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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 2/1995 Heft 3

Stichworte

1945-1995: Aus der Befreiung leben
So lautete das Motto der Woche der Brüderlichkeit 1995, die vom 5. bis 11. März mit zahlreichen Veranstaltungen in den Städten der Bundesrepublik begangen wurde. Am 5. März fand in Oldenburg die zentrale Veranstaltung statt, bei der im Rahmen eines Festaktes Altbundespräsident Richard von Weizsäcker die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten hat. Am gleichen Tag wurde die wiedererrichtete Synagoge in Oldenburg ihrer Bestimmung übergeben.

Interesse an der deutschen Sprache in Israel
Die Enkel der aus Deutschland geflohenen Juden sprechen kaum noch Deutsch. Der Wunsch, Deutsch zu lernen, wächst bei der jungen Generation. Zum Teil wird der Unterricht der deutschen Sprache an den Schulen auf Wunsch der Eltern erteilt. Seit 1989 betreut Carola Ammon die Spracharbeit in Israel. Seit 1991 wird am Jud-Dales-Gymnasium in Tel Aviv Deutsch als zweite Fremdsprache angeboten. Inzwischen hat sich die Zahl der Schulen, an denen Deutsch gelehrt wird, auf neun erhöht. Im vergangenen Jahr legten erstmals Schüler ihr Abitur mit Deutsch als Fremdsprache ab. Seit 1989 zählte Frau Ammon 900 Schüler.

Neue Zeitschrift
In Jerusalem (Israel) ist das erste Heft der Quartalsschrift „Religionen in Israel“ in deutscher Sprache erschienen. Sie berichtet „über die Arbeit der Israelischen Interreligiösen Gesellschaft sowie über Religion, Ökumene, Archäologie, Menschenrechte, Kultur und das Zusammenleben von Juden, Christen und Moslems in Israel, in der palästinensischen Autonomie und in den besetzten Gebieten“. Herausgegeben wird sie von der Israelischen Interreligiösen Gesellschaft (Israel Interfaith Association IIA), Jerusalem/Israel. — Wir wünschen der Zeitschrift eine gute Arbeit und hoffen, daß sie sich nach der Probezeit von einem Jahr etablieren kann.

Piper Verlag zieht Buch zurück
Der Münchener Piper Verlag hat das Buch des Amerikaners John Sack „Auge um Auge — Opfer des Holocaust als Täter“ zurückgezogen. In dem Buch wird von überlebenden Juden des Holocaust berichtet, die nach ihrer Befreiung in Polen Gefängnisse und Lager beaufsichtigten, in denen Deutsche gefangengehalten wurden. In den USA stieß das Buch nach Erscheinen auf harte Kritik. Der Verlag will durch den Auslieferungsstopp vermeiden, daß die Diskussion gerade nach dem 50. Jahrestag von Auschwitz in eine falsche Richtung gelenkt werden könnte.

Japanisches Magazin „Marco Polo“ eingestellt
Wie das Verlagshaus Bungei Shunju in Tokio bekanntgab, wird das japanische Monatsmagazin sein Erscheinen einstellen. Es hatte behauptet, daß es in der Zeit des Hitlerregimes in Deutschland keine Todeslager gab, in denen Juden vergast worden sind. Dagegen hat u.a. das Simon-Wiesenthal-Zentrum protestiert. Nach dieser Veröffentlichung hatten einige große Firmen keine Inserate bei „Marco Polo“ mehr aufgegeben und damit der Zeitschrift auch finanzielle Einbußen zugefügt.

Frucht der Aufnahme diplomatischer Beziehungen
Zwischen Israel und dem Vatikan ist ein Kulturabkommen unterzeichnet worden. Es wurde eine intensive Zusammenarbeit zwischen israelischen Universitäten und der Päpstlichen Universität Gregoriana vereinbart. Archäologische Schätze sollen für Ausstellungen untereinander ausgeliehen werden. Auf der internationalen Buchmesse in Jerusalem (April 1995) ist der Vatikan erstmals mit einer Ausstellung hebräischer Handschriften vertreten.

