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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 2/1995 Heft 4

Stichworte

Institut in Leipzig
In Leipzig entsteht das „Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur“ der Universität Leipzig. Simon Dubnow, nach dem das Institut benannt ist, war einer der bedeutendsten russischen Historiker unseres Jahrhunderts. 1941 wurde er als Kollaborateur in Riga ermordet. Der Schwerpunkt der Forschung soll in Mittel- und Osteuropa liegen, zeitlich reicht er vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Edith-Stein-Gesellschaft
Eine der Wirkungsstätten Edith Steins war Münster. Vor einem Jahr wurde dort die Edith-Stein-Gesellschaft gegründet, die in diesem Jahr ihre erste Mitgliederversammlung abhielt. Das Hauptreferat hielt Professorin Dr. Verena Lenzen mit dem Thema: „Gewalt und die Überwindung von Gewalt“. Weihbischof Dr. Josef Voß wies in seinem Grußwort auf den behutsamen Gebrauch der Sprache hin, die Gewalt verstärken oder entschärfen könne. Die Vorstellung des soeben erschienenen Bandes „Edith-Stein-Jahrbuch“ (hrsg. von José Sanchez de Murillo) ist für das interreligiöse Gespräch gedacht, besonders in den Gebieten Theologie, Philosophie, Pädagogik, Literatur und Kunst. Schwerpunktthema dieses Bandes ist „Die menschliche Gewalt“.

Neues jüdisches Leben
In Emmendingen wurde die alte jüdische Gemeinde wiedergegründet. Zu den Feierlichkeiten war u.a. Ignatz Bubis gekommen. Auch in anderen Orten des Landes Baden-Württemberg regt sich neues jüdisches Leben: Lörrach, Sulzburg, Baden-Baden, Pforzheim, Freiburg. In den vergangenen drei Jahren wurden ca. 4.000 Juden aus der GUS aufgenommen. Oft sind es Akademiker oder Künstler, die hier neu Fuß fassen wollen. Zum Teil sind sie jedoch noch arbeitslos. Häufig handelt es sich um Ehepaare mit Kindern. Dadurch werden die jüdischen Gemeinden verjüngt. Es gibt in der Bundesrepublik wieder 80 jüdische Gemeinden.

Bücher in Israel
In Israel gibt es ca. 190 Verlage. Es erscheinen pro Jahr ca. 6.000 Titel, davon etwa 70% in hebräisch. Insgesamt werden über zehn Millionen Bücher in Israel gedruckt.
Im Frühjahr findet jährlich eine „Nationale Buchwoche“ statt. Dabei werden eine Woche lang Bücher zu stark herabgesetzten Preisen angeboten. Der „Arabische Kultur- und Buchmonat“ findet jedes Jahr in Haifa und in rund 30 arabischen Dörfern und Städten im ganzen Land statt. Die arabischen Bürger Israels präsentieren neben verschiedenen kulturellen Aspekten überwiegend arabische Literatur.

Forderung für Religionsfreiheit im Sudan
Der frühere Ministerpräsident Sadiq al-Mandi ist verhaftet worden, nachdem der gläubige Muslim die Machthaber in Khartum aufgefordert hatte, die Religionsfreiheit im Land zu garantieren.

Moschee in Rom
Am 21. Juni 1995 wurde in Rom die Moschee eröffnet. Damit haben die 50.000 Muslime in Rom eine Gebetsstätte erhalten. Im Vatikan hofft man, daß von diesem Ort Impulse für eine größere Religionsfreiheit ausgehen werden, auch wenn keine offizielle Stellungnahme dazu abgegeben wurde.

Prager Juden
Junge Juden in Prag haben nach 1989 begonnen, sich mit ihrer jüdischen Identität auseinanderzusetzen. Die wenigen, den Holocaust überlebenden Juden standen unter der Kontrolle des kommunistischen Staates, der jede Gemeindearbeit verboten hatte. Ca. 100 junge Tschechen, Amerikaner und Briten haben sich zur „Bejt Praha — The Urban Prague Jewish Community“ zusammengefunden. Seit August 1994 gibt es wieder einen jüdischen Kindergarten.

Notizen mit Namen

Am 21. Juni wäre Premysl Pitter hundert Jahre alt geworden. Von ihm wurde gesagt, daß er zeit seines Lebens nur gute Dinge getan hat, aber deswegen oft sehr gehaßt wurde. Pitter wurde in Prag 1895 geboren. Durch die Erlebnisse des Ersten Weltkriegs wurde er zum Pazifisten. Später widmete er sich der Erziehung bedürftiger Kinder. Er gründete ein Haus für Straßenkinder, das nach 1933 zur Zufluchtsstätte für Kinder deutscher Emigranten wurde. Noch in den ersten Jahren der Naziokkupation veröffentlichte er Artikel zur Verteidigung der Juden. Entgegen den Anweisungen der Besatzer ließ Pitter jüdische und nichtjüdische Kinder weiterhin gemeinsam erziehen. Einige jüdische Kinder konnte er vor den Nazis verstecken, anderen besorgte er Adoptionspapiere. Von 1962 bis zu seinem Tod 1967 lebte Pitter in der Schweiz. In Yad Vashem ist für ihn ein Baum in der „Allee der Gerechten“ gepflanzt worden.

Bartholomaios I., Patriarch von Konstantinopel, besucht für eine Woche Israel. Es waren sowohl politische wie religiöse Gründe für diese Reise ausschlaggebend. In den Gesprächen mit Präsident Weizman, Premier Rabin und Palästinenserführer Arafat ging es insbesondere um die Rechtsstellung der christlichen Stätten in Israel.

Edna Brocke, Leiterin der „Alten Synagoge“ in Essen, ist maßgeblich an der Gründung „Netzwerk — Geschichte und Leben der Juden in Nordrhein-Westfalen e. V.“ beteiligt. In diesem Netzwerk sollen die zahlreichen Aktivitäten in Forschung und Praxis des größten Bundeslandes koordiniert und dadurch gemeinsame Projekte ermöglicht werden.

Die jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hatten zur Feier des 85. Geburtstages von Senator a. D. David Schuster eingeladen, der zu den Gründern der Gesellschaft gehört. Schuster ist seit 1958 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken. Schuster wurde 1910 in Bad Brückenau geboren. 1937 verhafteten ihn die Nazis. Als er 1938 entlassen wurde, mußte er innerhalb von drei Tagen nach Palästina auswandern, wo er bis 1956 blieb. Nach seiner Rückkehr engagierte er sich unermüdlich für die Versöhnung von Christen und Juden. Zeichen seines Wirkens sind die neue Synagoge und das jüdische Dokumentationszentrum.


Jahrgang 2/1995 Seite 314



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