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Gertrud Luckner
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Reinhold Boschki

Zum neuen Konzept der „Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext (Freiburger Rundbrief)“

Liebe Leserinnen und Leser des „Freiburger Rundbrief Neue Folge. Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung, begründet von Dr. Gertrud Luckner“,

wir wenden uns an Sie mit der herzlichen Bitte, den folgenden Zeilen besondere Beachtung zu schenken, denn wir stehen vor bedeutenden Veränderungen dieser Zeitschrift!

Die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Judentum ist heute, mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wichtiger denn je! Denn die gesellschaftlichen Bedingungen in Deutschland und in Europa haben sich dramatisch verändert und sind in allen Bereichen sichtbar: im sozialen Zusammenleben, in der Wirtschaft, im Arbeitsleben, in der Bildung und in den Religionsgemeinschaften.

Die junge Generation deutet das Verhältnis zum Judentum in Gegenwart und Geschichte ebenso wie die Schoa und ihr Gedenken völlig anders als die Älteren. Weder ihre Eltern noch ihre Großeltern waren direkt vom Nationalsozialismus betroffen, sie hat heute meist keinen direkten Kontakt zu Juden oder jüdischen Gemeinden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Gesellschaft, in der die jungen Menschen aufwachsen, ist völlig plural und heterogen geworden, der Islam und die muslimischen Glaubensgemeinschaften sind im Alltag präsenter als früher, ebenso weitere Religionen, Kulturen, ethnische und soziale Gruppen. Die Zuwanderung, aber auch die zunehmende Medialisierung verändern die Gesellschaft auf rasante Weise. Eine wesentliche Quelle für Informationen sind heutzutage für alle Generationen die digitalen Medien, das Internet und die sozialen Netzwerke.

Durch diese aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen darf die Neu- bzw. Wiederentdeckung der besonderen Beziehung von Juden und Christen im Schatten der Schoa nicht in den Hintergrund treten oder gar in Bedeutungslosigkeit versinken.

Deshalb ist das christlich-jüdische Verhältnis unter den Bedingungen der heutigen Zeit neu zu bestimmen und zu vertiefen. Für eine solche Revision und Relecture bedarf es vor allem des Dialogs mit weiteren Religionen und Weltanschauungen.

All diese Transformationen erfordern völlig veränderte Antworten – auch für die Zeitschrift „Freiburger Rundbrief“. Seit zwei Jahren suchen Unterstützer und Freunde dieser Zeitschrift ein zeitgemäßes Konzept, das den neuen Bedingungen Rechnung trägt.Dieses neue Konzept und die notwendigen Veränderungen möchten wir Ihnen hiermit vorstellen:

- Thematische Schwerpunkte für die einzelnen Hefte. An erster Stelle jeder Ausgabe werden drei bis vier ausführliche Artikel zu einem bestimmten Themenkreis (zum Beispiel „Jüdisches und christliches Lernen“, Person und Werk von Martin Buber oder Elie Wiesel, „Erinnerungskultur im Blick auf die Schoa heute“ etc.) erscheinen, die weiterhin von Expertinnen und Experten aus dem Judentum und Christentum – zusammen mit Gastbeiträgen aus weiteren Religionen – verfasst werden.

- Eine ausführliche Rubrik „Bildung“. In jedem Heft werden drei bis vier Beiträge abgedruckt, in denen Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Bereichen der Bildungsarbeit – Schule, Gemeinde, Erwachsenenbildung, christlich-jüdische Zusammenarbeit etc. – konkrete Bildungskonzepte und ihre Realisierung exemplarisch beschreiben.

- Zusatzmaterialien auf der Webseite. Zu beiden Schwerpunkten wird es auf einer neuen Webseite der Zeitschrift zusätzliche Materialien, Hintergrundinformationen und weitere Links zu interessanten Internetquellen geben.

- Bewährte Rubriken bleiben bestehen. Insbesondere aktuelle Informationen, Buchrezensionen, Personalia, regelmäßige geistliche bzw. biblische Impulse, Informationen über Festtage, Text-Auslegungen etc. werden weiterhin enthalten sein, andere Rubriken kommen hinzu.

