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Clemens Thoma

Unser Motiv — unsere Aufgabe

Die Ähre, die Juden und die Christen

Die Ähre des Freiburger Rundbriefs © 1993 FrRuDas Symbol der Neuen Folge des Freiburger Rundbriefs ist eine Ähre. Sie prangt auf dem Umschlagblatt jeder neuen Nummer und soll unsere Identität, die jüdisch-christliche Begegnung samt ihren geschichtlichen Hintergründen, sowie die heutige Weltsituation mit ihren Bedrohungen und Hoffnungen andeuten. Zusammen oder abwechselnd mit ihren Produkten — den Körnern, dem Mehl und dem Brot — wurde die Ähre in der jüdischen und in der christlichen Tradition häufig als Symbol verwendet, um Erwählung, Hoffnung und Abgrenzung gegen andere Bewegungen auszudrücken.

Auch heute scheint sich die Ähre gut als Merkzeichen der identitätsstiftenden jüdisch-christlichen Bemühungen zu eignen. Sie trägt Wachstum und Hoffnung in sich. Jedenfalls ist sie solchen Symbolen vorzuziehen, die der jüdisch-religiösen Mentalität unangenehm in die Quere kommen. Frau Dr. Gertrud Luckner war daher schon zu Zeiten des „alten“ Rundbriefs sehr zögerlich, wenn es um christlich-jüdische Verbindungs- und Begegnungssymbole ging. Schließlich — ab dem 30. Jahrgang (1978) — wählte sie zwei sich umarmende Frauen als Signet des Rundbriefes. Die Idee dazu stammte aus einer karolingischen Handschrift (Stuttgarter Psalter), in der Maria, die Mutter Jesu, und Elisabet, die Mutter Johannes des Täufers, bei ihrer Umarmung dargestellt sind. Darunter wird im Stuttgarter Psalter Ps 84,11 zitiert: „Barmherzigkeit und Wahrheit begegnen sich, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküßt.“ Die beiden ehrwürdigen Frauen sollten in ihrer herzlichen Umarmung die innige Zusammengehörigkeit von Altem und Neuem Testament darstellen und ein neues Verstehen zwischen dem jüdischen Volk und dem Volk der Kirchen fördern.

Dieses Symbol erwies sich aber bald als zu fremd, zu vieldeutig und zu kompliziert. Es hatte dementsprechend keine lange Lebensdauer. In den letzten Nummern des FrRu tauchte es nicht mehr auf.

Unser neues Symbol — eben die Ähre — ist jüdisch und christlich annehmbar. Es vermischt nichts, was nicht zusammengehört. Es bedarf aber besonderer historischer Begründung, damit es nach allen Seiten hin leuchten kann.

1. Ein rabbinisches Gleichnis und seine Interpreten

Im großen Genesis-Midrasch (BerR 83,5) findet sich das Gleichnis vom Weizen und von der Spreu. Ein Christ, eine Christin werden beim Lesen dieses rabbinischen Gleichnisses an den „Täuferspruch“ (Mt 3,12) und an das neutestamentliche Gleichnis vom Unkraut mitten unter dem Weizen (Mt 13,24-30.36-43) erinnert. Im Gegensinn würden auch jüdische Leserinnen und Leser des neutestamentlichen Weizen-Unkraut-Gleichnisses Assoziationen mit dem rabbinischen Weizengleichnis herstellen. Das rabbinische Gleichnis, das es hier darzustellen gilt, ist eigenständig und faßt das gläubig-jüdische Selbstverständnis sowie die Gefährdungen und die Hoffnungen des jüdischen Volkes zusammen. Der anonyme Verfasser, der im 5. Jh. n. Chr. lebte, ließ sich vom Hohenlied (7,3) inspirieren: Dort sagt der Bräutigam zu seiner Geliebten: „Dein Schoß ist ein von Lilien umgebener Weizenhügel.“ Dies war die Veranlassung für das Gleichnis:

Womit ist das zu vergleichen? Mit dem Stroh, der Spreu und den Stoppeln. Sie führten einen Rechtsstreit gegeneinander. Ein jedes sagte: Um meinetwillen ist das Feld besät worden. Da sagte der Weizen zu ihnen: Wartet, bis die Dreschzeit kommt. Dann werden wir wissen, um wessentwillen das Feld besät worden ist.

