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Berichte

Ein interuniversitäres Institut in Aix-en-Provence

Bereits im Jahr 1979 reifte der Plan zur Gründung eines interuniversitären „Instituts für jüdische Studien und Kultur“ im Rahmen der Universität. Nach siebenjähriger Vorbereitung wurde am 6. März 1986 ein entsprechender Vertrag in Marseille unterzeichnet. Dem Institut mit Sitz in Aix-en-Provence gehören aus der südfranzösischen Region „Provence — Alpes — Côtes d‘Azur“ die Universitäten Aix — Marseille I-II-III, Nice, Avignon und Toulon an. Die Besonderheit des Unternehmens, in seiner Art einzig in Frankreich besonders im Hinblick auf die Anzahl der beteiligten Universitäten, und die kulturell-wissenschaftliche Zielsetzung führten dazu, daß das Projekt örtlich, regional und auch vom Staatspräsidenten gefördert wurde. Finanziert wird es vom Ministerium für Kultur und Erziehung (Paris), der Regionalverwaltung und den Kommunen.

Begonnen wurde mit einem Magister der Geschichte des Judentums, dem 1991 ein Magister der jüdischen Philosophie folgte. Ab dem Studienjahr 1992-93 gibt es dann ein „Interuniversitäres Diplom für jüdische Studien“, erwerbbar nach einem zweijährigen Studium. Ziel ist der Ausbau zu einem eigenständigen Diplom („D.E.U.G.“) und einem Staatsexamen („licence“) für jüdische Studien, die auch nationale Anerkennung finden sollen. Zu erwähnen ist ebenfalls die neue Bibliothek, deren Grundstock eine größere private Bücherstiftung aus einem Nachlaß und Werke aus den Büchereien der beteiligten Universitäten bilden.

Das Institut, im Studienjahr 1992-93 von 500 Studenten und Gasthörern besucht, will neben seinem wissenschaftlichen Angebot, das durch Abendvorträge und interdisziplinäre Seminare ergänzt wird, auch den Forschern helfen, die sonst zu oft auf sich allein gestellt und isoliert sind, sowie sich einem breiteren Publikum öffnen, ob Angehöriger der starken regionalen israelitischen Gemeinde oder nicht, das sich immer zahlreicher für jüdische Kultur interessiert.

Die Anschrift: Institut Interuniversitaire d‘ Etudes et de Culture Juives, 15, avenue Camille Pelletan, Bât A, F-13090 Aixen-Provence.

Joseph Scheu


Treffen des amerikanischen und europäischen Judentums

Vom 07.-09.02.1994 trafen sich ca. 250 Vertreter der jüdischen Gemeinschaften aus der ganzen Welt in Washington zur Begegnung mit der amerikanischen Verwaltung zur Behandlung aktueller Fragen und zur regionalen Tagung des Latin American und des European Jewish Congress (EJC). Es kam zu Begegnungen auf höchster Ebene mit Präsident Bill Clinton, Vizepräsident Al Gore und Außenminister Warren Christopher. Das drückt den hohen Stellenwert aus, der Israel in der amerikanischen Politik zugemessen wird.

Im Mittelpunkt der aktuellen jüdischen Frage stand der Friedensprozeß in Nahost. Ein ebenfalls wichtiges Thema war die Bekämpfung des Antijudaismus. Was sowohl Präsident Bronfman und andere als den Mittelpunkt ihrer Arbeit für die Zukunft sahen, ist das, was in Amerika als „Jewish continuity“ bezeichnet wird. Das heißt, es soll die Assimilierung der Juden weltweit gebremst werden, anderenfalls werde die Substanz des Judentums schwinden. Dagegen gebe es nur ein Mittel: jüdische Erziehung, Reaktivierung jüdischer Werte und Mobilisierung der Jugend. Red.


„Schindlers Liste“

Oskar Schindler, der Judenretter, war ein Lebemann, der es verstand, auch die Nazis für seine Pläne einzuspannen, immer mit der Angst im Nacken, selbst in ein KZ zu kommen. Dennoch bleibt es Tatsache, daß er menschlich gehandelt hat, wo andere untätig blieben. So konnte er mehr als 1200 Juden das Leben retten. Schindler wurde 1908 in Zwittau (Mähren) geboren und starb am 9. Oktober 1974 in Hildesheim. Begraben ist er auf dem Zionsberg in Jerusalem, nicht wie er es sich wünschte, unter „seinem Baum“ in Yad Vashem.

Propst Dieter Trautwein „entdeckte“ Schindler in seiner Wohnung in Frankfurt und erfuhr von ihm und von geretteten Juden einiges aus seinem Leben. Gerettete Juden aus der ganzen Welt standen Schindler nach dem Krieg mit Rat und Tat zur Seite, als er mit wenig Glück in bescheidenen Verhältnissen leben mußte. Schindler betonte gegenüber Trautwein, daß er allein das niemals hätte schaffen können, wenn da nicht seine Frau gewesen wäre und die Hilfe von bedeutenden und weniger bedeutenden Leuten, von Helfern in Amtern, die ihm willfährig waren, weil sie z. B. nicht an die Front wollten.

Nicht zu vergessen: Oskar Schindlers Reise nach Budapest in einem Waggon, vergraben unter Ausgaben des „Völkischen Beobachters“, um dort der jüdischen Gemeinde authentisch mitzuteilen, was in den Konzentrationslagern geschieht.

Die verschiedenen bekannt gewordenen Geschichten über Schindler rechtfertigen es, ihn als einen beherzten Retter von Juden in der NS-Zeit zu bezeichnen. Der Film „Schindlers Liste“ zwingt den Kinobesucher, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, in der Schindler eine exponierte Stellung eingenommen hat.

Red.


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 225-227



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