Freiburger Rundbrief Freiburger Rundbrief
    Inhalt Neue Folge > Notizen > 155  

Home
Leseproben

Inhalt Neue Folge
Beiträge
Berichte
Bücherschau
Dokumente
Geburtstage-ad multos annos
In memoriam
Notizen
Personenregister
Verzeichnisse Einzelnummern
Archiv Neue Folge

Inhalt der Jg. vor 1993
Archiv vor 1986

Gertrud Luckner
Bestellung/Bezahlung
Links
Artikel
Mitteilungen
Rezensionen
 
XML RSS feed
 
 
Display PRINT friendly version

Notizen Jahrgang 1 - 1993/94 Heft 1

Notizen mit Namen

Am 06.03.1993 feierte Hans Heinz Altmann in Freiburg seinen 85. Geburtstag. Er ist einer der Wegbereiter für den Dialog zwischen Juden und Christen im Freiburg der Nachkriegszeit und Gründungsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, deren Ehrenvorsitzender er ist. Altmann ist in Stettin geboren und siedelte 1927 nach Berlin über. Bis 1939 leitete der gelernte Jurist die Grundstücksverwaltung der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Erst 1939 wanderte er nach Bolivien aus. 1973 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Freiburg nieder. Nach den Schrecken des Nationalsozialismus war es ihm ein Anliegen, Brücken zu bauen zwischen Juden und Christen. Altmann wurde mit dem Freiburger Stadtsiegel geehrt.

Schalom Ben-Chorin ist am 20.07.1993  80 Jahre alt geworden. 1913 in München geboren, verließ er unter den Nazis Deutschland und lebt heute in Jerusalem. Der jüdische Gelehrte, Religionsphilosoph, Germanist, Theologe und Schriftsteller hat mit seinem Lebenswerk die Menschen bewegt, wie wenige in unserer Zeit: die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden sowie der Dialog zwischen den monotheistischen Religionen haben ihm viel zu verdanken. Er selbst gehört zur Gruppe der liberalen Reform-Juden, mußte sich aber immer wieder wegen Grenzüberschreitungen gegen den Häresieverdacht verwahren. In Deutschland gehören zu den am meisten gelesenen Büchern: „Bruder Jesus“, „Paulus“ und „Mutter Mirjam“. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Köln verlieh ihm im April 1993 den Doktor honoris causa. Aus Anlaß seines 80. Geburtstags ehrten ihn seine Freunde als Zeichen der Verbundenheit mit der Gründung des „Schalom-Ben-Chorin-Forums für interreligiösen Dialog“ in Jerusalem.

Nikolaus Egender, seit 1979 Abt der deutschsprachigen Benediktinerabtei „Dormitio“ in Jerusalem, feierte am 19.08.1993 seinen 70. Geburtstag. Im Dezember 1992 wurde er zum Ehrenbürger von Jerusalem ernannt. Er wurde damit für seinen Beitrag zur Versöhnung und Begegnung von Juden, Christen und Muslimen geehrt.

Der 64jährige Autor und Übersetzer Georges-Artur Goldschmidt ist Träger des diesjährigen Bremer Literaturpreises. Goldschmidt verließ in der Nazizeit Deutschland. Er lebt heute in Paris. Die Auszeichnung erhielt er für seine Erzählung „Der unterbrochene Wald“, die im Amman-Verlag, Zürich, erschienen ist.

Der Jerusalem-Preis für Literatur wurde 1993 an Stefan Heym vergeben. Der 80 Jahre alte ostdeutsche Autor wurde auserkoren, weil seine Werke dem Jerusalem-Preis-Thema „Die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft“ nach Ansicht der Jury „außergewöhnlichen Ausdruck verleihen“. Heyms Beziehung zu Jerusalem hat ihren poetischen Niederschlag im „König-David-Report“ und in „Ahasver“ gefunden.

Jerzy Kanal, 71, Kaufmann aus Berlin, wurde im Herbst 1992 zum neuen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Berlin gewählt und tritt damit die Nachfolge des im Juli 1992 verstorbenen Heinz Galinski an. Für Kanal, bisher Stellvertreter Galinskis, ist die Vorstandsarbeit nicht neu. Die Integration von 3000 jüdischen Zuwanderern aus der GUS sowie der Ausbau der jüdischen Schule in Berlin sind seine vorrangigen Arbeitsziele.

