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Franz Mußner

Dürfen wir Auschwitz vergessen?

Zur 50. Wiederkehr des Tages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945.

I. Leugnen, Vergessen, Verdrängen

„Als die ,größte Menschen-Vernichtungsanlage aller Zeiten‘ wurde das Konzentrationslager Auschwitz von seinem Kommandanten Rudolf Höß bezeichnet. Die historische Forschung muß ihm zustimmen. Nirgendwo zeigt sich das wahre Gesicht des Nationalsozialismus in so nackter Brutalität wie hier — hier, wo Hunderttausende ermordet wurden in einer Orgie fabrikmäßiger Todesplanung, betrieben mit akribischer Buchhaltung bis zuletzt. Und deshalb bleibt Auschwitz ein Mahnmal deutscher Geschichte — und es ist kein Wunder, daß alle, die diese Geschichte von ihren Blutflecken säubern wollen, gerade die Verbrechen von Auschwitz in das Zentrum ihres Leugnungsbestrebens stellen“ (T. Bastian).1

Dieses „Leugnungsbestreben“ zeigt sich als „AuschwitzLüge“, mit der entweder die Existenz von Konzentrationslagern überhaupt bestritten wird oder die schrecklichen Vorgänge in ihnen verharmlost werden.2 Daneben hört man häufig die These: Allmählich sollte man aufhören, ständig an Auschwitz und die anderen KZ zu erinnern. Das sei doch nun längst Vergangenheit, wenn diese Vergangenheit auch ein sehr trauriges Kapitel in der deutschen Geschichte sei. Was speziell die „Schoa“, den „Holocaust“, also die Vernichtung — das hebräische Wort „schoa“ bedeutet „Vernichtung“, „Katastrophe“ — der europäischen Judenheit angeht, so versucht man, diese durch den Hinweis zu entlasten, in den KZ seien, gerade auch in AuschwitzBirkenau, doch auch Tausende von NichtJuden (Polen, Franzosen, Niederländer, Zigeuner, russische Kriegsgefangene usw.) ums Leben gekommen, was den Tatsachen entspricht. Auch hätten die Kommunisten in den Gulag der Sowjetunion ähnliche Verbrechen begangen wie die SS in den KZ. Diese Entlastungsversuche spielen im „Historikerstreit“ eine wichtige Rolle,3 sie tragen zur „Trivialisierung durch Vergleich“ bei.

II. Die bleibend notwendige Erinnerung an Auschwitz

— Nach dem Historiker Christian Meier genügt „Geschichtsbewußtsein“ nicht, er fordert darüber hinaus mit Blick auf Auschwitz „Geschichtserinnerung“4: „Unter ,Geschichtserinnerung‘ verstehe ich die nachhallende Präsenz von Teilen der Vergangenheit in einer Gegenwart, sowohl im Bewußtsein der SichErinnernden wie im Unterbewußten, aus dem sie erinnert werden.“5 „Geschichtserinnerung“ verhindert eine objektivierende, distanzierte Geschichtsbetrachtung und „all das Verkleinern, Wegreden, Verdrängen, die Verschweigungen, die Schlußstrichappelle und Fehlleistungen bis hin zu manch subkutanem Antisemitismus . . .“6 Und der Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz fordert, gerade auch mit Blick auf den „Historikerstreit“, „eine anamnetische Kultur“, „die nicht der unkritischen Identitätssicherung und Selbstbehauptung dient, sondern die zu Umkehr und Veränderung führt“.7 Es ist das „Eingedenken“, das der jüdische Philosoph Walter Benjamin angesichts der unzählbaren Opfer in der Geschichte der Menschheit gefordert hat und das eine von der Fortschrittsideologie inspirierte Geschichtsschreibung verhindert, wie sie vor allem im 19. Jahrhundert gepflegt wurde. „Der Sinn der Geschichte enthüllt sich, für Benjamin, nicht im Verlauf ihrer Evolution, sondern im Gegenteil, in den Bruchstellen ihrer scheinbaren Kontinuität, in ihren Rissen und ihren Strömungen, da, wo das plötzliche Auftreten des Unvorhersehbaren einen Verlauf unterbricht . . .“.8 Auschwitz hat die scheinbare Kontinuität der Geschichte zusammen mit der Fortschrittsideologie endgültig unterbrochen. Nun muß sich „Geschichtsbewußtsein“ mit „Geschichtserinnerung“ verbinden, das einen „Geschichtsoptimismus“ nicht mehr zuläßt.

