Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 346  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 3/1996 Heft 1

Rabbinerin in Deutschland
Die erste Rabbinerin nach 1945 in Deutschland ist die aus der Schweiz stammende Bea Wyler. Sie ist zuständig für die nicht-orthodoxen jüdischen Gemeinden Oldenburg und Braunschweig. Nach ihrer Tätigkeit als agrarwissenschaftliche Journalistin studierte sie, angeregt durch einen Israelaufenthalt, in London und New York. Im Mai 1995 wurde die 44jährige ordiniert. Frau Wylers Berufung hat zu Auseinandersetzungen mit orthodoxen Juden geführt, weil kein orthodoxer Jude an einem von einer Frau geleiteten Gottesdienst teilnehmen kann. Sie vertritt die Meinung, daß auch Frauen und Mädchen ab dem 12. Lebensjahr zum Minjan zählen.

Erste jüdische Familie aus der GUS in Brandenburg eingebürgert
Der aus der Ukraine immigrierte Arzt Alexander Kogan hat als erster zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern die deutsche Staatsangehörigkeit in Brandenburg erhalten. Seit 1991 lebt die Familie in Potsdam, nachdem sie 1989 die Ukraine verlassen hatte. Kogan ist Vorsitzender der jüdischen Landesgemeinde Brandenburg, die mit seiner Hilfe neu gegründet worden war. Im Land Brandenburg gibt es keine jüdische Synagoge. Die jüdische Gemeinde soll jedoch ein ehemaliges Kirchengrundstück erhalten, auf dem eine Synagoge und ein Gemeindezentrum entstehen sollen.

Antijüdische Schriften Martin Luthers
Die Delegierten der evangelisch-lutherischen Kirche in Kanada haben auf ihrer Nationalversammlung antijüdische Schriften Martin Luthers verworfen. In einer Erklärung an die jüdischen Gemeinden in Kanada wird der Antisemitismus als dem Evangelium und der zentralen Lehre zuwiderlaufend verurteilt und „als Verletzung unserer Hoffnung und unserer Berufung“ abgelehnt.

Judenmission in Israel?
Wie die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung vom 24. August 1995 berichtet, erhalten Einwanderer in Israel, die aus der GUS und Äthiopien kommen, von christlichen Missionaren finanzielle Unterstützung, wenn sie am christlichen Gottesdienst und an der religiösen Unterweisung teilnehmen. Das können monatlich bis zu umgerechnet ca. 800,- DM sein. Die Empfänger leben vermutlich überwiegend in einer schwierigen finanziellen Lage.

Juden und Christen in Rußland
Bei einem Treffen des Internationalen Rates der Christen und Juden in Budapest wurde bekannt, daß in Rußland eine Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet werden soll, deren Ziel es ist, Vorurteile und zum Teil auch Mißverständnisse zu überwinden. In Moskau, St. Petersburg und einigen anderen Städten sind bereits die ersten Gesellschaften entstanden.

Gegen Sterbehilfe
In Israel haben sich vier orthodoxe Rabbiner gegen jegliche Art von Sterbehilfe, auch bei Todkranken, ausgesprochen. Künstliche Ernährung, Blutransfusionen und Medikamente sind zu verabreichen, auch wenn es sich nach Ansicht der Arzte um todkranke Patienten handelt, die keine Chance der Heilung haben. Nachdem es in letzter Zeit wiederholt zu Konflikten zwischen Ärzten und orthodox-jüdischen Familien gekommen war, wurden die Rabbiner um eine religionsrechtliche Entscheidung gebeten.

Neuer Bischof von Baalbek
Mounged El-Hachem ist von Papst Johannes Paul II. zum neuen maronitischen Bischof von Baalbek im Libanon ernannt worden, nachdem die Synode der maronitischen Kirche ihn im Juni gewählt hatte. Von 1966 bis 1970 war er verantwortlich für das arabische Programm bei Radio Vatikan.