Die Dreschzeit kam. Und als sie in die Scheune eingefahren wurden, kam der Hausherr, um zu worfeln. Die Spreu verflog im Wind. Der Hausherr nahm die Stoppeln und warf sie auf den Boden. Er nahm das Stroh und verbrannte es. Er nahm den Weizen und machte daraus einen Hügel. Die Leute gingen daran vorbei, und jeder, der ihn sah, küßte ihn.

So die Weltvölker! Ein jedes sagte: Wir sind Israel, und unseretwegen ist die Welt erschaffen worden. Da sagte Israel zu ihnen: Wartet bis der Tag des Heiligen, gelobt sei er, kommt. Dann werden wir wissen, um wessentwillen die Welt erschaffen worden ist. Das ist es, was geschrieben steht: ,Du worfelst sie, und der Wind verweht sie' (Ps 41,16). ,Siehe der Tag kommt, wie ein brennender Ofen, da werden die Frechen und die Frevler zu Stroh' (Mal 3,19). Aber über Israel wird gesagt: ,Du aber jubelst über den Ewigen; du rühmst dich des Heiligen Israels' (Jes 41,16). ,Küßt den Herrn, damit er nicht zürnt` (Ps 2,11 f)!"

Das Gleichnis setzt zwei Phasen der Ernte voraus. In der ersten Phase ist das Feld abgeerntet, und die reifen Weizengarben liegen bereit zum Transport auf die Tenne. Diese Garben enthalten das Wurzelwerk samt den untersten Stängelteilen, die ganzen, bereits dürren Stängel, die Ährenhülsen und die Weizenkörner. In dieser Wartezeit streiten die Stoppeln, das Stroh und die Spreu miteinander; jedes will das Feld um seinetwillen besät wissen. Die Weizenkörner dagegen streiten nicht direkt, sondern weisen auf eine zukünftige Entscheidung hin. Die zweite Phase ist die Dreschzeit. In ihr zeigt sich, daß das Feld nur um der Weizenkörner willen besät worden ist. Alles übrige wird zerstreut, zerstampft oder verbrannt. Die Weizenkörner allein werden vom Hausherrn und von den Vorübergehenden hochgeschätzt. Von Unkraut ist nicht die Rede.

Das Gleichnis vom Weizen und von der Spreu ist der Jotamfabel Jdc 9,7-15 nachempfunden. In ihr geht es um eine lächerliche und falsche Königswahl. Der wahre König wird nicht in den Streit hineingenommen. Der rabbinische Gleichniserzähler hat noch andere rabbinische Stellen vor sich gehabt. In TanB (II 104 f.) wird Hld 7,3 mit Ex 30,12 verbunden. ,Dein Schoß ist ein von Lilien umgebener Weizenhügel' wird auf Israel bezogen. Das Volk Gottes sei ein Haufen von Weizenkörnern.

„Resch Laqisch sagte: Weshalb wird Israel mit Weizenkörnern verglichen? Wie die Weizenkörner nach Maß in die Höhe hinauf gelangen, so gelangen die Israeliten gezählt ins Land Israel hinauf: die Ältesten, die Frommen und die Weisen. Und ganz Israel geht gezählt ins Land Israel hinauf Rav Idi sagte: Aber ist denn ein Haufen von Pinienäpfeln nicht schöner als ein Weizenhaufen? Die Welt kann nicht mit Pinienäpfeln bestehen, sie kann aber aufgrund von Weizen bestehen.“

Den Fokus des Gleichnisses bilden die Weizenkörner, die vom Hausherrn aufgehäuft und von den Vorübergehenden geküßt werden. Der Rahmen wird von Spreu, Stroh und Stoppeln gebildet, die sich mit ihrer Wichtigkeit brüsten, dann aber zerstreut, zerstampft oder verbrannt werden.