— „Auschwitz“ zerstört auch die seit der Aufklärung vor allem von Hegel entwickelte Geschichtsphilosophie. Der Erste Weltkrieg hätte noch im Sinne Hegels als „Unfall“ im Geschichtsprozeß verstanden werden können, aber Auschwitz hat die geschichtsphilosophische Unfalltheorie (und auch die kommunistische „Widerspruchs“-Lehre) ad absurdum geführt. Die Geschichte wird nun endgültig erkannt als ein Ort böser Möglichkeiten. „Was die Geschichtsauffassung von Rosenzweig, Benjamin und Scholem kennzeichnet, ist genau dieser Übergang von einer Zeit der Notwendigkeit [des historischen Prozesses] zu einer Zeit der Möglichkeiten“ (St. Mosès).9 Es ist möglich, daß die Menschheitsgeschichte scheitert: das ruft Auschwitz ins Bewußtsein. Die Parusie des Herrn wird der endgültige Abbruch der Menschheitsgeschichte sein: nach dem Neuen Testament ein mit Katastrophen verbundenes Geschehen.10

— „Auschwitz“ läßt erkennen, daß der „Weltgeist“ sich nicht im deutsch-germanischen („arischen“) „Volksgeist“ vollendet hat. Hegel: „Dem Volke, dem solches Moment als natürliches Prinzip zukommt, ist die Vollstreckung desselben in dem Fortgange des sich entwickelnden Selbstbewußtseins des Weltgeistes übertragen. Dieses Volk ist in der Weltgeschichte für diese Epoche — und es kann . . . in ihr nur einmal Epoche machen — das herrschende [wie nach der Meinung der Nazis das deutsche]. Gegen dies sein absolutes Recht, Träger der gegenwärtigen Entwicklungsstufe des Weltgeistes zu sein, sind die Geister der anderen Völker rechtlos, und sie wie die, deren Epoche vorbei ist, zählen nicht mehr in der Weltgeschichte.“11 Deshalb muß Hegels Geschichtsbild die „Realitäten, die sein Aufbauprinzip stören, wie etwa den Fortbestand des jüdischen Volkes, aus seinem Konzept ausschließen“ (St. Mosès).12 Die Nazis versuchten, diesen Ausschluß des jüdischen Volkes aus der Menschheitsgeschichte in Auschwitz, Treblinka usw. brutal zu realisieren. Der deutsch-germanische „Volksgeist“ hat jedoch in Auschwitz nicht gesiegt. Auch dessen gilt es am 27. Januar 1995 eingedenk zu sein, damit Auschwitz ein wesentlicher Beitrag zum Aufbau der „Geschichtserinnerung“ bleibt.