Sarah Kirsch erhielt den vom Südwestfunk und dem Land Baden-Württemberg verliehenen „Peter-Huchel-Preis für Lyrik“ 1993 am 03.04.1993 in Staufen im Breisgau. Die Auszeichnung wurde der 57jährigen für ihren bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart erschienenen Gedichtband „Erlkönigs Tochter“ verliehen. Außerdem erhielt Sarah Kirsch am 30.04.1993 in Weimar den erstmals von der Konrad-Adenauer-Stiftung vergebenen Literaturpreis.

Der deutschen Schriftstellerin Karin Lindemann ist es gelungen, eine Übersetzung ihrer belletristischen Werke ins Hebräische zu bekommen. Im Januar 1993 erschien im Verlag Sifriat Poalim ihr Roman „Wege heimwärts“. Die deutsche Originalausgabe ist im Bleicher-Verlag, Gerlingen, herausgekommen. Eine deutsche Frau trifft in Haifa die Israelin Tamar, die Tochter einer Überlebenden des Holocaust. Die Begegnung führt zu einer Auseinandersetzung mit den Traumata, die der Holocaust hinterlassen hat. Karin Lindemann hat sich in der Bundesrepublik für die hebräische Literatur eingesetzt. So hat sie z. B. vor einigen Jahren einen Essayband des bekannten israelischen Autors A. B. Yehoshua herausgegeben.

Norman Mailer, einer der bedeutenden jüdischen, amerikanischen Schriftsteller unseres Jahrhunderts, wurde am 31. Januar 1993 70 Jahre alt. Mailer wurde als Sohn eines litauischen Bücherrevisors in Long Branch, New Jersey, geboren. Er wuchs in Brooklyn auf und studierte in Harvard Bautechnik.

Elisabet Plünnecke wurde am 11.01.1993 mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. Die Auszeichnung, die von der Stadt Stuttgart und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 1985 in ehrendem Angedenken an Dr. Otto Hirsch gestiftet wurde, wurde Frau Plünnekke für ihr Engagement um den christlich-jüdischen Dialog verliehen. Elisabet Plünnecke war es ein besonderes Anliegen, Vorurteile und Mißverständnisse abzubauen und „den Juden in Jesus wiederzufinden und die Juden endlich wieder als unsere Ahnen zu verstehen“.

Einer der beliebtesten deutschen Showmaster, Hans Rosenthal, wäre am 02. April 68 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren wurde der Platz vor dem Rias-Funkhaus nach ihm benannt. Der Rias war von 1948 bis 1980 seine wesentlichste Wirkstätte gewesen.

Charlotte Schiffler und Wolfgang Thierse erhielten 1992 den Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin. Sie wurden mit der an den jüdischen Aufklärungsphilosophen erinnernden Auszeichnung geehrt, weil sie wie er — so heißt es in der Begründung — Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen Völkern, Rassen und Religionen gefördert haben und fördern.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wurde am 10.10.1993 an den evangelischen Pfarrer und Bürgerrechtler in Wittenberg Friedrich Schorlemmer vergeben. 1992 erhielt ihn der israelische Schriftsteller Amos Oz.

Henny Seidemann, Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München, wurde in Anerkennung ihrer Verdienste für die christlich-jüdische Begegnung mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und von der Stadt München mit der Medaille „München leuchtet“ ausgezeichnet. Frau Seidemann war langjährige 1. jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München und hat mit großem persönlichem Engagement Entscheidendes für die christlich-jüdische Begegnung getan. Sie macht christliche Gemeinden mit jüdischem Brauchtum bekannt in Form von Vorträgen und durch Einführung in die jüdische Liturgie. Als Nachfolger von Frau Seidemann wurde Dr. Andreas Pitum zum 1. jüdischen Vorsitzenden gewählt.

Sir Sigmund Sternberg, Vorsitzender des Exekutivkomitees des Internationalen Rates von Christen und Juden, ist für seinen Einsatz zur Überwindung interreligiöser Schwierigkeiten mit der Versöhnungsmedaille des Polnischen Rates für Christen und Juden ausgezeichnet worden.