Die erste Phase der Gleichniserzählung bedeutet die historische Zeit, in der irgendwelche Völker sich die Erwählung Israels anmaßen und darüber miteinander grund- und sinnlos streiten. Sie behaupten, sie seien das Ziel des Schöpferwirkens Gottes. Israel verhält sich in diesem Streit ruhig. Es weiß, daß es der Weizen ist, um dessentwillen die Welt erschaffen worden ist. Es spielt seine Erwählung aber vor den Völkern nicht aus, sondern verweist auf die Klärung der Streitfrage am Ende der Zeiten durch den richtenden Gott. — Mit der zweiten Phase, der Dreschzeit, ist die Zeit der eschatologischen Entscheidung gemeint, in der Gott über Israel und die Völker richten wird. Dann wird sich zeigen daß die Welt nur um Israels willen geschaffen worden ist. Das heißt: Israel ist allein erwählt und wird allein gerechtfertigt und in der Herrlichkeit von den Engeln geliebt werden. Mit den Vorübergehenden, die den Weizen küssen sind wohl die Engel gemeint, die Israel wegen seiner Erwählung nach dem endzeitlichen Gericht Gottes preisen. Die Verwerfung und Vernichtung der feindlichen Völker, die sich die Israel-Würde angemaßt haben, ist das Gegenstück zur Erwählung Israels, gleichsam die Kehrseite der Medaille.

Der israelische Bibelwissenschaftler Jakob Licht schrieb vor vier Jahren in der Zeitschrift Judaica einen eindrucksvollen Artikel über das Geschichtsdenken in der Bibel und im Judentum.[1] Die jüdische und die abendländisch-christliche Geschichte sei eine „Weizenzivilisation“, zu deren Charakteristiken eine „große Liebe zu den Ursprüngen“ (Philaitia) gehöre. Brot aus Weizen und anderen Getreidearten bilde die Grundnahrung „von Taschkent bis San Francisco und vom Atlas bis zum Nordkap“ (208). Dieser Weizenzivilisation stehe die Reiszivilisation des Fernen Ostens gegenüber. Wenn die Menschen der „Weizenzivilisation“ nur schlechtes oder gar kein Brot bekommen, dann fühlen sie sich unbehaglich und erinnern sich an das gute Brot und das damit zusammenhängende Wohlbefinden früherer Tage und Zeiten. Es ist überhaupt für Juden und Christen typisch, daß sie stets an Früheres und Ursprüngliches denken, um ihre momentane Lage verstehen zu können. Vom Früheren her wissen sie um ihre gute Ausgangslage, die sie als Erwählung durch Gott und als Verpflichtung für verantwortliches Handeln verstehen. Gutes Brot und gute Zukunft gibt es nur, wenn sie ihren Ursprüngen gemäß leben. Jakob Licht blättert in seinem Aufsatz die ganze Bibel durch und findet seine These fast auf allen Seiten der Heiligen Schrift bestätigt. Er hängt seine philosophischen und hermeneutischen Gedankengänge an einer Story auf:

Eine israelische Reisegruppe kehrte neulich von einer Fernostreise zurück. Auf der letzten Station, im Athener Flughafen, bekam die Gruppe endlich wieder gutes duftendes Brot vorgesetzt. Da merkte sie, daß sie bereits wieder in heimatlichen Gefilden war, obwohl sie das griechische Ausland immer noch umgab. Das Brot erinnerte sie an ihre eigene Ernährungs- und Lebensbasis. Nach der Landung in Tel Aviv lud ein Teilnehmer die übrigen bei sich zu Hause ein und setzte ihnen gutes duftendes Brot vom Bäcker (nicht vom Supermarkt) vor. Der sonst religiös nicht mehr praktizierende Mann sprach vor allen Gästen die traditionelle Berakha über das Brot: „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! Er bewirkt, daß Brot aus der Erde herauswächst“ (bBer 35a). Dann verteilte er das Brot unter alle. Alle erahnten nun ihre Ursprünge, die Bedingungen und Verantwortlichkeiten ihres Lebens und die Erwählung durch Gott.

