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Gertrud Luckner
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Christoph Michel / Eugen Baldas

Rückblick

Zum „Freiburger Rundbrief – Neue Folge

Liebe Leserinnen und Leser!

Mit Heft 1/2017 werden sich Titel, Konzept und äußere Form des 1993 begründeten „Freiburger Rundbrief Neue Folge. Begründet von Dr. Gertrud Luckner“ verändern. Das Anliegen von Dr. Gertrud Luckner, die Begegnung zwischen Juden und Christen zu fördern und durch gegenseitige Information und Austausch zu stärken, wird weitergeführt.

Von 1948 bis 1987 hatte Gertrud Luckner den „Freiburger Rundbrief“ mit einem kleinen Kreis von Mitwirkenden zusammengestellt und herausgegeben. 1993 gelang die Weiterführung der Zeitschrift in der Herausgeberschaft des „Verein Freiburger Rundbrief e. V“. unter dem Vorsitz von Dr. Alwin Renker und Dr. Georg Hüssler und mit dem Hauptschriftleiter Prof. Dr. Clemens Thoma (Luzern); geschäftsführende Schriftleiterin war von 1993–1996 Ursula Blum, ab 1997 Elisabeth Weidinger.

Während Gertrud Luckner den FrRu in unregelmäßiger Folge herausgegeben hatte, beschloss das Team 1993 das regelmäßige Erscheinen von 4 Heften pro Jahr. Mit der damaligen Neukonzeption gelang es, die seit 1969 dem FrRu gewährte finanzielle Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz erneut zu erwirken; weitergeführt wurde auch die Unterstützung durch den Deutschen Caritasverband. Clemens Thoma nannte das Heftkonzept „Das alt-neue Programm“:

„Wie der alte FrRu muss auch die Neue Folge des Freiburger Rundbriefs (FrRu NF) aus jüdischer und christlicher Sicht auf viele Schwierigkeiten und Chancen hinweisen, die sich zwischen verschiedenen Religionen, Gesellschaften und Völkern abspielen.“1

Thoma benannte fünf konkrete Ziele:

1. „Dokumentation und Interpretation wichtiger kirchlicher, israelischer und allgemein jüdischer und jüdisch-christlicher Ereignisse und Stellungnahmen. […] Der FrRu NF will […] eine uneingeschränkt ökumenische Haltung an den Tag legen. ‚Ökumene ohne Juden gibt es nicht‘, lautete ein ceterum censeo von Frau Luckner. Der FrRu NF will sich auch nicht in der Kirchlichkeit abkapseln. Israelische Wahlergebnisse, iraelisch-arabische Gespräche, jüdisch-islamische Dialoge [...] werden den Lesern vorgestellt.“

2. „Überblicke über Neuerscheinungen von Büchern mit wissenschaftlichem, literarischem, kulturellem oder politischem Inhalt sowie ihre Bewertung durch Rezensenten nehmen eine wichtige Stelle im FrRu NF ein.“

3. In Weiterführung der seit 1972 erschienenen RuBr-Beilage „Immanuel“ „wird der FrRu NF gute hebräische Artikel, die sonst in unseren Breiten unbeachtet bleiben würden, ins Deutsche übersetzen.“

4. „Der FrRu NF wird Ideologien und Vorkommnisse, die Vorboten oder Zeugen einer neuen Schoa sein könnten (Rassismus, Indifferentismus, Fundamentalismus, judenfeindliche Deutung der Evangelien), registrieren, damit die Menschen rechtzeitig gewarnt werden.“

5. „Der FrRu NF wird wie der bisherige Rundbrief die Freundschaft zwischen Juden und Christen fördern und Ereignisse zum Leuchten bringen, die dem Frieden dienen. Es geht ihm aber nicht um irgendeine offene oder verbrämte Missionierung der Juden. Nicht nur das Gemeinsame ist zu betonen; auch das Trennende soll akzeptiert werden. Wir leben in einer multikulturellen Welt, über die kein künstlicher Einheits-Überbau gestülpt werden kann.“ Und schließlich wolle der FrRu NF „keine Konkurrenz zu schon bestehenden jüdischen und jüdisch-christlichen Publikationsorganen sein. [...] Er möchte in Austausch mit diesen und anderen Zeitschriften treten.“

Um Beiträge zu gewinnen und Anregungen für die Planung der Hefte zu erhalten, hatten Schriftleitung und Vorstand einen Kreis namhafter Persönlichkeiten als Konsultorinnen und Konsultoren2  gewinnen können. Dieser Kreis traf sich i. d. R. alle zwei Jahre. Nach dem Tod von Hauptschriftleiter Clemens Thoma 2011 kam es zu keinem weiteren Treffen. In diesem Jahr reduzierte der VDD den finanziellen Zuschuss beträchtlich, 2012 stellte er ihn gänzlich ein.

Nach dem Tod von Dr. Georg Hüssler (14. April 2013) und Dr. Alwin Renker (6. Dezember 2013) ermöglichten die gezwungenermaßen ehrenamtliche Geschäftsführung und die Redaktion des „Rundbriefs“ durch Elisabeth Weidinger den Fortbestand der Zeitschrift, die Herausgeberschaft lag weiterhin beim Verein Freiburger Rundbrief e. V. mit den neuen Vorsitzenden Dr. Christoph Michel und Dr. Eugen Baldas. Von 2014 bis 2016 arbeitete die Redaktion ehrenamtlich. Für die Heftgestaltung maßgeblich blieb die von Clemens Thoma vorgegebene Konzeption.

