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Halter, Marek

Abraham, Wege der Erinnerung.

Kübler und Akselrad, Heidelberg. 618 Seiten.

Präsident Mitterand sagte von diesem Buch: Man kann sich nur verbeugen vor diesem Werk. Er meinte wohl nicht den Umfang, sondern vielmehr die dichterische Vision, die die Treue dieses jüdischen Stammes von Tora-Schreibern erleben läßt. Marek Halter, Maler, Schriftsteller, Nachkomme einer generationenlangen Reihe von Schreibern, Ankläger gegen Klaus Barbie in Lyon, ist vor allem Kämpfer für das gegenseitige Verständnis der Religionen und Völker. Er verfolgt in diesem Buch seinen Ursprung zurück bis ins Jahr 70, der Zerstörung des Tempels und der

Flucht der Juden aus Jerusalem. Bis hinab zum Mittelalter findet er tatsächlich Spuren seiner Familie, weiter zurück erfindet er die Wege. Vor uns erstehen auf lebendigste Weise Wanderungen, Niederlassungen, Verfolgungen und Pogrome, glückliche tolerante Zeiten, herzzerreißender Kummer um Abtrünnige vom alten Glauben, Tod und Liebe, Tapferkeit und Feigheit.

Wir lernen nicht nur sehr viel über das Leben einer jüdischen Familie und die Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte, sondern vor allem über die unbedingte Treue zu Gott.

Diese Treue überdauert alle grausamen Widrigkeiten, noch zuletzt im Getto von Warschau, wo Marek Halters Großvater stirbt. Er selber und sein Vater, Zeitungsdrucker, also immer noch in der Linie der Schreiber, flüchten aus dem Getto nach Rußland, kommen nach dem Krieg zurück und graben zusammen die vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen unter einem Baum vergrabenen jiddischen Bleilettern wieder aus, mit denen die erste jiddische Nachkriegszeitung gedruckt werden kann. Die Tradition der „Schreiber“ ist gerettet.

Das ist die Botschaft dieses Buches: das Weiterführen der Tradition in der Treue zum Glauben. Eine hoffnungsvolle Botschaft.

Eva Auf der Maur


Jahrgang 1 / 1993/94 Seiten 144-145


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