Stichworte

„Rosch Chodesch“
Der Name der Zeitschrift, die als Sprachrohr der Jüdischen Föderation der Tschechischen Republik dient, ist „Rosch Chodesch“. Sie ging aus dem Traditionsblatt „Vestnik“ hervor, das seit 1936 erschienen war. Mit 16 Seiten im Magazinformat ist die Zeitschrift ein Informationsdienst für kulturelle und geschichtliche Veranstaltungen und Ausstellungen zu jüdischen Themen. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin „Vestnik“ befaßt sie sich auch wieder mit der politischen Gegenwart des tschechischen Staates und mit internationaler Politik. Jiri Danicek, Präsident der Föderation, weist darauf hin, daß viele Mitglieder im Laufe der kommunistischen Diktatur den Bezug zur Religion verloren haben. Mit Hilfe von „Rosch Chodesch“ sollen sie wieder einen Zugang zur Religion finden. Die Mitarbeiter und Autoren von „Rosch Chodesch“ sind auch Mitarbeiter und Autoren des Sefer Verlages, der im Besitz der Föderation ist. Der Verlag veröffentlicht Bücher zum Verständnis jüdischer Kultur und Religion.

Genisa-Ausstellung
Im Marmelsteiner Kabinett in Würzburg war bis zum 25.07.1993 eine Genisa-Ausstellung zu sehen. Das hebräische Wort „Genisa“ bezeichnet eine Art sakralen Abstellraum für nicht mehr benötigte Kultgegenstände unter dem Dach oder in einem Nebenraum der Synagoge. Die von der Kabbala tradierte Vorstellung von der unmittelbaren Gegenwart Gottes in den heiligen Schriften untersagte dem gläubigen Juden, unbrauchbar gewordene Kultgegenstände zu vernichten. Die beschädigten Schriften, meist zusammengebundene Fragmente, Tora-Rollen, Tora-Mäntel, Gebetbücher und Gebetsriemen wurden in der Genisa abgelegt, wo sie allmählich verfielen.

Die Wiederentdeckung dieser versteckten Orte, insbesondere in den ländlichen fränkischen Synagogen, und ihre wissenschaftliche Auswertung durch die „Hidden Legacy Foundation“ wurden jetzt in Würzburg dokumentiert. Die Ausstellung: „Genisa — Verborgenes Erbe der deutschen Landjuden“ im Marmelsteiner Kabinett zeigte die einst verschnürten, verpackten und gebündelten Fragmente.

Mikwe in Mainstockheim ent­deckt
Im Dezember 1992 wurde völlig überraschend von der Architektin Michaela Denk eine bisher unbekannte Mikwe (Bassin für das rituelle Tauchbad) entdeckt. Frau Denk führte im Auftrag der Universität Bamberg Untersuchungen auf dem Areal des ehemaligen Zisterzienserklosters in Mainstockheim, Landkreis Kitzingen, durch. Durch eine Öffnung kann man 3,30 Meter in die Tiefe gelangen. Vermutlich hat der einstige Besitzer des Schlosses, David Mendel, die Mikwe erbauen lassen und sie der damals über 120 Mitglieder zählenden Jüdischen Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt. Einer Reihe von günstigen Umständen ist es wohl zu verdanken, daß dieser Kultbau fast unbeschädigt erhalten geblieben ist.

Archäologische Funde vom Sinai an Ägypten
Nach sieben Jahren zäher Verhandlungen erhalten die Ägypter Tausende von Fundstücken zurück, die israelische Archäologen während der Besatzung des Sinai dort ausgegraben hatten. Sie stammen aus Epochen von der prähistorischen Zeit bis ins 18. Jahrhundert. Vor der Rückgabe sollen die israelischen Archäologen noch Arbeiten über ihre Funde veröffentlichen können.