— Auschwitz darf nicht bloß als topographische Bezeichnung für einen Ort des Grauens in Polen genommen werden, vielmehr auch als eine Metapher. Oder vielleicht besser gesagt: Der Ort Auschwitz „metaphorisiert“ sich ständig. Was in Auschwitz und in den anderen KZ der Nazi-Zeit geschah, waren zunächst die verheerenden Konsequenzen einer Ideologie, in diesem Fall der Ideologie von „Blut und Rasse“, deren Opfer vor allem die Juden wurden, nach heutigen Erkenntnissen mehr als vier Millionen.13 Nimmt man Auschwitz als Metapher, dann für den „Hitler in uns“ (M. Picard), für das „SS-Potential“, das in den Menschen aller Zeiten steckt, für die Bestialität des Menschen. „Die Taten der Nationalsozialisten waren gewiß einzigartig, singulär — sie bilden als ,Megaverbrechen‘ einen erratischen Block im Urstromtal der Geschichte; aber als Menschen sind die Nationalsozialisten nicht Wesen von einem anderen Stern gewesen, sondern Menschen unseres Stammes, damit letztlich, allen aufzudeckenden Unterschieden zum Trotz, eben doch Menschen wie wir; und ihre Taten kennzeichnen damit Menschen-Mögliches, das uns anderen nicht gänzlich fremd sein kann. Aus dieser Sichtweise haben die Nationalsozialisten aktuell verwirklicht, was uns Menschen . . . als prinzipiell möglich innewohnt, wenn auch derzeit in Schach gehalten, niedergezwungen, eingedämmt. Aber wird diese Dämmung Bestand haben? Wenn wir sagen: die nationalsozialistischen Taten seien singulär, so ist stets ein ,bis jetzt!‘ dazuzudenken. Und das ist gerade der kritische Punkt: Wenn diese Verbrechen in einem kritischen, aber doch einfühlenden Sinn verstanden werden sollen, dann heißt das nicht, daß wir sie verharmlosen oder gar entschuldigen wollen — es bedeutet ,nur‘, daß wir durch diesen Versuch mehr über uns selber erfahren und lernen wollen, über unser eigenes latentes Verhaltensinventar, über unsere Möglichkeiten auch zum Bösen hin. Kurzum: trivialisierend ist die stupide Aufrechnung von Taten, weil sie der eigenen Entlastung dienen soll — prophylaktisch sinnvoll hingegen sehr wohl der Vergleich von seelischen Möglichkeiten, jedenfalls dann, wenn er uns erschüttert, beunruhigt“ (T. Bastian).14 So gesehen hat „Auschwitz“ eine „apokalyptische“, enthüllende Funktion, weil es die bösen Potenzen im Menschen ins Bewußtsein ruft. „Auschwitz“ warnt den Menschen vor ihrer erneuten Aktualisierung, die keineswegs auszuschließen ist, wie die Erfahrung der jüngsten Geschichte zeigt (Bosnien-Herzegowina; Ruanda). Deshalb ruft Auschwitz nach der von den Propheten Israels und Jesus geforderten „Umkehr“, nach Ethik, nach der radikalen Hinwendung zum „Anderen“, wie sie der jüdische Philosoph E. Lévinas in seinen Werken fordert.15 Und „deshalb kann das Eingedenken, ,in dem wir die Quintessenz ihrer [der Juden] theologischen Vorstellung von Geschichte zu sehen haben‘ [W. Benjamin],16 nur als eine Kategorie des Ethischen verstanden werden“ (St. Mosès).17

— Nicht bloß im rassischen und politischen Antijudaismus, sondern auch im christlichen zeigte und zeigt sich „Auschwitz“ als innere Triebfeder, die sich als Vertreibungs und Tötungswille gegen die Juden äußerte, wie etwa in der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 oder in ihrer Ermordung, wie etwa im Fall der „Deggendorfer Gnad“ und in vielen anderen Fällen.18 Gerade auch bei Christen begegnet nicht selten die Neigung zur „Trivialisierung durch Vergleich“, etwa durch den Hinweis: Die Juden selbst handeln nicht anders an den Palästinensern! Natürlich begehen auch Juden Unrecht und Verbrechen — kein Jude wird das leugnen. Was aber im „Historikerstreit“ übersehen wurde, ist die Singularität und Unvergleichbarkeit Israels, da die Juden — was von keinem anderen Volk gilt — die bleibenden „Geliebten“ Gottes „um der Väter willen“ sind, der Israel für immer erwählt hat und dessen „Gnadengaben“ an Israel und dessen „Wahl“ „unreuig“ sind (Röm 11,28 f.).19 Gott revoziert die Erwählung Israels und den Bund mit ihm nie!20 Davon hätte die Christenheit schon immer Kenntnis nehmen sollen, statt die Juden, „unsere älteren Brüder“ (Johannes Paul II.), zu verfolgen und zu verachten und zu ihrer Vernichtung zu schweigen oder ihr gar zuzustimmen. Der Papst hat wiederholt den Antisemitismus als „eine Sünde gegen Gott und gegen die Menschheit“ bezeichnet! Welcher Katholik beichtete schon jemals diese Sünde? Das moralische Bewußtsein der Christen weist große Lücken auf.

