankfurt/M. Da er — einem zionistischen Elternhaus entstammend und seit langem aktiv in der chaluzischen Jugendbewegung mitarbeitend — im nationalsozialistischen Deutschland beruflich und gesellschaftlich diskriminiert und in übelster Weise öffentlich diffamiert wurde, bereitete er sich gleichzeitig durch ein landwirtschaftliches Praktikum auf die Auswanderung nach Palästina vor.

1936 konnte er emigrieren und sich während der ersten fünf Jahre in Erez Israel als Erzieher und Lehrer in Gruppen der religiösen Jugendalijah betätigen.

1973 wurde er Leiter des Instituts für neuere Diaspora-Geschichte des jüdischen Volkes an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan. Walk engagierte sich außerdem wissenschaftlich an dem Holocaust-Dokumentationszentrum Yad Vashem, ferner leitete er von 1978 an das Leo Baeck Institute Jerusalem.

Prof. Dr. Walk ist einer der Mitbegründer der religiös-zionistischen Friedensbewegung „Os we shalom“ (Stärke und Frieden), deren Vorsitzender er einige Jahre war.

Prof. Dr. Joseph Walk gehört zu den geistigen Brückenbauern unserer Zeit. Der tiefgläubige religiöse Zionist tritt für Frieden und Völkerverständigung ein. Seit Jahren fordert er den Dialog zwischen Angehörigen verschiedener Religionen und Nationalitäten, insbesondere den zwischen Juden und Christen, sowie das Gespräch zwischen Juden und Deutschen und Juden und Palästinensern.


Die Woche der Brüderlichkeit wird bewußt genutzt zu Zeitansagen, Analysen und Appellen, nicht nur durch Reden, sondern auch durch andere Gestaltungselemente. Dadurch, daß sie — wie jüdische und christliche Feste — jährlich wiederkehrt, kann sie bewußtseinsbildend wirken.

Aus: DKR Rundschreiben IV/1995.

Gedenkfeier zum 30. Todestag von Martin Buber

Prof. Dr. Paul Mendes-Flohr (Franz-Rosenzweig-Institut der Hebräischen Universität Jerusalem) sprach in Bad Nauheim anläßlich des 30. Todestages von Martin Buber über die Buber-Rezeption in Israel und charakterisierte sie als „prophetisch, widersprüchlich und vielfältig“.

Bubers Auffassung vom Judentum sei für die meisten Israelis — die areligiösen wie die konservativen — schwer zu begreifen. Wer allerdings eine religiöse Dimension für sein Judentum suche und sie aufgrund seiner Vorbehalte nicht bei der Orthodoxie und auch nicht beim Reformjudentum finde, den spreche gerade Buber an.

„Bubers Behauptung, daß das dialogische Prinzip auch auf die soziale, politische und kulturelle Wirklichkeit angewendet werden kann und muß, hat eine große Anziehungskraft für Menschen, die ein gewisses Verantwortungsgefühl für das Wohl der Menschheit besitzen. Dieses Engagement betrachten sie nach Bubers Lehre als eine spezifisch jüdisch-religiöse Aufgabe“ erklärte Mendes-Flohr.

Er führte weiter aus: „Bubers Lehre vom dialogischen Leben, die die zwischenmenschlichen Beziehungen als eine Art Gottesdienst versteht, hat ein starkes Echo bei diesen Leuten.“

Mendes-Flohr erklärte, daß er solchen an der Hebräischen Universität begegne. Wenn er Vorlesungen und Seminare über Buber halte, sei die Beteiligung immer groß, viel größer als bei anderen seiner Vorlesungen und Seminare. Man spüre, „daß Buber für diese Studenten eine existentielle Bedeutung hat“. Bubers Bücher in Israel würden immer noch gekauft, was darauf hinweise, daß er „in der geistigen Landschaft Israels einen gewissen Platz hat“.