Jakob Licht hat mit seinem Aufsatz dem rabbinischen Gleichnis vom Weizen und der Spreu indirekt einen aktuellen Sinn gegeben. Er ist nicht der einzige Interpret dieses Gleichnisses. Vor ihm hat dies schon der prophetische Kabbalist Abraham Abulafia (1240-1291) mit seiner Erzählung von der verlorenen Perle getan. Auch Lessing gehört mit seinem „Nathan der Weise“ zu den Interpreten. Dasselbe gilt für Joseph Roth (1894-1939) und seinem Gleichnisroman „Leviathan“.[2] Licht hat aber einen Punkt deutlicher als alle seine Vorgänger herausgestellt: Das Brot, die Ähre, der Weizenhalm, das Getreide ist ein wirkkräftiges, aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreichendes Symbol, das Juden immer wieder an ihre Geschichte und ihre Bestimmung bindet und das auch für Christen identitätsbestimmend ist. Die abendländische Kultur ist von der Frucht der Ähre her geprägt, und es geht darum, zusammenzukommen und das Brot miteinander zu teilen. Die Ähre ist nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles und zivilisatorisches Symbol für Juden und Christen. Der Freiburger Rundbrief legt daher nicht nur jüdisch-christliche Themen auf den Tisch, sondern auch jüdisch-literarische, jüdisch-kulturelle und christlich-literarische, christlich-kulturelle. Dieses zweite Heft bringt unter diesem Aspekt eine ganze Reihe von Rezensionen über belletristische jüdische Werke.

2. Neutestamentlich-christliche Anknüpfungen

Nach der Version des Matthäus wies Johannes der Täufer auf den Messias als den kommenden Geist- und Feuertäufer hin und rief zur Buße auf, damit das Gericht Gottes die Menschen nicht in seiner ganzen Härte treffe: „Schon hält er die Worfschaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen“ (Mt 3,12). Dies hört sich wie eine Variation des rabbinischen Gleichnisses vom Weizen und der Spreu an. Der Weizen ist bei Johannes und im rabbinischen Gleichnis das Symbol des lebendigen, zur Umkehr bereiten Volkes Gottes. Ähnliches gilt vom Jesus-Gleichnis vom Unkraut mitten unter dem Weizen (Mt 13,24-30.36-43). Auch da geht es um die endgültige Annahme des Weizens durch den Hausherrn und um das Verbrennen des Unkrauts und damit um Erwählte und Zurückgewiesene. Es ist gut möglich, daß das Neue Testament und die Rabbinen aus einem gemeinsamen Gleichnisschatz geschöpft haben. Möglich ist auch, daß die Rabbinen ihr Gleichnis in bewußter Opposition gegen das inzwischen populär gewordene neutesta­mentliche Gleichnis vom Unkraut mitten im Weizen geschaffen haben. In jedem Fall geht es um eine Umkehr-Predigt an Menschen, die das gläubige Zutrauen haben, daß sie Weizen — nicht Unkraut und nicht Spreu — sind. Diese Menschen sollen aber auch wissen, daß sie stets in akuter Gefahr sind, nutzloser, verdorrter Abfall zu werden.

