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Hermann, Armin

Einstein

Der Weltweise und sein Jahrhundert. Eine Biographie. Piper, München 21995. 640 Seiten.

Bei aller Verehrung für das Genie Albert Einstein stellt sich beim Lesen des Untertitels die Frage: Wer ist ein (der!) Weltweiser?

Eine Biographie über einen solch bedeutenden Physiker wie Albert Einstein, der als der Newton oder als der Kopernikus unseres Jahrhunderts bezeichnet wird, könnte für Nichtfachleute schwer zu lesen sein. Doch anders diese Biographie, die nicht versucht, eine Einführung in die Relativitätstheorie (der mit dem Namen Einstein verbreitete Begriff) zu geben, wohl aber das Geniale der Relativitätstheorie, der Gravitationstheorie und anderer von Einstein entwickelten mathematischen und physikalischen Formeln. Von daher also auch gut und leicht zu lesen.

Doch auch das Leben Albert Einsteins, so wie es hier gezeichnet ist, ist faszinierend: seine frühzeitig erkennbare Begabung für die theoretische Physik, die auch nicht durch die dafür nicht gerade förderliche Arbeit bei einer Züricher Behörde beeinträchtigt werden konnte, seine Berufung an das Kaiser-Wilhelm-Institut (später umbenannt in Max-Planck-Institut) nach Berlin sowie die dazwischenliegenden und folgenden Berufungen an verschiedene Universitäten bis zuletzt nach Princeton in den USA. Der Antisemitismus, den er immer wieder gerade in Deutschland zu spüren bekam, veranlaßte ihn, rechtzeitig Nazideutschland zu verlassen. Im Dritten Reich wurde er als der jüdischste aller Juden bezeichnet und seine Theorien nicht gewürdigt, sondern als jüdische Phantastereien abgetan oder als Plagiat bezeichnet.

Einstein hat sich schon früh eigene Standpunkte in der Politik erworben und vertreten. Mit seinen pazifistischen Ideen stand er im Gegensatz zu dem ihm gewogenen Max Planck und zu manch anderen Größen seiner Zeit. Der Bau und der Einsatz der Atombombe brachte ihn in Konflikte; denn durch seine Relativitätstheorie wurde der Bau der Atombombe erst möglich.

Wenig glücklich erging es ihm mit seinen beiden Frauen und den Kindern. Vermutlich fühlte er sich durch die Nähe und Bindung eingeengt, obwohl er beides suchte. Er liebte eine geniale Unordnung und legte nicht besonderen Wert auf sein Äußeres. Dagegen lebte er im Kreis von Freunden auf. Bis an sein Lebensende half er Menschen in der Verfolgung und in Not, stellte Empfehlungsschreiben aus, um ihnen eine Stelle zu vermitteln, auch wenn er die Qualifikationen der Hilfesuchenden nicht kannte.

Ein lesenswertes Buch, das Einblick in das Leben eines vielseitigen, humorvollen, schlagfertigen und zielstrebigen Menschen unseres Jahrhunderts gibt.

Ursula Blum


Jahrgang 3/1996 Seite 128



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