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Eugen Baldas

Der „Freiburger Rundbrief“ und seine Verbindung zur Caritas

Dass der Titel „Freiburger Rundbrief“ nicht ein Blatt der Freiburger Lokalszene meint, sondern eine internationale Zeitschrift zur Thematik „Christen und Juden“, ist vor allem für Jüngere erklärungsbedürftig. Die langjährige Verbindung zum Deutschen Caritasverband (DCV), ohne die der „Freiburger Rundbrief“ wohl kaum entstanden wäre und bis heute bestanden hätte, ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Wenn ab dem Jahrgang 2017 mit einem erweiterten Konzept der bisherige Obertitel als Untertitel weitergeführt wird und institutionelle Verbindungen wechseln, lohnt ein Rückblick auf die Geschichte der Zeitschrift.

Gertrud Luckner – „Botschafterin der Menschlichkeit“

1936 wurde Gertrud Luckner Mitarbeiterin im DCV. Den ihr von Caritaspräsident Benedict Kreutz übertragenen Arbeitsbereich „Kirchliche Kriegshilfsstelle“ hat sie „nach ihren eigenen, persönlichen Vorstellungen und Verpflichtungen orientiert und mit ihrem grenzenlosen Engagement geprägt“.1  Seit Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hat sie in riskantem Engagement zahlreiche Juden vor der Deportation in ein Konzentrationslager gerettet sowie Hilfsaktionen für bereits Deportierte durchgeführt. 1941 erhielt sie von Erzbischof Dr. Conrad Gröber einen Ausweis als „Beauftragte zur Durchführung von notwendigen Aufgaben der außerordentlichen Seelsorge“.

Zur Verhaftung während einer Dienstreise am 24. März 1943 kam es, weil die Gestapo sie seit 1933 im Visier hatte und Hinweise von Verbindungspersonen, auch aus der Caritaszentrale in Freiburg, erhielt.2  Sie wurde an mehreren Orten vernommen und schließlich als Schutzhäftling im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück/Mecklenburg inhaftiert. In der folgenden Leidenszeit war eine Arbeitskollegin in der Caritaszentrale Partnerin für die einmal im Monat genehmigte Kommunikation; der DCV übernahm die Wohnungsmiete und verwahrte Möbel und Hausrat. Gertrud Luckner überlebte diese Zeit der Entwürdigung und auch den kräftezehrenden Fußmarsch nach Westen. Die Befreiung durch die Rote Armee ermöglichte ihr nach Kriegsende die Rückkehr nach Freiburg und die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit beim DCV. Dort leitete sie fortan das Referat „Verfolgtenfürsorge“; sie setzte sich für jüdische Überlebende ein und drängte auf Entschädigung für an Juden begangene Verbrechen.

Wie es zum „Freiburger Rundbrief“ kam

Gertrud Luckner erkannte, „dass die Wurzeln des christlichen Judenhasses und die Abweisung alles Christlichen beim jüdischen Volk nur herausgerissen werden konnten, wenn beide verständnisvoll aufeinander zugingen“.3  Den „Freiburger Rundbrief“ entwickelte sie mit einem kleinen Kreis engagierter Katholiken, dem die Versöhnung von Christen und Juden eine Lebensaufgabe geworden war: Christen sollten mehr über Juden erfahren, jüdischen Mitbürgern begegnen und Freundschaften schließen, und umgekehrt sollten Juden sich für Christen öffnen. Im Geleitwort für den „Rundbrief zur Förderung der Freundschaft zwischen dem alten und dem neuen Gottesvolk im Geiste der beiden Testamente4  – so der Titel des als Typoskript vervielfältigten ersten Heftes – schreibt sie:

„Im Anschluss an die Hilfstätigkeit in den Verfolgungsjahren, die im Auftrag des verstorbenen Erzbischofs von Freiburg, Dr. Conrad Gröber, als Caritasreferent der Fuldaer Bischofskonferenz und im Rahmen des Deutschen Caritasverbandes in fast allen deutschen Diözesen erfolgte, wurde im Frühjahr 1948 in Freiburg in einem kleinen Kreis Interessierter erörtert, welche Konsequenzen aus der Tatsache zu ziehen seien, dass in der Hitlerzeit zum ersten Mal Christen und Juden gemeinsam verfolgt worden sind. Dabei wurde auch die Herausgabe einer Korrespondenz angeregt, die das Verhältnis zwischen den Angehörigen des alten und denen des neuen Gottesvolkes informierend und erklärend behandeln und so die verhängnisvolle gegenseitige Unkenntnis überwinden helfen soll.“5