— Auschwitz hat die Theodizeefrage in einer Schärfe wie nie zuvor aufbrechen lassen. Wo blieb Gott in Auschwitz, bei seinen „Geliebten“? Warum hat er ihre Vernichtung zugelassen? Antworten auf diese Fragen zu geben, ist kaum möglich, auch wenn das immer wieder versucht wird, sowohl von Juden als auch von Christen.21 Überhaupt zwingt uns Auschwitz zum Umdenken in der gesamten Theologie, zum Aufbau einer „Theologie nach Auschwitz“.22

— „Gedenkstätten sind Lernorte“ (so zu lesen in der FAZ vom 18. März 1994). Das oben Vorgelegte möchte das ins Bewußtsein bringen, damit wir Auschwitz und „Auschwitz“ nicht vergessen. „Das ist es, was wir angesichts Birkenau tun müssen: den Atem anhalten und warten, gemeinsam, um ein ganz klein bißchen die gebieterischste Stimme dieser Zeit zu vernehmen, diejenige einer Erinnerung, welche brennt und brennt, aber sich niemals verzehrt“ (E.Wiesel).

  1. Auschwitz und die „Auschwitz-Lüge“. Massenmord und Geschichtsfälschung (München 21994) 26.
  2. Vgl. Näheres dazu bei T. Bastian (s. Anm. 1) passim. Zu diesen Leugnungs- und Verharmlosungsversuchen gehören vor allem der sog. Leuchter-Report (dazu Bastian, 7+ff.) und Äußerungen des britischen Schriftstellers David Irving (dazu ebd. 81 f.), auf die sich z. B. der Fürther Oberstudienrat H.J. Witzsch berufen hat (dazu Nürnberger Zeitung, Nr. 158/94).
  3. Vgl. F. Mußner, Überlegungen eines Biblikers zum „Historikerstreit“, in: ders., Dieses Geschlecht wird nicht vergehen. Judentum und Kirche. Freiburg 1991. 115-120 (mit Literatur); H.U. Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit? Ein polemischer Essay zum Historikerstreit. München 1988.
  4. Chr. Meier, Vierzig Jahre nach Auschwitz. Deutsche Geschichtserinnerung heute. München 21990. Dazu noch L. H. Ehrlich, Fraglichkeit der jüdischen Existenz. Philosophische Untersuchungen zum modernen Schicksal der Juden. Freiburg 1993. (Ein wichtiges Buch!).
  5. Ebd. 7.
  6. Ebd. 9.
  7. J. B. Metz in: Orientierung 56 (1992) 205-207 (207).
  8. St. Mosès, Der Engel der Geschichte. Franz Rosenzweig. Walter Benjamin. Gershorn Scholem. Frankfurt/M. 1994. 106. Zu W. Benjamins Geschichtsphilosophie vgl. vor allem auch R. Konersmann, Erstarrte Unruhe. Walter Benjamins Begriff der Geschichte. Frankfurt/M. 1991.
  9. A. a. O. (s. Anm. 8) 20.
  10. Vgl. dazu F. Mußner, Implikate der Parusie des Herrn, in: H.J. Klauck (Hg.), Weltgericht und Weltvollendung. Zukunftsbilder im Neuen Testament (QD 150). Freiburg 1994. 225-231.
  11. Philosophie des Rechts, § 347, zitiert bei St. Mosès, Der Engel der Geschichte (s. Anm. 8). 62 f.
  12. Ebd. 65.
  13. Vgl. dazu die Übersicht bei T. Bastian (s. Anm. 1) 24; ferner W. Benz (Hg.), Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991; F. Piper, Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Aufgrund der Quellen und der Erträge der Forschung 1945-1990 (Oswiecim 1993) (mit reichen Literaturhinweisen). Hingewiesen sei hier auch auf den erschütternden Photobildband von A. Bujak, Auschwitz-Birkenau (mit Beiträgen von E. Wiesel, Kardinal Lustiger, R. Süssmuth und W. Bartoszewski). Freiburg 1989. (Dazu F. Mußner, Den Atem anhalten und warten, in: Anzeiger für die Seelsorge 1990, Heft 7, 266.)