Die Höhle Lots freigelegt
Archäologen haben in Deirain-Abata am jordanischen Ufer des Toten Meers eine große byzantinische Klosteranlage entdeckt, die Lot geweiht war, der biblischen Gestalt, die dem Strafgericht über die Städte Sodom und Gomorrha entkam. Bei der Ausgrabung wurde u. a. eine Höhle freigelegt, die in byzantinischer Zeit als die Höhle Lots galt, in die er sich nach dem biblischen Bericht mit seinen Töchtern zurückgezogen hatte, nachdem seine Frau zur Salzsäule erstarrt war.

Ladino droht auszusterben
Der spanische Schriftsteller und Hochschullehrer José-Luis Abellan schlägt Alarm. Das Ladino oder „Judéo-Espanol“, die Sprache der Sefarden (spanisch-portugiesische und orientalische Juden), droht auszusterben. „Wir befinden uns vor einer unvermeidlichen Auflösung eines sprachlichen Schatzes, der Jahrhunderte überdauert hat“, warnt Abellan. Die Gründe dafür liegen nach seiner Meinung einmal in der Tatsache, daß die Sefarden in Israel Ivrith und nicht mehr Ladino sprechen, zum anderen zerfällt die sefardische Diaspora in der Türkei. Hinzu kommen Gefahren durch den wiedererstehenden Nationalismus in Südosteuropa.

Gegen antisemitische Tendenzen in Ungarn
Ende 1992 hat sich der ungarische jüdisch-christliche Rat gegen nationalistische und antisemitische Tendenzen in Ungarn gewandt. Anlaß der Stellungnahme waren Äußerungen von Politikern und Kommentare ungarischer Medien, die das Nationalbewußtsein durch Ausgrenzung aller „Nicht-Ungarn“ — insbesondere der Juden — stärken wollen. Der Rat ruft alle Gläubigen — Christen wie Juden — auf, sich für eine neue Wertordnung in der ungarischen Gesellschaft einzusetzen, die allen Bürgern ohne Diskriminierung ein menschenwürdiges Leben sichert. In der Stellungnahme wird die Überzeugung geäußert, daß die entscheidende Mehrheit der Gläubigen extremen Ideologien eine Absage erteilt. „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung vor dem Herrn der Geschichte für unsere Taten, Entscheidungen und auch für unsere Unterlassungen“, heißt es in der Erklärung.

Erzbischof von Canterbury gegen Judenmissionierung
George Garey, der Erzbischof von Canterbury, hat die Schirmherrschaft über die Organisation „Church's Ministry Among the Jews“ (CMJ), die die Missionierung von Juden betreibt, abgelehnt. Damit ist zum ersten Mal seit 150 Jahren das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche von England nicht gleichzeitig Schirmherr dieser Organisation. Carey begründete seine Ablehnung damit, daß die Schirmherrschaft seine Bemühungen um ein vertrauensvolles Verhältnis zum Judentum behindere. Von jüdischen Kreisen in Großbritannien wurde die Entscheidung des Erzbischofs begrüßt, weil sie sich durch die von den christlichen Kirchen ausgerufene „Dekade der Evangelisierung“ bedroht fühlt.

Rabbiner-Tochter pflanzt in Israel 18 Bäume zu Ehren des Papstes
Die Tochter des letzten Oberrabbiners von Kattowitz, Naomi Vogelmann-Goldfeld, hat zu Ehren des Papstes Johannes Paul II. 18 Bäume in Israel gepflanzt. In einem an den Papst gerichteten Schreiben drückt sie ihre Hochachtung für den Papst und seinen Einsatz für die Menschheitsfamilie und die Lösung der schweren Weltprobleme aus.

10 000 Bäume für Papst Johannes XXHI. und Jules Isaac
10 000 Bäume sollen in der Negev-Wüste in Israel anläßlich des 30. Jahrestags des Todes von Papst Johannes XXIII. und Jules Isaac gepflanzt werden, um damit an die Förderer des jüdisch-christlichen Dialogs zu erinnern. Nach Meldung von Radio Vatikan wurde diese Initiative von einem Komitee vorgeschlagen, dem auch Kurienkardinal Edward Idris Cassidy, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und führende Vertreter der jüdischen Gemeinde in Italien angehören.

