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Gertrud Luckner
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Notizen Jahrgang 2/1995 Heft 1

Stichworte

Claims Conference
Bei der Vollversammlung der „Conference on Jewish Material Claims Against Germany“ wurde Ignatz Bubis zu einem der Vizepräsidenten gewählt. Diese Organisation vertritt die Rechte an den von den Nazis beschlagnahmten jüdischen Privat- und Organisationsvermögen, auf das keine gesetzlichen Erben Anspruch erheben. Es wird ein Fonds verwaltet, aus dem Verfolgte Geldmittel erhalten, die bisher keine oder nur geringfügige Entschädigung erhalten haben. Zur Zeit ist die „Claim Conference“ besonders in den neuen Bundesländern tätig.

Internationales Computernetz
Nach Feststellung jüdischer Forscher nutzen Rassisten immer häufiger ein internationales Computernetz, um ihre Propagandaschriften und Haßtiraden zu verbreiten. Eine Verhinderung oder Überwachung ist damit faktisch kaum möglich. Die Propaganda richtet sich nicht nur gegen Juden, sondern gegen jede Art von Fremden.

Ärzte für Verständigung
Doktor Meir Liron, der Leiter einer Abteilung des Chilov Hospitals in Tel Aviv, fährt zusammen mit anderen israelischen Ärzten in die besetzten Gebiete. Sie behandeln dort in ihrer Freizeit unentgeltlich Kranke der palästinensischen Zivilbevölkerung. Die Ärzte sehen diese freiwillige Hilfe als ihren persönlichen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben zwischen Juden und Palästinensern.

Schweiz: Friedensvertrag zwischen drei Religionen
Der Zürcher Journalist Ulrich Kägi hat eine Bewegung „Initiative für den Friedensvertrag“ ins Leben gerufen. Die drei großen monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam werden darin auf Grund ihres gemeinsamen Glaubens an den einen Gott aufgerufen, sich für Völkerverständigung, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Mit Erfolg. Der „Friedensvertrag zwischen den Weltreligionen“ wurde von Jakob Teichmann, emeritierter Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich, und Hansjörg Vogel, Bischof von Basel, unterzeichnet. Insgesamt haben sich damit jetzt über 1.200 Personen durch ihre Unterschrift dazu bekannt und verpflichtet.

Friedenstreffen in Assisi
Das internationale und interreligiöse Friedensgebetstreffen vom 11. bis 13. September 1994 stand unter dem Ereignis des Friedensprozesses im Nahen Osten und stellte den Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen in den Mittelpunkt.

Antijüdische Schriften Martin Luthers abgelehnt
Vertreter der evangelisch-lutherischen Kirche in den USA (ELCA) haben eine Stellungnahme veröffentlicht, in der die antijüdischen Schriften Martin Luthers abgelehnt werden. Die ELCA zählt über 5 Millionen Mitglieder und gehört damit zu den größten lutherischen Denominationen in den USA. Die Erklärung wurde mit 905 gegen 38 Stimmen vom obersten Gremium der ELCA angenommen.

Notizen mit Namen

Isaak Babel wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Er wurde 1894 in Odessa als Sohn eines jüdischen Händlers geboren und ist mit Bibel und Talmud aufgewachsen. Maxim Gorki hat 1916 erste Erzählungen Babels veröffentlicht. Babels Vorbilder waren Nikolaus Gogol und Guy de Maupassant. Neben seiner Arbeit als Zeitungskorrespondent, Redakteur, Übersetzer und Dramaturg schrieb er Theaterstücke sowie Bücher: „Die Reiterarmee“ und „Geschichten aus Odessa“. Aufgrund einer Anzeige wurde er 1939 verhaftet. Vermutlich starb er im Sommer 1940 oder im Frühjahr 1941 als Opfer der stalinistischen Säuberungen. 1954 wurde er posthum rehabilitiert.

Der Japaner Chiune Sugihara gehört zu den Menschen, die nach Schätzungen zwischen 6.000 und 10.000 Juden gerettet haben, aber fast unbekannt geblieben sind. Als Generalkonsul in Litauen stellte er entgegen den Weisungen seiner Regierung Visa aus, damit Juden vor den Deutschen nach Rußland ausreisen konnten. Als die Regierung in Tokio von seinem Handeln erfuhr, verlor er seinen Posten und wurde zurückgerufen. Als fliegender Händler und mit Übersetzungen fristete er sein Leben. 1985, ein Jahr bevor er starb, wurde ihm der Yad-Vashem-Ehrentitel „Gerechter der Völker“ verliehen.

Dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, wurde der Waldemar von Knoeringen-Preis der SPD-nahen Georg von Vollmer Akademie verliehen. Mannheimer hält seit Jahren Vorträge in Universitäten, Schulen, kirchlichen Einrichtungen und Jugendverbänden. Er trägt dazu bei, daß der „Holocaust nicht verschwiegen wird, daß aber der Haß nicht bestehen bleibt“.

Der israelische Schriftsteller Aharon Megged hat einen neuen Roman mit dem Titel „Sehnsucht nach Olga“ herausgegeben. In Deutschland wurde der Schriftsteller bekannt durch seine Romane: „Das fliegende Kamel mit dem goldenen Höcker“ und „Foigelman“. Der neue Roman ist ein Beitrag, die Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion literarisch zu verarbeiten.


Jahrgang 2/1995 Heft 1  Seite 77



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