Dem ersten Herausgeberkreis gehörten mit Gertrud Luckner und Karl Thieme, Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde an der Pädagogischen Akademie in Elbing, der wegen seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus 1935 in die Schweiz emigriert war, auch Msgr. Kuno Joerger, Generalsekretär des DCV, und Rupert Giessler, Mitbegründer der „Badischen Zeitung“, an. Adresse der Geschäftsstelle des „Rundbriefs“ war: Deutscher Caritas-Verband, Werthmannplatz 4, Freiburg.

Verbindung zum Deutschen Caritasverband (1948–1991)

Von 1948 bis 1968 war der DCV der Rechtsträger des „Freiburger Rundbriefs“. Die Herausgeberschaft des Rundbriefs war mit dem Amt des Generalsekretärs und später dem Präsidentenamt des DCV verzahnt; der DCV übernahm Kosten für Erstellung und Versand. Als Kuno Joerger 1959 starb wurde Georg Hüssler dessen Nachfolger. Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Frau Luckner aus dem DCV zum 31. Dezember 1968 wurde das von ihr geleitete Referat „Verfolgtenfürsorge“ aufgelöst. Die im „Freiburger Rundbrief“ behandelten Themen6  – Bibel und Theologie, Jüdische Geschichte und Judentum, Christlich-jüdische Beziehungen, Christlich-jüdische- muslimische Beziehungen, Verfolgung und Widerstand, Zionismus und Staat Israel – aufzunehmen und zu diskutieren sowie Begegnungen zwischen Christen und Juden zu fördern, blieben ein auch für die Zukunft gültiger Auftrag.

Um diesem längerfristig ein institutionelles Fundament zu geben, kam der Gedanke auf, für den Fortbestand des „Freiburger Rundbriefs“ einen eigenständigen Verein zu gründen, auf der Grundlage des Bürgerlichen Rechts, und für diesen Verein beim Finanzamt Freiburg die Gemeinnützigkeit und beim Amtsgericht Freiburg den Eintrag ins Vereinsregister zu beantragen. Dazu brauchte es eine Gründungsversammlung, eine Satzung, Gründungsmitglieder und einen Vorstand. Am 27. Dezember 1968 fand die Gründungsversammlung statt; neun Gründungsmitglieder, darunter Georg Hüssler, Generalsekretär des DCV, gaben dem neuen Verein den Namen „Freiburger Rundbrief. Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung“. Als Vorstand wurde Dr. Gertrud Luckner, als stellvertretender Vorstand Dr. Rupert Giessler gewählt; der Eintrag ins Vereinsregister des Amtsgerichts Freiburg erfolgte am 11. Februar 1969. Damit konnte der „Freiburger Rundbrief“ nahtlos weiter erscheinen.

Mit der neuen Rechtsträgerschaft durch einen gemeinnützigen Verein war die Tür offen für eine Förderung von dritter Seite zur Finanzierung von Personal- und Sachkosten. Frau Luckner, die fortan ehrenamtlich die Arbeit bewältigte, erhielt eine hauptamtliche Unterstützung. Zur Weiterführung nach ihrer beruflichen Caritas-Zeit bemerkt G. Luckner:

„Dass die mit dem ‚Freiburger Rundbrief‘ verbundene Arbeit weitergeführt werden kann, verdanken wir der Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz und der Weiterförderung durch den Deutschen Caritasverband e. V.“7

Dem Herausgeberteam gehörte wieder Georg Hüssler an, von 1969 bis 1991 Präsident des DCV; die Postanschrift des neu gegründeten Vereins war weiter das Werthmann- Haus in Freiburg.

