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Schöppner, Lothar

Begegnungsmodell jüdisch-christlicher Dialog

Empirische Analyse des Würzburger Lernprojektes Juden — Christen. (Reihe „Lernprozeß Christen — Juden“ Band 7.) Herder, Freiburg 1993. 480 Seiten.

Das Buch dokumentiert und analysiert im Rahmen einer Dissertation ein religionspädagogisches Projekt zum jüdisch-christlichen Dialog, das unter Leitung von P. Neuenzeit an der Universität Würzburg durchgeführt wurde. Auf einschlägigen Forschungen, insbesondere auf den „Freiburger Leitlinien zum Lernprozeß Christen — Juden“ aufbauend, setzte sich die Würzburger Gruppe folgende Ziele:
— Einstellungsveränderungen im Hinblick auf den Abbau von Vorurteilen gegenüber Juden;
— Stärkung der eigenen Identität als Christen bzw. Juden in Deutschland;
— Entwicklung von Toleranz gegenüber Minderheiten;
— Erlernen der Dialogbereitschaft und -fähigkeit mit Juden in Deutschland (vgl. S. 24).

Bei der Durchführung wurde in mehrfacher Hinsicht Neues gewagt:
— Die Erfahrung mit vielen gutgemeinten, aber wenig erfolgreichen Versuchen in der Vergangenheit nötigt zu der Erkenntnis, daß Sachinformationen allein noch keine Einstellungskorrekturen bewirken; als Konsequenz daraus wird informierendes Lernen weitestgehend durch kooperativ kommunikatives, in Erfahrungssituationen (gemeinsames Essen, Feiern . . .) eingebettetes Lernen ersetzt. Dadurch entwickelt sich unter den Teilnehmern eine Vertrautheit, die den Umgang mit Krisen und Konflikten erleichtert.
— Eine Gruppe (angehender) christlicher Multiplikatoren trifft sich über einen längeren Zeitraum (November 1986 - Juli 1987) mit einer annähernd gleichstarken jüdischen Gruppe zum gemeinsamen Lernen in Blockseminaren, aber auch in der Begegnung mit jüdischen Gemeinden und Stätten.
— Ein Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Nachkritik und empirischen Evaluation anhand sozialwissenschaftlicher Analysemethoden und Kategorien, wobei neben Wissenszuwachs und Einstellungsveränderungen auch die Kursatmosphäre eine wichtige Rolle spielt.

Schöppner bietet eine interessante Dokumentation eines nachahmenswerten — wenn auch aufwendigen — Modells einer christlich-jüdischen Lerngemeinschaft. Allerdings hätte die Textpräsentation mehr Sorgfalt verdient: zahllose Fehler (selbst in Überschriften) beeinträchtigen die Freude an der Lektüre. Wer das Buch primär unter theologischem Aspekt oder aus Interesse am Lernprozeß der Gruppe zur Hand nimmt, wird sich zudem mit der Dominanz sozialwissenschaftlicher Terminologie und Statistiken schwertun. Dennoch: die Mühe lohnt sich!

Hildegard Gollinger


Jahrgang 2/1995 Seite 61



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