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Herbstrith (Hg.), Waltraud

Erinnere dich — vergiß es nicht

Edith Stein — christlich-jüdische Perspektiven. Plöger Verlag, Annweiler/Essen 1990. 265 Seiten, 26 Abb.

Nach der Seligsprechung der Edith Stein hat ihre kenntnisreiche Biographin Sr. Waltraud Herbstrith im Karmel in Tübingen dieses Buch zusammengestellt, vor allem aus jüdischen und christlichen Stimmen zu dieser Seligsprechung der Christin, die wegen ihres Judentums ermordet wurde. Anerkennende und ablehnende Meinungen, oft kurzschlüssig oder verkürzt, kannte man aus den Medien. Hier liest man besonnen begründete Bekenntnisse. Am nächsten gehen die Beiträge der Angehörigen der Familie Stein, der wenigen, die der Schoa entronnen sind. Sie schreiben offen, gerecht, Rede und Haltung des Papstes, der Kardinäle bei und nach der Feier anerkennend, auch dankbar, daß die verstreute Familie hier zusammenkam. Dazu dann Stellungnahmen von engagierten Juden und Christen. „So nicht“, sagt der von Benediktinern erzogene, mit Karl Rahner befreundete jüdische Philosophieprofessor Friedrich Georg Friedmann klar unterscheidend: Edith Stein ist nicht als christliche Märtyrerin, sondern als verfolgte Jüdin gestorben. Ernst Ludwig Ehrlich wendet sich ebenso klar gegen die Bezeichnung Holocaust und gegen eine Holocaust-Ganzopfer-Sühnopfer-Mystifizierung: „Die Juden wollen keine Brandopfer bringen.“ Es widerspricht rabbinisch-jüdischer Tradition nach Genesis 22, der Nicht-Opferung Isaaks, der eindrücklichsten Polemik gegen Menschenopfer. Auch Edith Stein, sagt er, wollte nicht sterben, sondern bemühte sich um die Ausreise in die Schweiz. Auch sie fiel der Schoa zum Opfer.

Das Buch bietet noch mehr als die redliche Auseinandersetzung um die Seligsprechung: Zeugnisse von Menschen, die als Schülerinnen, Kollegen, Freunde lange Zeit oder nur kurz Edith Stein begegnet sind. Ein vielfarbiges Mosaik einer bemerkenswerten Frau.

Elisabet Plünnecke


Jahrgang 3/1996 Seite 127



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