  14. A. a. O. (s. Anm. 1) 99, Anm. 85.
  15. Zu E. Lévinas‘ Philosophie vgl. den Forschungsbericht von T. Habbel, Emmanuel Lévinas: Philosophie im Angesicht des Anderen, in: ThRev 90 (1994). 187-200; dazu noch H. H. Henrix (Hg.), Verantwortung für den Anderen und die Frage nach Gott. Zum Werk von Emmanuel Lévinas. Aachen 1984.
  16. Gesammelte Schriften I/3, 1252.
  17. Der Engel der Geschichte (s. Anm. 8) 157. Vgl. auch L. H. Ehrlich, Fraglichkeit der jüdischen Existenz (s. Anm. 4) 275297 („Erinnerung und An-Denken“).
  18. Vgl. M. Eder, Die „Deggendorfer Gnad“. Entstehung und Entwicklung einer Hostienwallfahrt im Kontext von Theologie und Geschichte (Deggendorf/Passau 1992); dazu F. Mußner in: Anzeiger für die Seelsorge. 1993, Heft 10, 465 f.
  19. Dazu vgl. den ausgezeichneten Kommentar von M. Theobald, Römerbrief, Kapitel 1-11. Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 6/1. Stuttgart 1992. 296 ff.
  20. Vgl. F. Mußner, „Der von Gott nie gekündigte Bund“. Fragen an Röm 11,27, in: ders., Dieses Geschlecht wird nicht vergehen (s. Anm. 3) (mit Hinweis auf weitere Literatur in der Anm. 24).
  21. Vgl. dazu etwa das hervorragende Werk von R. Ammicht-Quinn, Von Lissabon bis Auschwitz. Zum Paradigmawechsel in der Theodizeefrage. Fribourg/Freiburg/ Wien 1992 (mit umfassender Literatur). Für den katechetischen Bereich vgl. F. Mußner, Katechese nach Auschwitz, in: H.F. Angel/U. Hemel (Hg.), Basiskurse im Christsein. FS für W. Nastainczyk. Frankfurt/M./Bern/New York/Paris 1992. 434-439; G. Niekamp, Christologie „nach Auschwitz“. Kritische Bilanz für die Religionsdidaktik aus dem christlich-jüdischen Dialog. Freiburg/Basel/Wien 1994.
  22. Vgl. dazu etwa F. Mußner, „Theologie nach Auschwitz“. Versuch eines Programms, in: ders., Dieses Geschlecht wird nicht vergehen (s. Anm. 3) 175-184 (erscheint erheblich erweitert in der Zeitschrift „Kirche und Israel“).
Kein Antisemitismus, keine Feindseligkeit gegenüber dem Judentum, keine Verurteilung jüdischer Menschen kann sich auch nur im geringsten auf christliche Motive berufen. Der christliche Glaube fordert uns vielmehr heraus, immer tiefer die Werte des Judentums zu verstehen, uns der gemeinsamen Wurzel des Glaubens an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs bewußt zu sein — den Christus voraussetzt — und uns mit ganzer Kraft um ein brüderliches Verhältnis zwischen Christen und Juden zu bemühen. Gemeinsam sind wir mit allen Menschen guten Willens vor die Aufgabe gestellt, zu verhindern, daß Menschen irgendwo in der Welt wegen ihrer religiösen, rassischen, nationalen oder politischen Zugehörigkeit zu leiden haben.

Kardinal Franz König

aus: Osservatore Romano. Wochenzeitung in deutscher Sprache. 24.7.1987.

Jahrgang 2/1995 Seite 12



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