Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Archiv Neue Folge > 1993/94 > 196  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Archiv Neue Folge
1993/94
1995
1996
1997
1998
1999
2000
PDF-Dateien ab 2001

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Ad multos annos

Helga Croner zum Achtzigsten Geburtstag

Seit über 20 Jahren wohnt sie an der West End Avenue in Manhattan, New York. Ehemals gehörte sie zum Kreis um Hannah Arendt, Martin und Lotte Beradt und andere Exil- und Auswandererpersönlichkeiten in den USA. Heute ist sie die verbindende Adresse für jüdische und christliche Freunde und Freundinnen, die sich dem Dialog zwischen Juden und Christen verschrieben haben. Rabbi Leon Klenicki von der Anti-Defamation League und die beiden Paulist-Patres Lawrence Boath und Kevin A. Lynch bilden mit ihr zusammen den Kern dieser Gruppe. Helga Croner gründete 1975 die „Stimulus-Foundation“, eine „not-for-profit-organization“, die „Ansporn-Bücher“ (stimulus books) herausgibt. Es sind dies wissenschaftliche und volksbildnerische Werke über jüdische und christliche Themen, die zu besseren Erkenntnissen und zur Verbesserung der Atmosphäre zwischen Juden und Christen beitragen sollen. Alle Bücher — bisher sind es zwanzig — erschienen in der Paulist Press, Mahwah, New Jersey. 1977 gab Helga Croner als erstes Stimulus Buch (im Alleingang) eine englische Übersetzung aller wichtigen kirchlichen Dokumente aller christlichen Konfessionen heraus, die zwischen 1961-1975 erschienen waren. Dieses Buch ist leider vergriffen. Im Jahre 1985 folgte die Fortsetzung. Unter dem Titel „More Stepping Stones to Jewish-Christian Relations“ edierte sie auf englisch alle kirchlichen jüdisch-christlichen Dokumente aus den Jahren 1975-1983. Einige weitere Titel werden hier selektiv aufgezählt: Christian Mission / Jewish Mission (ed. Martin A. Cohen / Helga Croner 1992); Biblical Studies, Meeting Ground of Jews and Christians (1985); Voices from Jerusalem, Jews and Christians Reflect on the Holy Land (ed. David Burrell and Yechezkel Landau 1991); Toward a Theological Encounter, Jewish Understanding of Christianity (ed. Leon Klenicki 1991); Pain and Polemic, Anti-Judaism in the Gospels (ed. George M. Smiga 1992); Shekhinah / Spirit, Divine Presence in Jewish and Christian Religion (ed. Eugene Fisher 1993); Interwoven Destinies, Jews and Christians Through the Ages (ed. Eugene Fisher 1993, vgl. FrRu NF 1-1993/94, 54 f.).

Der Verfasser dieser Glückwunschzeilen ist dankbar dafür, daß die am 8. Mai 80jährig gewordene, geistig rüstige Helga Croner seine „Christliche Theologie des Judentums“ 1980 persönlich ins Englische übersetzt hat.

Auch zwei andere Bücher, an denen er als Herausgeber beteiligt war, nahm sie in die Stimulusreihe auf: Understanding Scripture, Explorations of Jewish and Christian Traditions of Interpretation (1987); sowie: Parable and Story in Judaism and Christianity (1989).

Daß Helga Croner sich einmal ganz und gar der jüdisch-christlichen Aussöhnung widmen würde, wurde ihr nicht an der Wiege gesungen. Als Helga Broder wurde sie am 8. Mai 1914 in Berlin in einer jüdischen Familie geboren und verbrachte dort auch ihre jungen Jahre bis 1938. Darauf folgte die Flucht nach England. Dort heiratete sie Ulrich Croner. Die beiden bauten in England ein Verlagsgeschäft auf, die Croner Publications, das heute noch ca. 50 Angestellte beschäftigt. 1948 wanderten sie in die USA aus. 1965 konvertierte Helga Croner zum Katholizismus unter dem Einfluß von Pater Paulus Gordan OSB und von Johannes Oesterreicher (vgl. FrRu NF 1-1993/94, 68 ff.).