Auf Initiative von G. Luckner und mit Unterstützung des DCV wurde in Nahariya/Israel ein Altenwohnheim für aufgrund der „Nürnberger Gesetze“ verfolgte Christen errichtet. Das Haus in Nahariya war 1978 bezugsfertig und wurde nach Gertrud Luckner benannt; an Weihnachten 1979 konnte sie zur Einweihung „ihres“ Hauses nach Israel kommen.8 Zum 85. Geburtstag von Gertrud Luckner, im Oktober 1985, richtete der DCV einen Festakt im Lorenz-Werthmann-Haus in Freiburg aus. Präsident Georg Hüssler, Erzbischof Oskar Saier, Oberbürgermeister Rolf Böhme und Werner Nachmann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, würdigten die Jubilarin; Frau Luckner selbst berichtete prägnant über ihr Leben und ihre Tätigkeit.9

Im Sommer 1987 erschien die letzte Ausgabe des von Gertrud Luckner in eigener Verantwortung zusammengestellten „Freiburger Rundbriefs“.10  Weitere Ausgaben konnte sie wegen ihres hohen Alters nicht mehr bewerkstelligen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt beim DCV kümmerte sich Georg Hüssler zusammen mit Alwin Renker um die Weiterführung des „Freiburger Rundbriefs“ in Rechtsträgerschaft des Vereins.

„Freiburger Rundbrief – Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung. Neue Folge“ in Rechtsträgerschaft des Vereins „Freiburger Rundbrief e. V.“

Es herrschte Ungewissheit, ob und wie es zu einer Weiterführung des „Freiburger Rundbriefs“ kommen könne. Nach längerer Pause konnte mit Unterstützung des DCV11 am 24.1.1992 wieder eine Mitgliederversammlung des Vereins einberufen werden; diese wählte GProf. Dr. Alwin Renker zum ersten Vorsitzenden und Nachfolger von Dr. Gertrud Luckner und Dr. Georg Hüssler zum stellvertretenden Vorsitzenden. Damit und auch mithilfe einer Initiative des Freiburger Erzbischofs Oskar Saier war die Weiterführung des „Freiburger Rundbriefs“ in Rechtsträgerschaft des Vereins Freiburger Rundbrief sichergestellt. Frau Luckner erlebte noch die Herausgabe der ersten beiden Jahrgänge „Freiburger Rundbrief. Neue Folge“; sie starb kurz vor ihrem 95. Geburtstag, am 31. August 1995.

„Stolperstein“ in Erinnerung an Dr. Gertrud  Luckner.

Verlegt vor der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule in Freiburg i.  Br. (Kirchstraße).
Foto: Eugen Baldas.


Die „Neue Folge“ begann 1993/94. Das Konzept wurde aktualisiert, Format und Layout wurden verändert, der Titel mit dem Zusatz „Neue Folge“ versehen, ab Heft 1/2000 durch den weiteren Zusatz „Begründet von Gertrud Luckner“ ergänzt. Die frühere Erscheinungsweise in unregelmäßigen Abständen wurde auf eine vierteljährliche umgestellt, und die Hefte erhielten eine neue Struktur. Vereinsführung und Hauptschriftleitung, die bisher allein bei Gertrud Luckner lagen, wurden getrennt. Der „Freiburger Rundbrief Neue Folge“ (FrRu NF) erhielt wieder eine finanzielle Förderung durch den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD).

Herausgeber der Zeitschrift war der Verein Freiburger Rundbrief e. V.; den Vereinsvorstand hatten Alwin Renker (1. Vorsitzender) und Georg Hüssler (stellvertretender Vorsitzender) inne; Hauptschriftleiter wurde Clemens Thoma, Professor für Judaistik in Luzern, der bereits seit 1972 zweiter Schriftleiter an der Seite von Gertrud Luckner gewesen war; geschäftsführende Schriftleiterin in der Arbeitsstelle Freiburg wurde Ursula Blum. Clemens Thoma notiert im Geleitwort im 1. Heft des 1. Jahrgangs der „Neuen Folge“ des „Freiburger Rundbriefs“:

„Der Freiburger Rundbrief wurde in den Jahren seines Erscheinens zu einem ,dokumentarischen Journal über die vielfarbige Palette des jüdisch-christlichen Lebens und Ringens‘. So ist er – wie Dr. Gertrud Luckner zu sagen pflegte – zu einer ‚Institution‘ geworden. In den einschlägigen Verzeichnissen figuriert er unter der Abkürzung FrRu. Unter der Verantwortung von Dr. Luckner erreichte der FrRu 38 Jahrgänge. [...] Ihr Rückzug verursachte einen Mangel in der christlich-jüdischen Bewegung, besonders im deutschsprachigen Raum. [...] Da muß sich der FrRu wieder melden! Er muß für eine größere Dauer und eine nachhaltigere Beeinflussung breiter Bevölkerungskreise, besonders der Jugend, einstehen, um einer vorurteilsfreien und friedliebenden Gesellschaft die Wege zu bereiten.“12

