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Beck, Wolfgang (Hg.)

Die Juden in der europäischen Geschichte

Sieben Vorlesungen von Saul Friedländer, Amos Funkenstein, Eberhard Jäckel, Michael A. Meyer, Jehuda Reinharz, David Sorkin, Shulamit Volkov. Mit einer Einleitung von Christian Meier. C. H. Beck, München 1992. 158 Seiten.

Zwischen Februar 1991 und Juli 1992 hielten sieben international angesehene Historiker öffentliche Vorlesungen an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zur Geschichte der Juden in Europa vom Mittelalter bis heute. Das Buch dokumentiert diese Vorlesungen und gibt Christian Meier recht, der in der Einleitung schreibt: „Wie fremd ist uns noch heute die innerjüdische Perspektive“ dieser Geschichte und wie wichtig ist es gerade nach dem Holocaust, diese innerjüdische Perspektive erneut zu betrachten.

Dies geschieht durch die einzelnen Beiträge dieses Buches. Es beginnt mit der eigenartigen „Konfrontationskultur“ zwischen Christen, Juden und Muslimen im Mittelalter, der gegenseitigen „Haßliebe“ bzw. Gleichgültigkeit (Amos Funkenstein). Es zeichnet das Bild der Toleranzphase während der Aufklärung und dem dadurch entstehenden Problem der Assimilation und Identitätsfindung des modernen Judentums (David Sorkin, Michael A. Meyer). Es weist auf die innerjüdischen Auseinandersetzungen hin, die im Zeitalter der Emanzipation die Juden Europas in orthodoxe, liberale und nationale Juden zersplitterte und die zionistische Bewegung entstehen ließ (Shulamit Volkov, Jehuda Reinharz). Deutlich wird ebenso die ständige Gefahr des Antisemitismus und das Bemühen des Judentums, dieser Gefahr zu entgehen, auch auf Kosten der eigenen Identität.

Der erste und letzte Beitrag der Vorlesungsreihe befassen sich gleichsam als Rahmenthema mit dem Trauma des Holocaust. Eberhard Jäckel geht dabei auf den „Historikerstreit“ ein und versucht die Einzigartigkeit der Judenvernichtung zu verdeutlichen, was sich unter anderem in den verschiedenen Versuchen dokumentiert, diesem Geschehen einen Namen zu geben. Der letzte Beitrag von Saul Friedländer geht auf das Problem der Geschichtsschreibung über den Holocaust ein, auf die Gratwanderung zwischen Sachlichkeit und Emotion, auf die sich der Historiker bei diesem Kapitel europäischer Geschichte zu begeben hat.

Herbert Winklehner


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 290-291



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