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Walter, Rudolf (Hg.)

Leben ist mehr

Das Lebenswissen der Religionen und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Einführungen von Anand Nayak, Detlef Kantowsky, Albert H. Friedlander, Dietmar Mieth, Ursula Spuler-Stegemann. Vorwort von Carl Friedrich von Weizsäcker. Mit einem Nachwort herausgegeben von  . Herder/Spektrum Band 4360. Freiburg 1995. 320 Seiten.

Die Welt rückt zusammen. Fremdes kommt nah. Die großen Religionen sind nicht mehr auf Stammregionen mit nur wechselnden Ausdehnungen begrenzt. Allem Fremden gehen immer noch beängstigende, vergiftende Vorurteile voraus. Nicht jedermann kann und will sich mit religionswissenschaftlicher Fachliteratur kundig machen. Dieses Taschenbuch bietet genießbare Hilfe an, zumal es, wie der Titel verspricht, mehr vom Herzen, Leben, Lebenswissen der Religionen als vom Skelett und der Haut erzählen will. So gleich das Vorwort: schlicht, persönlich, autobiographisch, Bekenntnis von Carl Friedrich von Weizsäcker, aus früheren und noch unveröffentlichten Texten.

Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam werden auf je sechs Seiten Einleitung in ihrem Wesen vorgestellt. Für die Autoren eine Forderung. Beim Islam z. B. wohl eher zu bewältigen als bei der Vielgestaltigkeit des Hinduismus. Anand Nayak, in Indien geboren, nach dem Studium der Lehren des Buddhismus, Hinduismus, Christentums in Frankreich in Katholischer Theologie und Religionswissenschaft promoviert, jetzt Religionswissenschaftler an den Universitäten Fribourg und Neuchâtel, gelingt es. Er nur als Beispiel genannt; auch die anderen Autoren der Einführungen von ähnlicher Vielseitigkeit, Kompetenz, mit Engagement.

Das lebendige Herz der Religionen sollen dann die Zeugnisse, Bekenntnisse mit allen Nuancen hörbar machen. Während beim Hinduismus die alten heiligen Schriften erklingen, aber auch Rabindranath Tagores Gedichte, Sri Ramakrishna, Swami Vivekananda, schließlich Mahatma Gandhi, auch beim Buddhismus Texte der Frühzeit stehen, ehe Lehrer der Gegenwart, auch der Dalai Lama, zur Befreiung aus dem Gefängnis des Geistes, der Befreiung vom inneren Druck des Ego, der Begegnung mit dem unverhüllten Dasein hinführen, bricht im Kapitel Judentum nach Jakob J. Petuchowskis Wahl aus den Schätzen rabbinischer Deutungen, Geschichten, in denen auch der lebensweise Witz spielt, bei Albert Friedlander, Werner Weinberg, Elie Wiesel die Frage nach dem Gott in Bergen-Belsen auf. Herz des Christentums ist die gott-menschliche Nähe, Gott ist Mensch geworden. Die Folgen für das Leben, die Fülle des Lebens entfalten wohlbekannte Autoren: Zahrnt, Zink, Sölle, Martin Luther King, Matthew Fox, Drewermann, Karl Rahner. Die Beiträge der Islam-Autoren enthalten die Mahnung, ihre Religion, die allerdings auch ein Gesellschaftssystem ist, nicht unbesehen total mit furchterregendem Fundamentalismus gleichzusetzen. Vielleicht könnten kleingläubige Christen von der Unverzagtheit der moralischen Forderungen des Islam und seiner Zuversicht auf eine heile Welt sich anregen lassen.

Elisabet Plünnecke


Jahrgang 3/1996 Seite 54



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