Wenn man Bubers Namen in einer politischen Diskussion erwähnt, erhält man fast sicher die Reaktion: ,Ach, Buber war naiv, er hatte kein Verständnis für Realpolitik‘. Tatsächlich — so Mendes-Flohr — habe Buber seine politische Lehre bewußt im Gegensatz zur Realpolitik formuliert. Er wollte auf die moralische Basis von Interessenkonflikten hinweisen. „Beide Parteien eines Konflikts fühlen sich verletzt von der anderen, jede glaubt, daß die andere Partei ihr ein Unrecht getan hat. Buber meinte, daß dieses Gefühl des Verletztseins ein wichtiges Element eines Konfliktes ist. Wenn man Realpolitik macht, die nur auf den sogenannten einfachen ,Realia‘ — den harten Tatsachen — eines Konflikts beruht, neigt man dazu, das Gefühl des Verletztseins des anderen zu ignorieren, und zwar als gegen seine Interessen wirkend zu sehen,“ doch — so Mendes-Flohr weiter: Ohne ein solches Gefühl von Verletztsein zu berücksichtigen, gäbe es — nach Buber — keine wirkliche, dauerhafte und gerechte Lösung.

Mendes-Flohr führte aus, es sei keine Überraschung, daß die Wirkung von Bubers politischem Denken in außerparlamentarischen Kreisen Israels viel beachtet wird. Doch sei darauf hinzuweisen, daß viele junge und alte jüdische Israelis die Initiative ergriffen hätten, mit Palästinensern Dialoggruppen zu gründen. Sie führten ihren Dialog nicht, um den Konflikt zu lösen, sondern nur um in dieser schweren Zeit gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Es gäbe mehr als hundert solcher Gruppen.

Deutscher KoordinierungsRat Frankfurt Main e. V.

Das Herzstück jüdischer Frömmigkeit

Die Heiligung des göttlichen Namens (Kiddusch HaSchem) war das Thema eines Kurses im Rahmen der Priesterfortbildung mit Pfarrern der Diözese Regensburg. Ob sich die Teilnehmer wohl bewußt waren, worauf sie sich mit diesem Thema eingelassen hatten? Auf jeden Fall hielten alle die ganze Woche durch, bis zum Ende.

Als einzige Referentin stand für diese Woche PD Dr. habil. Verena Lenzen, Bonn (vgl. FrRu NF 1/1996, 56-58) zur Verfügung. Es gelang ihr durch ihr profundes Wissen, das sich nicht auf Theologie und Ethik beschränkt, sondern Literatur, Kunst, Film und andere Medien miteinbezieht, ihre Zuhörer zu faszinieren, so daß sie sich auf das Thema einließen und sich mit ihm auseinandersetzten. Vermutlich war es für manchen das erste Mal, damit konfrontiert zu werden. Der Mensch muß Gott in seinem Leben — und wenn es sein muß auch in seinem Sterben — heiligen. Dies ist der Kernsatz jüdischer Frömmigkeit und jüdischen Selbstverständnisses, der die Geschichte des Judentums von den Anfängen bis in die Gegenwart geprägt hat. Verena Lenzen führte das Thema über die Bindung Isaaks (Genesis 22) sowie die Rolle, die Abraham und Sara dabei spielten, breit aus, sozusagen als Basis. Gerade hierbei ließ sich gut mit Bildern aus der Kunst — von alten Mosaiken bis in die Kunst der Gegenwart — arbeiten. Es wurden dazu auch weniger bekannte Auseinandersetzungen rabbinischer Literatur zugezogen. Besonders lebhaft wurde die Diskussion nach einem Filmausschnitt von Claude Lanzmann „Shoa“, der starke Betroffenheit ausgelöst hat.

Die Heiligung des göttlichen Namens betrifft alle Bereiche des jüdischen Lebens bis in unsere Tage, in die das Leid, das Juden in der Schoa zugefügt wurde, noch nicht überwunden ist.

„Jüdische Theodizee-Entwürfe nach Auschwitz“ und die Aufarbeitung des Geschehens in und um Auschwitz mit Blick auf die Zukunft schlugen die Brücke von den Greueltaten der Nationalsozialisten zur Gegenwart. Das höchste Lob war wohl, als einer der Teilnehmer am Ende der Tagung für sich und andere feststellte, daß er anders geht, als er gekommen war.

bl

Und der Herr sprach zum Propheten

Dies war das Thema des 17. Freudenstädter Israel Bibelkurses, veranstaltet von Pfr. Walter Schwaiger.