- Beibehaltung des christlich-jüdischen Schwerpunkts. Aus theologischen Gründen (im Anschluss an die Erklärung Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils) und aufgrund der gesellschaftlichen Gegebenheiten werden die Themen des christlich-jüdischen Verhältnisses jedoch in den größeren Kontext des Dialogs mit weiteren Religionen, insbes. des Islam gestellt.

- Tausch von Haupttitel und Untertitel: „Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext (Freiburger Rundbrief)“. Um das wertvolle Erbe und die bedeutende Tradition der Zeitschrift zu bewahren und ihr gleichzeitig eine Perspektive für die Zukunft zu geben, muss ein Namenswechsel erfolgen. So wird die Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung pro grammatisch verstärkt in den Kontext der aktuellen gesellschaftlichen, internationalen und wissenschaftlichen Diskussion gestellt.

- Erweiterte wissenschaftliche Schriftleitung. Ein Kreis von Expertinnen und Experten aus Theologie, Judaistik, christlich-jüdischer Zusammenarbeit garantiert weiterhin eine hohe Qualität der Beiträge und Hefte. In Zukunft werden verstärkt auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Religionswissenschaft, dem Islam und weiteren Religionen zu Wort kommen.

- Digitalisierung und Open-Access. Die Zeitschrift soll als Printausgabe erhalten bleiben, die bisherigen digitalen Ausgaben werden jedoch erheblich ausgebaut.

Alle Schwerpunkte der bisherigen Arbeit werden fortgeführt und in der oben genannten Weise erweitert. Dabei geht es inhaltlich in erster Linie um-

- die unter Beibehaltung des zentralen Anliegens der theologischen und kulturellen Begegnung zwischen Christen und Juden fällige Horizonterweiterung um den Kontext der Begegnung und produktiven Auseinandersetzung mit dem Islam und weiteren Religionen;

- ein neues Verständnis der besonderen Beziehung zwischen Christen und Juden sowie des interreligiösen Dialogs für die Bereiche Bildung und Pastoral;

- die fortgesetzte Erinnerung an die reichen interreligiösen und interkulturellen Traditionen im Zusammenleben von Juden und Christen, aber auch an die Leidensgeschichte der Juden, insbesondere durch die Schoa;

- die Bekämpfung jeder Form des Antisemitismus, Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft;

- die Vertiefung der Freundschaft zwischen Christen und Juden heute, die die Freundschaft mit Angehörigen anderer Religionen mit einschließt.

Wir bitten Sie, den Freundes- und Fördererkreis des bisherigen „Freiburger Rundbriefs“, herzlich, das neue Konzept zu unterstützen und Ihr Abonnement bzw. Ihre Spenden in gleicher Weise wie bisher beizubehalten. Nur so kann die von Dr. Gertrud Luckner gegründete und durch so viele bedeutende Personen weitergeführte Zeitschrift den neuen Generationen erhalten und erschlossen werden.

Wir danken allen Personen, die in den vergangenen Jahren den „Freiburger Rundbrief“ gefördert und unterstützt haben, vor allem Frau Elisabeth E. Weidinger, die im Juni 2016 nach fast zwanzigjähriger Tätigkeit als geschäfts führende Schriftleiterin (Redakteurin von 80 Heften des „Freiburger Rundbrief Neue Folge“) in den Ruhestand getreten ist, sowie der langjährigen Redaktionssekretärin, Frau Ulla Cunningham. Außerdem danken wir Herrn Dr. Christoph Michel, der seit Dezember 2013 den Verein „Freiburger Rundbrief e. V.“ als Erster Vorsitzender geleitet und an der Redaktion der Zeitschrift mitgewirkt hat, ebenso dem Zweiten Vorsitzenden, Herrn Dr. Eugen Baldas, der insbesondere die neue Konzeption und Neuorganisation der Zeitschrift mit großem Engagement vorbereitet hat.

Für die neue Schriftleitung: Prof. Dr. Reinhold Boschki; Dr. Julia Münch- Wirtz, beide Universität Tübingen; Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann, Evangelische Hochschule Freiburg; in Kooperation mit Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Jüdische Hochschule Heidelberg.

Für die neue Redaktionsleitung: Prof. h. c. Dr. Ulrich Ruh, Freiburg.


Jahrgang 23 / 2016 Heft 4, S.216−219.

 



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