Wir wünschen der achtzigjährigen Jubilarin noch viele Jahre in Gesundheit, Schaffenskraft und Lebensmut und hoffen mit ihr, daß ihre Saat reichlich aufgehen wird.

Clemens Thoma


Ad multos annos: Alfons Deissler: Achtzigster Geburtstag

Am 2. April 1994 feierte der emeritierte Professor für Altes Testament (Alttestamentliche Literatur) an der Universität Freiburg i. Br. Prälat Alfons Deissler seinen 80. Geburtstag.

Deissler kommt aus Mittelbaden (Weitenung unweit von Baden-Baden), einer bodenständig katholischen Region.

Nach seiner Priesterweihe 1939 mußte Deissler als Sanitäter den Zweiten Weltkrieg mitmachen. Nach Kriegsende wurde er Repetitor am Collegium Borromaeum in Freiburg, anschließend studierte er am „Institut Catholique“ in Paris u. a. beim berühmten Alttestamentler André Robert. Deissler übernahm 1951 den Lehrstuhl seines Vorgängers Arthur Allgeier und behielt diese Aufgabe bis zu seiner Emeritierung 1982. In diese Zeit fällt auch Deisslers Tätigkeit bei der päpstlichen Bibelkommission von 1973-1981. Die Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift 1980 nennt Deissler unter den Übersetzern.

In der Festschrift zu Deisslers 75. Geburtstag „Der Weg zum Menschen“ (Herder) sind 20 Monographien und fast 70 Aufsätze und Artikel Deisslers verzeichnet. Sie zeugen von einem reichen geistigen Schaffen besonders auf den Forschungsgebieten Propheten (mit M. Delcor, Les Petits Prophètes I, 1961, Die Neue Echterbibel, Zwölf Propheten 1981-1988) und Psalmen (1964). Deissler hat den bekanntesten deutschsprachigen Psalmenkommentar geschrieben. Das Werk ist inzwischen ein Klassiker. Einen herausragenden Platz nimmt Deisslers „Die Grundbotschaft des Alten Testaments“ (1972, heute in 10 Auflagen) ein. In seiner eher zurückhaltenden Art hat Deissler für das christlich-jüdische Gespräch dennoch einen unvergänglichen Beitrag geleistet, indem er in mehr als 30 Jahrgängen in den jungen Theologinnen und Theologen den Respekt und auch die Begeisterung für das sog. Alte oder Erste Testament weckte — die Juden und Christen gemeinsame Bibel.

Deissler ließ niemals einen Zweifel daran, daß er treu zu seiner katholischen Kirche stand, gleichzeitig sprach er von der Offenbarung und Schriftinspiration, die in der ganzen Heiligen Schrift stattgefunden hat, und die von der Kirche entgegengenommen werden muß, wobei die Kirche nur die vom Irrtum freihaltende assistentia des Heiligen Geistes besitzt.

Deissler wollte nach seinen eigenen Worten sich darum bemühen, „daß im Menschenwort der Bibel Gott selbst uns anredet“. Deisslers berühmter evangelischer Kollege Claus Westermann bescheinigte ihm solide, wissenschaftlich verläßliche Kennerschaft in Wort und Schrift, doch geht es Deissler darüber hinaus darum, bei seiner Leser- und Zuhörerschaft den „Auftreffwinkel“ zu finden, womit sich die Botschaft der Heiligen Schrift erst jedem Menschen erschließt. Deissler hat in einer bis heute viel zu wenig beachteten, wissenschaftlichen Anspruch heischenden Art der Schrifterschließung die viel bekrittelte historisch-kritische Exegese mit der praktischen Theologie, besonders der Predigt und der Religionspädagogik verschmolzen. Im Gegensatz zu manch anderen aus der Zunft der Alttestamentler macht Deisslers wissenschaftlich verantworteter Umgang mit dem Gotteswort der Bibel zum Dialog mit jedem bibelgläubigen Menschen fähig.

Alwin Renker


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 228-230


top