Die Einführung gab Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, Jerusalem: Wie sieht das Judentum seine Propheten? Auch Mose ist ein Prophet! Eine Feststellung, die zur Revision eingefahrener Vorstellungen den ersten Anstoß gab. Aber auch weitere vertraute Gedankenbilder wurden erschüttert und gleichzeitig erweitert. Ein Prophet ist Verkünder der göttlichen Botschaft. Woran kann man erkennen, ob er ein wahrer Prophet ist oder einer von den auch in der Bibel genannten falschen Propheten, die sich doch so aufblasen, als ob sie die Wahrheit gepachtet haben? Als ein entscheidendes Kriterium bezeichnete Gradwohl die Tatsache, ob das eintrifft, was der Prophet vorhergesagt hat oder nicht: Ist er ein wahrer Prophet, dann muß sich eine Prophetie erfüllen, wenn Gott etwas Gutes, etwas zum Heil der Menschen verkünden ließ. Ist es jedoch eine Plage oder eine Strafe, so muß sie nicht eintreffen, wenn sich der Mensch zu Gott bekehrt. Als Beispiel dafür stehen die Schmeichelreden der falschen Propheten, die sie den Königen von Juda oder Israel einflüsterten. Gradwohl beendete seine Vortragsreihe mit einem Blick auf den Messianismus, die Messiasverheißung und -erwartung im Judentum. Es war leicht zum Zuhören, weil er das schwierige Thema methodisch gut aufbereitet hatte. Prof. Otto Betz, Tübingen, leitete über zum Neuen Testament: Das prophetische Wort im NT als ein Wort für die Zukunft, wobei auch auf paulinisches Schrifttum eingegangen wurde, besonders im Blick auf die Prophetie als Charisma in der nachösterlichen Gemeinde. In jeder Beziehung war es als Kontrastprogramm zum ersten Teil gestaltet.

Walter Schwaiger schloß die Tagung ab mit der Bedeutung des prophetischen Wortes für die Christen heute und mit der Offenbarung des Johannes als die Prophetie des NT. Hier wurde auch der Bogen zum Beginn der Vortragsreihe geschlagen, indem die prophetische Botschaft an Israel für unsere Zeit aufgezeigt wurde.

Für die nächste Israel-Bibelwoche laufen bereits die Vorbereitungen. Da kann man nur wieder eine glückliche Hand bei der Wahl der Referenten wünschen.

bl

Paul Grüninger — nach 23 Jahren rehabilitiert

23 Jahre nach seinem Tod wurde Paul Grüningers Ehre wiederhergestellt (vgl. FrRu NF 2/1993-94, 149-151). Wir erinnern: Der damalige Landjägerhauptmann Paul Grüninger aus St. Gallen, der ca. 3000 Juden vor der Vernichtung im Nazideutschland gerettet hat, indem er sie mit gefälschten Papieren in die Schweiz einreisen ließ, wurde 1940 vom St. Galler Bezirksgericht verurteilt mit dem Hinweis auf „Charakterdefizite im Sinne fehlender Hemmungen“ und auf „geistige Störungen“. Seine Pensionsansprüche wurden ihm genommen, so daß er ein kärgliches Leben fristen mußte.

Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1972 wurde Grüninger Anerkennung zuteil: In Yad Vashem wird er als Gerechter der Völker geehrt, in Wien wurde eine Schule nach ihm benannt, in den USA steht sein Name auf einer Ehrentafel und in St. Gallen trägt ein versteckter Durchgang den Namen Paul-Grüninger-Weg.

Jahrzehnte hindurch wies die St. Galler Regierung das Ansuchen von Verwandten und Freunden nach Rehabilitierung mit fadenscheinigen Gründen ab. Erst als die Öffentlichkeit auf das Schicksal Grüningers aufmerksam gemacht wurde, sprach die St. Galler Regierung davon, daß Grüninger sich an „ethischen Werten orientiert“ habe. Später wurde zwar keine rechtliche Rehabilitierung ausgesprochen, aber doch von der Bundesregierung in Bern die folgenden Worte gefunden: „Der Bundesrat ist bereit, Paul Grüninger politisch zu rehabilitieren und zu bestätigen, daß sein Verhalten uneingeschränkten Respekt verdient.“

Jetzt endlich — 23 Jahre nach seinem Tod — verkündete das Gericht in St. Gallen den Freispruch für Paul Grüninger. Der Staatsanwalt sah dies als einen Akt juristischer Vergangenheitsbewältigung. Zu dem Prozeß waren Juden aus aller Welt zu einer Gedenkveranstaltung angereist und auch um für Grüninger auszusagen. Die Flüchtlinge von damals haben Grüninger
als Menschen erlebt und erwiesen ihm mit ihrer Anwesenheit ihren Dank.

bl

Was geschieht mit den Verstorbenen?