Die Erzdiözese Freiburg erneuerte die Zusage, Räume für die Geschäftsstelle des „Freiburger Rundbriefs“ weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen. Um künftig auch wieder Mittel für Personalkosten in der Geschäftsstelle zu erhalten, wurde Unterschiedliches versucht: In Briefen an die deutschen Bischöfe, an Stiftungen und weitere potenzielle Förderer legten Vorstand und Schriftleitung die Schwierigkeiten offen und erbaten Unterstützung. Die Bezieher des FrRu NF wurden unter der Rubrik „In eigener Sache“ wiederholt auf die prekäre Situation hingewiesen.

In dieser schwierigen Zeit wurde der FrRu NF durch großzügige Spenden, aber auch durch ermutigende Worte unterstützt, wie z. B. durch das Schreiben von Prof. Dr. Hanspeter Heinz, Leiter des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim ZdK, an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Dr. Reinhard Marx. Darin heißt es:

„Wenn die aktuellen Probleme zu einer Einstellung des FrRu führten, wäre dies für den christlich-jüdischen Dialog fatal und ein weithin sichtbares Signal dafür, dass die christlich-jüdische Arbeit der Kirche in Deutschland anscheinend nicht mehr wichtig ist.“

Den Brief verknüpfte Heinz mit der Bitte,

„den Freiburger Rundbrief auch seitens der Bischofskonferenz weiterhin ideell und finanziell zu unterstützen, damit nicht aus dem Ende dieser Zeitschrift auch auf ein Ende des kirchlichen Interesses am christlich-jüdischen Gespräch geschlossen wird, dessen Wichtigkeit gerade auch von Papst Franziskus betont wird.“3

Der FrRu NF konnte trotz aller Schwierigkeiten seinen breiten internationalen Leserkreis bis heute erhalten und bei Christen und Juden Anerkennung finden, die sich auch in der weiterhin großen Zahl der eingereichten Beiträge und in Zuschriften der Leser widerspiegelte.Den Beziehern der Zeitschrift danken wir für ihre, meist langjährige, Treue; den Autoren und Rezensenten für kritisch-konstruktive Beiträge. Elisabeth Weidinger danken wir für ihre zwanzigjährige Tätigkeit als Geschäftsführende Schriftleiterin, zudem für ihr ehrenamtliches Engagement während der letzten drei Jahre. Den Konsultoren des „Freiburger Rundbriefs“ gilt unser Dank für Beratung und Begleitung, den Teilnehmern des 2014 einberufenen „workshop“ zur Weiterführung der Zeitschrift für ihre konstruktiven Ideen, die in das neue Konzept mündeten.

Das Amt des 1. und 2. Vorsitzenden des „Verein Freiburger Rundbrief – Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung e. V.“ ging am 1.9. 2016 auf Prof. Dr. Reinhold Boschki / Tübingen und Prof. Dr. Willhelm Schwendemann / Freiburg i. Br. über. Die Schriftleitung der vom Verein Freiburger Rundbrief e. V. herausgegebenen Zeitschrift liegt ab Heft 1 des Jahrgangs 2017 bei den Herren Boschki und Schwendemann sowie bei Herrn Prof. Dr. Daniel Krochmalnik (Heidelberg); die Leitung der Redaktion bei Herrn Prof. Dr. h. c. Ulrich Ruh / Freiburg i. Br.

Im folgenden „Schreiben an die Leserinnen und Leser“ wird das künftige Konzept der Zeitschrift vorgestellt.Bereits im 1. Heft der Neuen Folge des FrRu (1993/94) wurde mit einem Bericht über das Gaza-Jericho-Abkommen der (weite und beschwerliche) Weg zum Frieden zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk thematisiert. Im selben Heft folgte die in Gänze abgedruckte Ansprache des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl anlässlich der Auszeichnung Gertrud Luckners mit dem Sir-Sigmund-Sternberg-Preis 1987, in der die denkwürdigen Worte fielen:

„Juden, Christen und Muslime gehören zu einer großen Familie. Während seines historischen Besuchs in der Synagoge von Rom erklärte Papst Johannes Paul II., die Juden seien ‚unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder‘. Dies ist ein sehr schönes Bild, und ich denke, wir dürfen in dieses Bild auch die Muslime einbeziehen.“

Die damalige Redaktion kommentierte die sich abzeichnenden Probleme der Völkerverständigung, aber auch den hoffnungsvollen Neubeginn der Zeitschrift mit einem Ausspruch des Rabbi Nachman von Bratzlaw:

„Das Leben ist eine sehr schmale Brücke, aber es kommt nur darauf an, sich nicht zu fürchten.“

Wir wünschen dem neuen Vorstand und der neuen Schriftleitung Furchtlosigkeit und Erfolg beim Brückenbauen. Wir bitten die Bezieherinnen und Bezieher, den neuen Verantwortlichen ihr Vertrauen zu schenken, und empfehlen den Bezug der „Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext (‚Freiburger Rundbrief‘)“.

Dr. Christoph Michel / Dr. Eugen Baldas(bis 31.8.2016 Erster bzw. Zweiter Vorsitzender des Vereins Freiburger Rundbrief, Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung e. V.)


  1. Clemens Thoma, Geleitwort: Dr. Gertrud Luckner und der bisherige Rundbrief, in: Freiburger Rundbrief Neue Folge, 1. Jg., Heft 1 1993/94, S. 6 f.
  2. Auf der Impressumseite der Zeitschrift namentlich genannt.
  3. Prof. Dr. Hanspeter Heinz, Leiter des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim ZdK, 3. April 2014; Verein Freiburger Rundbrief e. V.

Jahrgang 23 / 2016 Heft 4, S. 312−315. 


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