Die Geschäftsstelle des „Freiburger Rundbriefs Neue Folge“ konnte Räume des Instituts für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg mietfrei nutzen. Das Institut für Religionspädagogik war dafür eine gute Adresse, war es doch Gertrud Luckners Anliegen, die Verständigung von Christen und Juden mit dem „Freiburger Rundbrief“ in der Schule und besonders im Religionsunterricht zu fördern; dazu hatte sie Hefte des „Freiburger Rundbriefs“ zur Verfügung gestellt.13  Mit dem Neubau des „Karl Rahner Hauses“ stand ein Umzug in die Rathausgasse an; Ende Juni 2016 war ein erneuter Umzug in die Universitätsstraße erforderlich. Es war (und ist) eine große Unterstützung, dass das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg dem „Freiburger Rundbrief“ die Geschäftsräume kostenfrei zur Verfügung gestellt hat.

Verbindungen zum Deutschen Caritasverband (1996–2016)

Am Beginn der „Neuen Folge“ bestanden seitens des „Freiburger Rundbrief“ nur wenige Verbindungen zum DCV. Um weiterhin eine Brücke zu den Arbeitsfeldern und zu Mitarbeitern der Zentrale des DCV zu haben, bat Georg Hüssler im Sommer 1996 den Referatsleiter Gemeindecaritas im DCV, Dr. Eugen Baldas, dem Verein Freiburger Rundbrief e. V. als Mitglied beizutreten. In den damaligen Arbeitsbeziehungen war das Anliegen von Gertrud Luckner, die Begegnung zwischen Christen und Juden aktiv fördern zu wollen, implizit enthalten: Mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden gibt es in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Regelkommunikationen auf der Ebene der Verbandsleitung und auf der Arbeitsebene Treffen zu Sachthemen, u. a. zu Bürgerschaftlichem Engagement und Freiwilligendiensten.

Als im Zuge des Leitbildprozesses (1994–1996) ein neuer Blickwinkel bei der Caritas aufkam, ehrenamtliche Tätigkeit über den binnenkirchlich-katholischen Bereich hinaus in die Gesellschaft zu öffnen, entstanden bei der Bildung von Freiwilligen-Zentren vor Ort neue Kooperationen. In Göttingen gelang es, ein Freiwilligen-Zentrum aufzubauen, zu dessen Mitträgern auch die jüdische Gemeinde gehört.14  Diese Form der Zusammenarbeit zeigt, dass – über den interreligiösen Diskurs hinaus – auch der Wunsch nach Aktionen interreligiöser Solidarität besteht. Bei der Ausgestaltung des Martinuswegs zum 1700-jährigen Jubiläum des Geburtsjahres des hl. Martin in 2016 mit „Orten des Teilens“ sind beim Freiwilligen-Zentrum Augsburg solidarische Aktionen von Christen, Juden und Muslimen im Blick.15  Zum Andenken an Gertrud Luckner stiftete der DCV einen Wissenschaftspreis, der im Oktober 2006 erstmals verliehen wurde. Mit dem „Gertrud- Luckner-Preis zur Förderung der Wissenschaft in der Sozialen Arbeit“ wird alle zwei Jahre eine herausragende Abschlussarbeit an Universitäten oder Hochschulen ausgezeichnet.16

Als im Rahmen von Strukturänderungen im DCV 2012 das Arbeitsfeld „interreligiöser Dialog“ als Teilbereich der Gemeindecaritas neu geschaffen wurde, gab es – seit dem Ausscheiden von Gertrud Luckner 1968 – erstmals wieder einen direkten dienstlichen Auftrag, den christlich-jüdischen Dialog und Begegnungen in Arbeitskontexten der Caritas zu reflektieren. Als 2013 Krankheit und Tod der langjährigen und erfolgreichen Arbeit von Dr. Georg Hüssler († 14. April 2013) und Dr. Alwin Renker († 6. Dezember 2013) ein Ende setzten, wählte die Mitgliederversammlung des Vereins Freiburger Rundbrief e. V. Dr. Christoph Michel zum Vorsitzenden und Dr. Eugen Baldas zum stellvertretenden Vorsitzenden.