In den letzten Jahren gab es Probleme, Nichtjuden zu beerdigen, z. B. „boat people“ aus Vietnam, Buddhisten, Atheisten, Christen anderer Konfessionen, die keinen Platz auf einem Friedhof bekommen konnten, denn in Israel sind die Friedhöfe nicht nur jüdisch, moslemisch und christlich, sondern die christlichen Friedhöfe sind auch noch nach Riten unterschieden: orthodox, griechisch-katholisch, armenisch, römisch-katholisch, evangelisch, anglikanisch. In den letzten Jahren haben wir all diese Verstorbenen auf dem Friedhof der römisch-katholischen Gemeinde in Haifa beerdigt mit stillschweigendem Übereinkommen der arabischen Gemeinde.

Anfang des Jahres teilte uns der Pfarrer hier in Haifa mit, daß wir in Zukunft nur 10 Beerdigungen unserer Gemeinde auf dem katholischen Friedhof vornehmen können. Später erweiterte er sie um 12, aber nur eine im Monat. Als dann im Februar in einer Woche zwei Bewohnerinnen im Gertrud-Luckner-Altenheim starben, verweigerte er die Beerdigung mit der Begründung, wir hätten unser „Kontingent“ für Februar schon erfüllt. Glücklicherweise waren diese Frauen „Gerechte der Völker“, und wir konnten die eine in Tel Aviv auf dem jüdischen Friedhof, wo es einen Platz für diese Leute gibt, und die andere in einem Kibbuz bestatten. Für die Beerdigungen müssen wir nun einen Platz im Kibbuz suchen oder auf jüdischen Friedhöfen, die schon einen Platz für „Nichtjuden“ haben.

Elisheva Hemker

In KIPA, ökumenische Informationen Nr. 24 (1995), gab es dazu eine Notiz, daß eine israelische Regierungskommission die Eröffnung eines Friedhofs für Nichtjuden in der Stadt Beer Sheva in Aussicht gestellt hat. Weitere Friedhöfe für Nichtjuden sollen bei Haifa, Tel Aviv und bei Jerusalem angelegt werden.

Geo-Wissenschaften für Kindergartenkinder

Sand und Steine sind die Materialien für Kinder in Kindergärten, die im Weizmann-Institut (Israel) durch Experimente vertraut gemacht werden. „Das Programm fördert die wissenschaftlichen Fähigkeiten über direkte sensorische Aktivitäten mit Geo-Materialien wie Steine oder Erde und macht den Kindern die Bedeutung dieser Materialien in unserem täglichen Leben bewußt. Außerdem fördert es eine positive Einstellung zur Umwelt“, sagt Dr. Nir Orion von der Abteilung für Wissenschaftspädagogik des Weizmann-Instituts.

Es gibt vier „Aktionsecken“: eine ist die „Experimentierecke“, in der die Kinder physikalische Experimente mit Gesteinsproben machen: Gleiche Steine werden in Wasser gelegt und die gleichen Steine ohne Wasser ebenfalls beobachtet. Oder die „Handwerksecke“, in der es um Aktivitäten wie Malen von Sandbildern, Formgießen, Bildhauerei und das Herstellen von Naturfarben geht. In der „Forschungsecke“ untersuchen Kinder Eigenschaften von Gestein durch Berühren und unter dem Vergrößerungsglas. In der „Geräuschecke“ hören Kinder etwas über die Entstehung von Gesteinen und ihre Verwendungen.

„Eine wichtige Eigenschaft dieses Programms ist schlicht der Spaß, den es macht“, so Dr. Orion. Die Kindergärtnerinnen haben festgestellt, daß aber auch die Sprache der Kinder bereichert und das Sozialverhalten gefördert wurde.

bl


Jahrgang 3/1996 Seite 140



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