Das Auge des Jahrhunderts
So wurde Alfred Eisenstaedt genannt, der im August dieses Jahres im Alter von 96 Jahren in Oakluffs, Massachusetts, USA, gestorben ist. Er war der letzte der Pioniergeneration des Fotojournalismus. Ein Berliner Jude, der in der Nähe von Danzig als Sohn eines Kaufmanns geboren wurde. In den zwanziger Jahren begann er in Berlin seinen Aufstieg als professioneller Bildreporter, nachdem er zuvor als Amateur gearbeitet hatte. Seine Aufnahmen reichen von Hollywood bis in die Politik. Bekannt ist sein Porträt von Goebbels, 1933 bei einer Völkerbundtagung in Genf aufgenommen, in dem das Böse und Hinterhältige wie wohl sonst kaum festgehalten wurde. 1935 wurde er einer der wichtigsten Mitarbeiter bei der neu gegründeten Zeitschrift „Life“, für die etwa 2000 Bildreportagen entstanden.

G. B. Fischer gestorben
Am 17. September 1995 ist im Alter von 98 Jahren der Verleger Gottfried Bermann Fischer in seiner Villa bei Camaiore gestorben. Als Sohn eines Arztes wurde er 1897 in Gleiwitz (Oberschlesien) geboren. Sein Vater war Stadtverordneter und Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Gottfried Bermann studierte Medizin. Als Chirurg lernte er in einem Streichquartett Brigitte Fischer, die Tochter des jüdischen Verlegers Samuel Fischer, kennen. Kurz vor der Heirat 1925 trat G. Bermann in den S. Fischer Verlag ein und übernahm 1932 dessen Leitung. Er mußte emigrieren, und er hielt den Verlag trotz schwieriger Bedingungen im Ausland am Leben. In Deutschland wurde der Verlag von Peter Suhrkamp geleitet. Eine Zusammenführung der Verlage war ihm nach 1945 leider nicht gelungen.

Franz Werfel
Vor 50 Jahren starb im amerikanischen Exil Franz Werfel, ein inzwischen fast vergessener Dichter und Lyriker des Expressionismus. Er wurde als Sohn eines vermögenden Lederfabrikanten 1890 in Prag geboren. Als Jude verehrte er den Katholizismus. Das erklärt die Thematik einiger seiner bekannten Werke. Er heiratete 1929 die Witwe Gustav Mahlers und Ex-Frau Walter Gropius‘, nachdem sie ihm vorher das Versprechen abgenommen hatte, aus der israelitischen Kultusgemeinde auszutreten. Die Nazis verbrannten seine Bücher. Er selbst mußte Deutschland verlassen und floh über die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal in die USA.

Straßen und Plätze nach Oskar Schindler benannt
Abraham Zuckermann, Städtebauer in den USA, verdankt Oskar Schindler sein Überleben in der Nazizeit. Aus Dankbarkeit hat er veranlaßt, daß im US-Bundesstaat New Jersey 21 Plätze, Straßen und Wege nach Oskar Schindler benannt wurden.

Hannah Arendt
Am 4. Dezember vergangenen Jahres jährte sich zum 20. Mal der Todestag der Soziologin und Politologin Hannah Arendt. Sie wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren und starb am 4. Dezember 1975 in New York. 1933 emigrierte sie nach Frankreich, 1940 in die USA. Seit 1959 war sie Professorin in Princeton NJ. Einige ihrer Veröffentlichungen sind: Rahel Varnhagen, Eichmann in Jerusalem, Men in Dark Times, Vom Leben des Geistes.

Hedwig-Burgheim-Medaille 1995
Die Auszeichnung wird im Gedenken an die in Auschwitz ermordete Pädagogin Hedwig Burgheim verliehen. In diesem Jahr wurde Thea Altaras mit der Medaille ausgezeichnet. Mit ihrer Dokumentation „Synagogen in Hessen — was geschah seit 1945?“, die 1988 erschienen ist, hat Thea Altaras einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte des hessischen Landjudentums erarbeitet.

Das Fenster-Halonot
ist der Name einer neuen israelisch-arabischen Kinderzeitschrift. Chefredakteure sind die Jüdin Ruti Azmon und der Araber Alia Abu Schamis. Die Beiträge werden zum Teil von Kindern geliefert, die auch zum Redaktionsteam gehören. Mit der Zeitschrift möchten die Herausgeber einen Beitrag zur Verständigung und damit zum Frieden leisten. Politik wird in dieser Zeitschrift nicht berücksichtigt.


Jahrgang 3/1996 Seite 76



top