Es stand die Aufgabe an, die Herausgabe der seit 1993/94 vierteljährlich erscheinenden Hefte so lange fortzusetzen, bis entweder eine Weiterführung gesichert oder entschieden sei, dass der „Freiburger Rundbrief“ zum Abschluss kommen und der Verein „Freiburger Rundbrief. Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung e. V.“ aufgelöst werden müsse. Es gab auch massive finanzielle Probleme: Der Verband der Diözesen Deutschland (VDD) reduzierte bereits seit 1999 die Förderung und stellte diese 2013 gänzlich ein – trotz zahlreicher Bemühungen und anerkennender Schreiben.17  Absenkung und Ausfall der VDD-Mittel konnten anfänglich mit Spenden von Dr. Renker, Dr. Hüssler und zahlreicher Förderer des „Freiburger Rundbriefs“ aufgefangen werden. Ab 2014 war dies in gleichem Umfang nicht mehr möglich.

In dieser Situation lud der neugewählte Vorstand mit Unterstützung der Gemeindecaritas beim DCV zu einem „Zukunftsworkshop ‚Freiburger Rundbrief‘“ in die Katholische Akademie Freiburg ein, um Inhalte, Formen und Förderwege für die Weiterführung der Zeitschrift zu diskutieren und die Ergebnisse in einer „Neukonzeption ,Freiburger Rundbrief‘“ zu bündeln.18  Mit den Ergebnissen des Zukunftsworkshop wurde schließlich ein gangbarer Weg zur Weiterführung skizziert.

Die Erzdiözese Freiburg half bei der Entschuldung und stellt weiterhin die Räume für die Geschäftsstelle des „Freiburger Rundbrief“ kostenfrei zur Verfügung. Auch der DCV setzt seine Unterstützung fort: zum einen durch die Errichtung und Pflege des „Vereinsarchiv Freiburger Rundbrief“, angegliedert an das seit langem bestehende „Gertrud-Luckner Archiv“, zum anderen durch die Übernahme des Buchbestands zum Themenfeld „Christen und Juden“, der im Lauf der Jahre aus Schenkungen und Prüfexemplaren in der Geschäftsstelle des „Freiburger Rundbrief“ zu einer Bibliothek angewachsen war und infolge der Verkleinerung der Geschäftsstelle in deren Räumen nicht mehr aufgestellt werden konnte. Diese Bücher konnten inzwischen in der Caritasbibliothek Freiburg in einer neuen Sektion „Freiburger Rundbrief – Begegnung Christen und Juden“ zusammengeführt werden; der Bestand kann erweitert werden; die Bücher sind ausleihbar.19


Dr. Eugen Baldas, 1993–2015 Referatsleiter für den Fachbereich Gemeindecaritas beim DCV in Freiburg i. Br., 2013–2016 Zweiter Vorsitzender des Vereins Freiburger Rundbrief e. V.