Das Christentum trat — ähnlich wie das Judentum — unter dem Symbol der Ähre, des Weizens und des Brotes seinen Weg durch die Geschichte an. Dies ist bereits im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung deutlich spürbar. In der „Lehre der zwölf Apostel“ (Didache), die etwa gleichzeitig mit den Evangelien (vielleicht teilweise noch zuvor) entstanden ist, findet sich ein Gebet, das anläßlich des „Brechens des Brotes“, also bei eucharistischen Zusammenkünften, gesprochen worden ist: „Wir danken dir, unserm Vater . . . für das gebrochene Brot . . . Wie dieses gebrochene Brot, das in den Bergen in der Zerstreuung aufgewachsen ist, gesammelt und eins geworden ist, so ähnlich möge deine Kirche von den äußersten Enden der Erde her zu deinem Reich hin versammelt werden . . .“ (Did 9,1-4).3 In der Vereinzelung und Zerstreuung kann also der christliche Mensch nicht leben. Er muß mit anderen zusammengebracht und zu einer Einheit werden. Nur so kann eine Bewegung auf das Reich Gottes hin Wirklichkeit werden. Ähre, Weizen und Brot deuten den christlichen Willen zum Aufbruch auf das Reich Gottes hin an. Dieses Reich ist die weit größere, weit umfassendere und weit vollkommenere Wirklichkeit, als es die Kirche je sein kann. Was im neutestamentlichen Gleichnis als Unkraut und im rabbinischen Gleichnis als Spreu bezeichnet und entsprechend verurteilt wird, das sind in den Kategorien des FrRu die Antisemiten und Rassisten.

3. Erinnerung und Erneuerung

In seiner neuen Folge will der Freiburger Rundbrief keine systematisch-theologische Zeitschrift sein, die das Verhältnis zwischen Juden und Christen zu allen Zeiten und in allen Winkeln ergründet und spekulativ unter die Leute bringt. Er will nicht ins Judentum hinüberregieren und keine kirchenpolitischen Manipulationen im Zusammenhang mit dem Volk der Juden zulassen. Vielmehr will er die heutige jüdisch-nichtjüdische Szene beobachten, kommentieren und in größere Zusammenhänge hineinstellen. Die vielen wachsenden, im Winde wogenden und vom Sturm gefährdeten Ähren auf den verschiedenen Feldern sollen nach Möglichkeit gehegt werden, damit sie möglichst viel Brot für möglichst viele hergeben. Informationen über Geschehnisse in den Kirchen über Wiedergutmachungen, katechetische Bemühungen und die Vermittlung besserer Judentumsbilder, neue Formen von Antisemitismus, Liturgien bei Kirchentagen, Judentum in der Diaspora, neue Literatur, Staat Israel, Politik und Politiker in Europa, Amerika und im Nahen Osten sind für uns und unsere Leser und Leserinnen wichtig. Wir können und wollen nicht in der Gegenwart stehenbleiben. Der Blick auf jüdische und christliche Ursprünge und Ziele darf nicht verlorengehen. Alles gegenwärtig Brennende kann nur sinnvoll aufgearbeitet werden, wenn die vorhandenen Schätze und Potenzen aus der jüdischen, aus der christlichen Tradition hervorgeholt werden. Erst dann haben Christen und Juden das wohlige Gefühl ihrer Ursprünglichkeit und beginnen ihr Brot miteinander zu teilen, nachdem sie die Berakha darüber gesprochen haben. Die Ähre ist also Symbol und Auftrag.

  1. Biblisches Geschichtsdenken und apokalyptische Spekulation, Jud. 46 (1990) 208-224.
  2. Zur Auslegungsgeschichte vgl. Gleichnis Nr. 21 in Clemens Thoma/Simon Lauer, Die Gleichnisse der Rabbinen, Bd. III (in Bearbeitung; erscheint 1994/95).
  3. vgl. Willy Rordorf/André Tuilier, La doctrine des Douze Apôtres (Didaché) Paris 1978, bes. 174-177.

Jahrgang 1 / 1993/94 Seiten 81-87


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