Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Archiv Neue Folge > 1993/94 > 213  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Archiv Neue Folge
1993/94
1995
1996
1997
1998
1999
2000
PDF-Dateien ab 2001

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version
Marcus, Marcel; Stegemann, Ekkehard W.; Zenger, Erich (Hg.)

Israel und Kirche heute

Beiträge zum christlich-jüdischen Gespräch. Für Ernst Ludwig Ehrlich. Herder, Freiburg 1991. 439 Seiten.

Ein überfälliger Dank
Es gibt Menschen, denen eine Festschrift zu dedizieren nicht nur überfälige und erfreuliche Dankbarkeit zeigt. Auch viele Leser gewinnen durch den Geburtstag und eine damit publik gewordene Ehrung, die den Reichtum eines Lebenswerkes offenbart, die in den Antworten der Wegbegleiter vorliegt.

Der Berner Rabbiner M. Marcus, der Baseler Neutestamentler E. Stegemann und der Münsteraner Alttestamentler E. Zenger haben Initiative und Herausgeberschaft übernommen, um ein aktuelles Kompendium zum jüdisch-christlichen Dialog zu schreiben. Wie vielfältig die Kontakte und Kooperationen Ernst Ludwig Ehrlichs in Europa waren, zeigt die (40 Namen umfassende) Liste derer, die zum 70. Geburtstag auf die lebendige Begegnung mit E. L. Ehrlich und seinem reichen Lebenswerk antworten. Hier wird ein jüdischer Forscher und Lehrer, ein Botschafter und Theologe und nicht zuletzt ein kritischer Zeitgenosse geehrt, der in allem auch ein Josel von Rosheim im 20. Jahrhundert war: Ein intellektueller und praktischer Fürsprecher und Interpret der Juden und ihrer lebendigen Traditionen in Europa nach der Schoa.

Daß es zu einer Neubegegnung zwischen Juden und Christen auf Kirchen und Katholikentagen, in Studienkommissionen, in neuen Forschungs- und Lehrschwerpunkten kam, die sich auf die öffentliche Diskussion, auf Schulbücher und das öffentlich Reden der Kirche auswirkten, ist nicht zuletzt E. L. Ehrlich zu danken. Die Festschrift zeigt die Themenschwerpunkte.

Wer die theologischen und historischen Aufsätze sowie die persönlichen Notate liest, findet ein wissenschaftliches und praktisches Arbeitsprogramm auch für die Zukunft: Eine neue Lektüre der jüdischen Bibel, die, nur mit einer christlichen Hermeneutik gelesen, die Juden oft enteignete und die Christen theologisch (nicht an Macht!) verarmen ließ.

Gottesdienst und Gottesverständnis, zur Geschichte der Juden in deutschsprachigem Raum, in Philosophie und Theologie oder in der Alltagswelt, das Verhältnis von Diaspora und Israel, das sind informative und inspirierende Beiträge.

Was Peter Levinson, E. L. Ehrlichs Mitabiturient 1940 in seiner Abiturrede in Berlin ausdrückte, gilt auch für dieses Buch, das nicht l‘art pour l‘art vorstellt, sondern eine Lebensaufgabe: „. . . helft einmal alle mit, diese Flamme des Geistes in die Welt zu tragen, helft uns in unserem großen Kampf, leben zu bleiben trotz allem, af gan sot, dann wird auch wieder einmal das Glück für unser Volk kommen . . . !“

Martin Stöhr


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 298-299



top