  1. Hans-Josef Wollasch, Gertrud Luckner / „Botschafterin der Menschlichkeit“, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2005, S. 52.
  2. Vgl. Hans-Josef Wollasch, „Betrifft: Nachrichtenzentrale des Erzbischofs Gröber in Freiburg“. Die Ermittlungsakten der Geheimen Staatspolizei gegen Gertrud Luckner 1942–1944, Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 4, Konstanz 1999, S. 70. Die Akten nennen keinen Namen des Verbindungsmannes beim DCV; nach Kriegsende identifizierten Zeugenaussagen als Informanten den Schulleiter des Seminars für Wohlfahrtspfleger, Franz Xaver Rappenecker; vgl. Hans-Josef Wollasch, Gertrud Luckner (Anm. 1), S. 49.
  3. Georg Hüssler / Alwin Renker, Vorwort zur Luckner-Biographie, in: Hans-Josef Wollasch, Gertrud Luckner (Anm. 1), S. 7.
  4. Noch bis Jg. V, Heft 19/20 (1952/53) ohne die Hinzufügung „Freiburger“.
  5. „Rundbrief […]“, August 1948, S. 1.
  6. Vgl. den „Registerband“ zum „Freiburger Rundbrief“, Jahrgänge I–XXX (1948–1978) 1981, S. 23.
  7. „Freiburger Rundbrief“, XXI. Folge, Dezember 1969, Umschlagseite 2.
  8. Vgl. Elisheva Hemker, Das Altenwohnheim Gertrud Luckner in Nahariya, in: FrRu NF 7 (2000) 274, 276.
  9. Vgl. Clemens Thoma, Gertrud Luckner: Selbstzeugnisse und Anliegen. Entschlüsselung ihres Anliegens aus dem Freiburger Rundbrief, FrRu NF 7 (2000) 67.
  10. Der Band enthält u. a. die Dokumentation der Festakademie zu Gertrud Luckners 85. Geburtstag, zu der Erzbischof Saier und der DCV eingeladen hatten, sowie eine noch von Frau Luckner zusammengestellte Vorschau auf die nächste „Rundbrief“-Folge.
  11. Der DCV gab ein Rechtsgutachten zur Klärung der Weiterführung des „Freiburger Rundbriefs“ in Auftrag. Näheres dazu im Vereinsarchiv Freiburger Rundbrief, DCV.
  12. Clemens Thoma, Geleitwort, in: „Freiburger Rundbrief Neue Folge“ 1 (1993/94) 2, 4 f.
  13. Z. B. „Freiburger Rundbrief“, Folge 109/112, Dezember 1977, Umschlagseite 4: „Wir senden dieses Heft wiederum sämtlichen Religionslehrern an höheren und Mittelschulen und solchen Persönlichkeiten zu, bei denen wir ein besonderes Interesse für die behandelten Themen annehmen.“
  14. Die jüdische Gemeinde Göttingen e. V. ist Mitträger des Freiwilligen-Zentrums Göttingen; Gründungsträger ist die Caritas Göttingen; weitere Mitträger sind der Diakonieverband, die kath. Pfarrgemeinde St. Paulus, Bündnis 90/Die Grünen und Stadtverband Göttingen. Zum Freiwilligen-Zentrum Göttingen s. Maria Herting / Wolfgang Krell / Eugen Baldas / Rainer A. Roth (Hg.), Freiwilligen-Zentren. Ferment einer solidarischen Gesellschaft, Freiburg i. Br. 2007, S. 196 f. Zum Arbeitsansatz der Freiwilligen-Zentren: Eugen Baldas / Teresa Bock / Johann Michael Gleich / Michael Helmbrecht / Rainer A. Roth, Modellverbund Freiwilligen-Zentren. Bürgerengagement für eine freiheitliche und solidarische Gesellschaft. Ergebnisse und Reflexion, Bd. 203, Schriftenreihe des BMFSFJ, Stuttgart 2001.
  15. Vgl. Eugen Baldas, Weg im Werden: Der Martinusweg durchzieht ganz Europa, in: Caritas 2014, Jahrbuch, Freiburg 2013, S. 111. Vgl. auch Eugen Baldas / Jorge Nuño / Rainer A. Roth (Hg.), Freiwillig. Etwas bewegen! Impulse aus 2001+10, Freiburg i. Br. 2012, S. 403.
  16. Nähere Informationen zum „Gertrud-Luckner-Preis“ und zur Bewerbung finden sich unter https://www.caritas.de/glossare/gertrud-luckner-preis.
  17. U. a. von Karl Kardinal Lehmann und Prof. Dr. Hanspeter Heinz, dem Leiter des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim ZdK; s. die Akten im Vereinsarchiv des „Freiburger Rundbriefs e. V.“.
  18. Der „Zukunftsworkshop ‚Freiburger Rundbrief‘“ fand im Februar 2014 statt; die Mitglieder des Vereins „Freiburger Rundbrief e. V.“ und weitere am Erhalt der Zeitschrift Interessierte nahmen an der Zusammenkunft teil. Die Dokumentation des Zukunftsworkshops liegt in der Geschäftsstelle und im Vereinsarchiv beim DCV vor.
  19. Bibliothek des Deutschen Caritasverbands, Freiburg: www.caritas-bibliothek.de

Jahrgang 23 / 2016 Heft 4, S. 285−293.


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