Interfaith International
Wir hören immer wieder von den ausgezeichneten Aktivitäten von Interfaith International. Präsident ist S. M. Musawi, London; Executive Director ist Charles Graves, Genf. Die Patrons sind John Austin Baker, Mrs. Nelly Weiss-Füglister, K. N. Pandita, Robert Schlund, Saheb Jwad Al-Hakim, Beyan Kandum Alaraji. Der Sitz von Interfaith International ist in Genf. Interfaith International hat als Ziel, die Begegnung der Weltreligionen auf höchster Ebene zu fördern. Mit diesem Anliegen begaben sie sich am 14. Dezember 1994 zu Papst Johannes Paul II., am 13. Januar 1995 zum Erzbischof von Canterbury nach London und am 27. Januar 1995 zum Ayatollah Mohammed Baqir Al-Hakim in Genf. Wir wünschen, daß diesen Anliegen Erfolg beschieden sein wird.

Stärkung der Rechte der Frau
In Israel gilt für die Eheschließung wie für die Ehescheidung der jüdischen Einwohner religiöses Recht, für das die Rabbinatsgerichte zuständig sind. Bei der Ehescheidung sind nach der jüdischen Tradition die Frauen stark benachteiligt. Jetzt hat der Rechtsausschuß des israelischen Parlaments neue Richtlinien für die religiösen Gerichtshöfe erlassen, um die Stellung der Frau zu verbessern.

Mahnmal des Grauens
Mahnmale führen im Bild vor Augen, was geschehen war. Das Bild ist eine Sprache, die den Menschen unmittelbarer erreicht als Worte. Es ist darum nicht nur ein Versuch der Einholung der Vergangenheit, wenn in einer Stadt ein Mahnmal errichtet wird, so wie es kürzlich in Landsberg am Lech geschehen ist. Ein Bronzerelief, geschaffen von Heinz Skudlik, wurde enthüllt, das an den Todesmarsch jüdischer Häftlinge im April 1945 ins KZ Dachau erinnert.

Mit aller Macht gegen den Antisemitismus
Der Massenmord von Auschwitz sei eine Verdunkelung der Vernunft, des Gewissens und des Herzens. Vor allem die „Söhne des jüdischen Volkes, für die das Naziregime die systematische Ausrottung programmiert hatte, erlitten die dramatische Erfahrung des Holocausts“, sagte Papst Johannes Paul II. bei einem Gebet zum fünfzigsten Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers. „Beten und arbeiten wir . . . Niemals mehr Antisemitismus! Niemals mehr die Arroganz der Nationalismen! Niemals mehr Völkermorde!“

Notizen mit Namen

Im Alter von 84 Jahren ist in Jerusalem der Tora-Gelehrte Schlomo Zalmann Auerbach gestorben. Der Rabbiner war die höchste Autorität in Fragen der Halacha. An der Beerdigung nahmen zwischen 100.000 bis 250.000 Menschen teil.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel hat in diesem Jahr die Otto-Hirsch-Medaille erhalten, die jährlich von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Israelitischen Religionsgemeinschaft und der Stadt Stuttgart verliehen wird. In der Urkunde heißt es, daß er diese Auszeichnung erhalten hat „aufgrund seines besonderen Engagements für die Verständigung zwischen Juden und Christen auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene sowie für sein Bemühen, Verständnis für den Staat Israel zu wecken“.

In München verstarb im Alter von 83 Jahren Schabsaj Rubin. Der Jurist lebte seit Ende des Zweiten Weltkrieges in München. Der Schwerpunkt seiner Arbeit war die gesetzliche Regelung der Wiedergutmachung für die Überlebenden des Holocaust. Gemeinsam mit Experten aus Israel, den USA und überlebenden Juden aus Deutschland erarbeitete er einen Gesetzesentwurf, der für die Entschädigung in der damaligen Amerikanischen Besatzungszone ausschlaggebend wurde.


Jahrgang 2/1995 Seite 237



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