Sanktionen gegen den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem
Der Name des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Diodoros, ist aus der Liste der beim Gottesdienst zu nennenden orthodoxen Kirchenoberhäupter gestrichen worden. Der Beschluß wurde von der Synode der Patriarchate von Konstantinopel und Alexandrien sowie der orthodoxen Kirchen von Griechenland und Zypern gefaßt, die am 30. und 31. Juli im Phanar in Istanbul getagt hatte. An der Synode nahmen auch die Metropoliten der Konstantinopel unterstellten ausländischen Diözesen teil.
Im Hintergrund des Konfliktes steht die Frage nach den Vollmachten des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Seit längerem ist dem Patriarchen von Jerusalem die nach dem Ende des Kommunismus angewachsene Bedeutung des Patriarchats von Konstantinopel — das Zentrum der Orthodoxie berät die orthodoxen Kirchen in Osteuropa bei ihrer notwendig gewordenen Reorganisation — ein Dorn im Auge. In Jerusalem beruft man sich auf die der dortigen Kirche aufgrund ihres apostolischen Ursprungs zukommenden Ehrenstellung als „Mutter- und Urkirche“. (Erster Bischof von Jerusalem war der Apostel Jakobus der Jüngere, der beim Apostelkonzil neben Petrus und Johannes als „Säule der Kirche“ in Erscheinung trat, und auch das Konzil von Nicäa billigte Jerusalem den Ehrenrang des Obermetropoliten zu — allerdings ohne Jurisdiktionsgewalt.)

Antisemitismus nimmt weltweit zu
Der Antisemitismus nimmt nach An-gaben des Londoner Institute for Jewish Affairs weltweit, insbesondere in Osteuropa, zu. Auch in der polnischen Bevölkerung hält sich hartnäckig ein eher diffuser Antisemitismus, der sich in vagen Behauptungen über den mutmaßlichen politischen und gesellschaftlichen Einfluß von Juden äußert. Demgegenüber haben die katholischen Bischöfe in den letzten Jahren größere Anstrengungen unternommen, einen Prozeß der Annäherung zwischen Katholiken und Juden voranzutreiben. Diese Bemühungen sind selbst innerhalb der polnischen Kirche nicht kritiklos hingenommen worden, wie ein Mitglied der Bischöflichen Kommission für den Dialog mit dem Judentum in der Krakauer katholischen Wochenzeitung Tygodnik Powszechny berichtete. Der scheidende israelische Botschafter in Warschau, Miron Gordon, würdigte zum Ende seiner Amtszeit öffentlich die „größere Offenheit“ Polens im Gespräch mit Israel und dem Judentum. Er räumte ein, daß beide Nationen überempfindlich seien, wo es um ihre Geschichte und ihre gegenwärtigen Probleme gehe. Er habe persönlich 400 Polen ausgezeichnet, die während des Zweiten Weltkrieges Juden das Leben gerettet haben.

Ehemalige jüdische Mitbürger in Fürth
Seit 1987 lädt die Stadt Fürth jedes Jahr ihre früheren jüdischen Mitbürger zum Besuch ihrer Heimatstadt ein, aus der sie in den Jahren des Nationalsozialismus vertrieben worden waren. Schwerpunkt dieses Besuches ist das Gespräch mit jungen Leuten, mit Schülern, die den Nazi-Terror nur aus den Geschichtsbüchern kennen.

„Christen und Muslime in Deutschland“
Mit dieser pastoralen Handreichung (Arbeitshilfe Nr. 104 vom 04.03.93, herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstraße 153, D-53113 Bonn) werden die Hinweise der Arbeitshilfe von 1982 „Muslime in Deutschland“ vertieft und es wird auf die heutige Situation Bezug genommen. Im Vorwort verweist der Freiburger Erzbischof Dr. Oskar Saier als Vorsitzender der Pastoralkommission, die diese Handreichung erarbeitet hat, auf das Konzilsdokument Lumen Gentium, Nr. 16: „Der Heilswille (Gottes) umfaßt (neben den Juden) aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen die Muslime . . .“ Ziel dieser Arbeitshilfe ist es, allen für den Umgang mit den Muslimen Verantwortlichen Kenntnisse über den Islam zu vermitteln, um „das Miteinander in Grundsatztreue und Respekt“ zu leben.


Jahrgang 1 — 1993/94 Seiten 73-79



top